Der Hickhack um die Vertragsverlängerung und ein Eklat bei der EM-Nominierung stören die russischen EM-Vorbereitungen - und lassen die Zukunft von Nationaltrainer Guus Hiddink fraglich erscheinen.
Wenn in einem Text die Begriffe Holländer und Humor unmittelbar aufeinander folgen, führen die Gedanken des gemeinen deutschen Fernsehkonsumenten fast zwangsläufig zu Rudi Carrell. Die Gedanken des gemeinen russischen Fußballinteressierten hingegen führen derzeit genauso zwangsläufig zu Guus Hiddink. Am laufenden Band, also in bester Rudi-Carrell-Manier, scherzt der russische Nationaltrainer bei vielen seiner öffentlichen Auftritte, witzelt, frotzelt sogar gegen die eigene Verbandsspitze.
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Guus Hiddink hat an einigen kniffligen Punkten zu knabbern. (© Foto: Reuters)
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Das ist erstaunlich. Denn zum einen hat sich der niederländische Erfolgstrainer auf seinen bisherigen Stationen nicht gerade als Spaßvogel einen Namen gemacht. Zum anderen ist die Situation im russischen Fußball derzeit nicht so, dass Hiddink besonders viel witzeln und scherzen sollte. Vom Frotzeln gegen die eigene Verbandsspitze mal ganz zu schweigen. Der beim Fußballvolk und bei der Journaille beliebte Hiddink, der Russland in neue Sphären und gar bis zum EM-Titel 2012 führen soll, muss gerade zwei Konflikte ausfechten, die an seinem Beliebtheitsstatus kratzen und die die Vorbereitung auf die Europameisterschaft merklich stören.
Der eine Konflikt entbrannte, als Hiddink seinen vorläufigen EM-Kader bekanntgab. Fußball-Russland hat, wen wundert's, seine neuen Lieblinge. Seit Zenit St. Petersburg im Uefa-Pokal unter anderem Bayern München bezwang, wünschen sich manche einen Zenit-Block als Gerüst der Nationalmannschaft. Vor allem für die Offensive. Möglich wäre das, denn immerhin acht Stammspieler des Uefa-Pokal-Gewinners könnten für die Sbornaja spielen. Und der im Europapokal gezeigte Stil würde passen zu Hiddinks Anspruch: "Ich will eine schnelle und energische Mannschaft präsentieren."
Keine Eins-zu-eins-Kopie des Zenit-Systems
Doch Hiddink hält von der Blockbildung wenig. Inhaltlich gesehen nicht ganz zu unrecht. Denn ausgerechnet der Kopf des Zenit-Systems, Anatolij Timoschtschuk, ist Ukrainer. Und der pfeilschnelle Angreifer Andrej Arschawin ist wegen einer roten Karte für die beiden ersten Vorrundenpartien gesperrt. Doch selbst wenn diese beiden Spieler zur Verfügung stünden, würde Hiddink wohl auf eine Eins-zu-eins-Kopie verzichten. Solch eine Formation würde zu Auseinandersetzungen mit den Moskauer Großklubs führen, deren Anteil an der Nationalmannschaft Hiddink ohnehin schon reduziert hat.
Hiddink beließ es nicht nur bei der Absage an einen Zenit-Block, er ging noch einen Schritt weiter: Als er vor dem Uefa-Pokal-Finale seinen vorläufigen 25er-Kader nominierte, fehlten in der Liste die beiden zuletzt stark aufspielenden Zenit-Spieler Igor Denisow und Wiktor Fajsulin. Einen Platz ließ Hiddink aber offen, angeblich in Absprache mit den Verantwortlichen von Denisows Klub St. Petersburg, um vor dem Endspiel keinen Wirbel auszulösen.
Der beleidigte Denisow
Doch als Hiddink nach dessen abermals starker Leistung im Uefa-Pokal-Finale dem 24-Jährigen besagten freien Platz anbot, erhielt er über seinen Assistenztrainer Alexander Borodjuk eine Antwort, die er wohl zunächst als Witz auf Rudi-Carrell-Niveau auffasste: Denisow wolle nicht in der Nationalmannschaft spielen. Er sei wohl beleidigt, weil er nicht von Anfang an zu Hiddinks 25er-Liste gehörte, sondern nur der Nachrücker war.
Dem in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsenen Denisow tat die Antwort auch bald schon wieder leid - doch da war es zu spät, die Debatte längst entbrannt. Inzwischen hat sich Denisow entschuldigt, zur EM fährt er trotzdem nicht mit. An Hiddink ist diese Episode nicht spurlos vorübergegangen. Verbandspräsident Witalij Mutko beispielsweise schoss in Richtung des Niederländers: "Wenn er sich an mich gewendet hätte, hätte kein einziger Spieler, auch nicht Denisow, abgesagt."
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