Von Moritz Kielbassa

Zehn Jahre nach dem verlorenen Finale gegen Manchester tritt der FC Bayern in der Champions League wieder in Barcelona an - Messi, Henry und Eto'o warten.

Bei der Ermittlung der Weiterkomm-Wahrscheinlichkeit im Falle eines "Hammerloses" hatte sich Philipp Lahm auf die Spuren seines alten Mathematiklehrers Ottmar Hitzfeld begeben: "Gegen die absoluten Topklubs aus England und Spanien", rechnete der Nationalverteidiger des FC Bayern vor, "da hätten die anderen, wenn wir zehnmal gegeneinander spielen, im Moment sicher zwei, drei Siege Vorsprung." Lahm übersetzte verständlich: "Da müssten wir Super-Tage erwischen."

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Nach der 1:2-Niederlage im Finale 1999 gegen Manchester sind die Bayern-Spieler geknickt - Spielort war Barcelona. (© Foto: dpa)

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Besseren Gegnern, das war die Botschaft, begegnet man in der Champions League idealerweise so spät wie möglich. Im Achtelfinale blieben die Fußballer aus München von frühen Grausamkeiten noch verschont, nun hofften sie auch auf einen Viertelfinalgegner von annehmbarer Kragenweite, wie Villarreal oder Porto. "Barcelona?", ächzte Kapitän Mark van Bommel hingegen, "puuh, lieber nicht!" Am Freitag kam die Antwort aus der Uefa-Zentrale am Genfer See: Barcelona, puuh, bitteschön!

Steiniger Weg

Bruno Conti fischte das furiose Arrangement aus den Glasbottichen mit den acht Loskugeln. Der Italiener hatte Karl-Heinz Rummenigge, den Vorstandschef des FC Bayern, schon 1982 getriezt, beide duellierten sich im WM-Finale, welches Deutschland 1:3 verlor. 2009 ist Conti Endspiel-Botschafter der Champions League, das Finale kommt am 27. Mai in seiner Heimatstadt Rom zur Austragung. Die Bayern führt nun ein steiniger Weg an diesen Sehnsuchtsort.

Rummenigge quittierte Contis Ziehung in Nyon mit einem süß-sauren Pflichtlächeln, er hatte sich Porto gewünscht. Ein Vorteil immerhin: Die Mission beginnt in Barcelona, das Hinspiel ist am 8. April im Camp Nou. Sollte Bayern mit dem Heimbonus im Rückspiel die Herkulesaufgabe lösen, wäre der Halbfinalgegner auch nicht von Pappe: Liverpool oder Chelsea warten dann.

Die Reaktion der Bayern: ambivalent. Ein gebirgsschwerer Brocken garantiert ja auch Spektakel - und eine Reifeprüfung auf Höchstniveau. "Barcelona ist eine tolle Geschichte, für unsere Fans ein Traum", tirilierte Manager Uli Hoeneß, "wir haben immer gesagt: Wenn gegen einen Großen, dann bitte zuerst auswärts." Jürgen Klinsmann startete sein Münchner Projekt mit just diesem Anspruch: den träge gewordenen Tanker FC Bayern wieder in den Hafen der internationalen Hautevolee zu lenken.

Bislang zeichnet dieses Projekt einen Zickzackkurs in der Bundesliga, aufgehübscht durch Respekt einflößende Resultate in der Champions League; auch in Barcelona registrierte man, dass Bayern soeben Sporting Lissabon mit 12:1 Toren zerlegte. Erwartungsfroh blickt Klinsmann nun dem "riesigen Anreiz" entgegen, "uns mit der derzeit besten europäischen Mannschaft zu messen". Es könnten Spiele wegweisender Wahrheiten werden, auch für ihn.

Verwundbarer Gigant

Von allen Giganten im Lostopf könnte Barcelona zumindest der verwundbarste sein. Das vor der Saison generalrenovierte Künstlerkollektiv der Katalanen zelebriert bedingungslosen Offensivfußball. Trainer Josep Guardiola - er agierte 1992 im Mittelfeld, als Barça den ersten Landesmeister-Europapokal holte - sieht sich als Nachlassverwalter der Kurzpass-Schule Johan Cruyffs.

Ermüdete Kräfte im Team, wie Ronaldinho und Deco, musterte Guardiola beim Amtsantritt 2008 aus, der von ihm noch begnadigte Mittelstürmer Samuel Eto'o bildet inzwischen mit Thierry Henry und Lionel Messi das aufregendste Angriffsdreieck Europas. 55 von famosen 78 Saisontoren in der Primera Division erzielten der Kameruner, der Franzose oder der Argentinier. Dribbelvirtuose Messi, 21, ist rechts der Fixstern, gefüttert wird das Trio von ballgewandten Mittelfeldwirblern wie Xavi, Iniesta.

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