Von Ronny Blaschke

Im deutschen Fußball wird seit Monaten über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit diskutiert. Ein Thema dagegen wird meist defensiv behandelt: Homosexualität.

Justin Fashanu hatte sich sein Leben lang versteckt. Der Fußballer von Nottingham Forest wollte seine Homosexualität geheim halten. Als er 1981 in der Schwulenszene entdeckt wurde, war das sein Ende. Trainer Brian Clough schmiss ihn aus der Mannschaft, Polizisten eskortierten den Engländer mit nigerianischen Wurzeln vom Spielfeld. Fashanu suchte eine neue Herausforderung, doch sein Talent war wertlos geworden. Wo er auch anfing, wurde er gemieden. 1990 nahm er ein lukratives Angebot einer Boulevardzeitung an und bekannte sich in der Öffentlichkeit zur Homosexualität. Als erster Profi überhaupt. Acht Jahre später wurde er in einer Garage tot aufgefunden. Er hatte sich erhängt.

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Fast ein Jahrzehnt ist vergangen. Und bislang hat kein weiterer Spitzenspieler den Mut zu einem Coming Out aufgebracht. "Das gesellschaftliche Klima ist dafür nicht geschaffen'', sagt Tanja Walther. "Schwule Spieler haben Angst, ihre Karriere zu gefährden. Und die Angst ist berechtigt." Die Pädagogin hat an der Organisation der elften Euro-Games mitgewirkt, die an diesem Donnerstag in Antwerpen eröffnet werden. Rund 3500 Aktivisten, Funktionäre, Wissenschaftler, Politiker und Sportler aus 30 Ländern wollen ein Zeichen gegen Homophobie setzen. In Workshops, Konferenzen und sportlichen Wettbewerben.

Ängste der Eltern

Tanja Walther, 36, hat früher auf hohem Niveau Fußball gespielt, für Tennis Borussia Berlin und Turbine Potsdam. Ihre Homosexualität hat sie nie geleugnet, sie wollte sich nicht verstecken, Probleme nahm sie in Kauf. Etwa achtzig Prozent der Spielerinnen seien lesbisch gewesen, sagt sie, die Trainerin eingeschlossen. Und trotzdem durfte sie in Anwesenheit der Nachwuchsteams nie Hand in Hand mit ihrer Freundin auftauchen: "Die Eltern hätten ja Angst haben können, dass wir ihre Kinder umdrehen wollen."

Im deutschen Fußball wird seit Monaten über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit diskutiert. Politiker, Trainer und Funktionäre haben eingesehen, dass farbige Spieler geschützt werden müssen. Doch die Formen der Diskriminierung sind vielfältig, nicht nur im Sport. "Antisemitismus oder Sexismus dürfen nicht verschwiegen werden", fordert Tanja Walther. Seit Jahren erforscht sie eines der letzten großen Tabus. Sie ist hierzulande die führende Aktivistin gegen Homophobie, doch sie steht ziemlich allein da im Männlichkeitswahn der Balltreter.

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