Mit dem Namen Mutko beginnt auch der zweite Konfliktherd, den Hiddink derzeit aushalten muss. Der Niederländer ist mitten in eine Auseinandersetzung der russischen Sportfunktionärskaste gerutscht. Im Prinzip geht es nur um die Verlängerung seines bis zum 30. Juni 2008 laufenden Vertrages. Nach der EM-Qualifikation schien klar: Hiddink wollte in Russland bleiben, Mutko mit dem Niederländer verlängern. Weswegen auch beide im März ihre Unterschrift unter ein Dokument setzten und der Öffentlichkeit mitteilten: Erfolgstrainer Hiddink bleibt der Sbornaja weiter erhalten. Mutko nannte das Dokument Vertrag, Hiddink Vereinbarung.

Anzeige

Doch an dieser Stelle kommt ein weiterer russischer Fußballfunktionär ins Spiel. Die Nationalmannschaft und damit auch den Trainerstab zu bezahlen, ist nämlich nicht Sache des Verbandes, sondern der Nationalen Fußball-Akademie (NFA), einer Einrichtung, die nur einen einzigen Geldgeber hat: Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch. Deren Vorsitzender Sergej Kapkow teilte irgendwann mit, es müsse einen Vertrag zwischen ihm, Mutko und Hiddink geben. Den gebe es aber nicht, die schriftlichen Abmachungen zwischen Mutko und Hiddink seien weder ein Vertrag noch eine Vereinbarung, sondern lediglich irgendeine "Niederschrift auf zwei Servietten".

Forderungen an Hiddink

In der Tat geht es noch um finanzielle und damit ureigene NFA-Dinge. Dem Vernehmen nach will Hiddink zusätzlich zu seinem auf zwei Millionen Euro geschätzten Gehalt, dass die russische Seite auch die anfallenden Steuern übernimmt. Außerdem wünscht sich der Niederländer Verbesserungen im infrastrukturellen Bereich. Doch die NFA weitet ihre Forderungen über den pekuniären Bereich hinaus aus: Sie will festsetzen, dass Hiddink seinen Wohnsitz aus den Niederlanden nach Russland verlegt. Außerdem sei eine Fortsetzung des Engagements noch längst nicht beschlossene Sache. "Die Verlängerung erfolgt in Abhängigkeit vom Ergebnis bei der Europameisterschaft", sagte Kapkow in schönstem Beamtenrussisch.

Als wären diese Hiddink direkt betreffenden Diskussionen nicht genug, ernannte zu allem Überfluss der neue Staatspräsident Dmitrij Medwedjew den Verbandspräsidenten Mutko zum Sportminister. Mutko will beide Ämter bekleiden, aber es gibt eine Gruppe, die sich dagegen ausspricht und auch schon Nachfolger ins Spiel bringt. Zu den Kandidaten zählt - Sergej Kapkow, der NFA-Vorsitzende. Der Konflikt zwischen Mutko und Kapkow schwelt. Hiddink jedenfalls erklärte schon: "Ich bin keine Figur in einem fremden Spiel." Dabei witzelte er gar nicht, und wenn das Gezerre um die Vertragsverlängerung so weitergeht, könnte die Arbeit des Niederländers schneller beendet sein als es die russischen Fußballfans glauben.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Russische Konflikte
  2. Sie lesen jetzt Russische Konflikte
Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/hum)