Erste Frau aus Saudi-Arabien bei Olympia Freiheit unterm Schleier

Die Judoka Wojdan Shaherkani tritt als erste Frau aus Saudi-Arabien bei Olympia an. Auch wenn sie wenig Chancen auf sportlichen Erfolg hat: Mit der Debatte, die es um ihren Hidschab gab, hat sich die olympische Sportwelt ein Stückchen mehr geöffnet.

Von Kathrin Steinbichler

In ihrem Lebensalltag kennt es Wojdan Ali Seraj Abdulrahi Shaherkani nicht anders, als in der Öffentlichkeit einen Hidschab zu tragen. In ihrer Geburtsstadt Mekka, der Stadt der heiligsten Stätte des Islam, gibt es darüber kaum einen Zweifel. Hidschab, so heißt auf arabisch die Körperbedeckung, die der Islam bei Frauen einfordert.

Je nach Auslegung und Kulturkreis muss der Hidschab den ganzen Körper oder auch nur den Kopf bedecken. Hintergrund ist das Gebot, alles Verwerfliche zu verbieten, und der unverhüllte Anblick einer Frau gilt in der strengen Auslegung des Islam bereits als verwerflich. Ob das richtig ist oder nicht, lässt sich so ausgiebig diskutieren wie alle Glaubensfragen. Dass sie über den Hidschab einmal vor aller Welt würde diskutieren müssen, hatte Wojdan Shaherkani nicht gedacht.

Saudi-Arabien schickt erstmals Frauen

Shaherkani ist 16 Jahre alt und an diesem Freitag die erste Athletin, die je für Saudi-Arabien bei Olympischen Spielen an den Start gehen wird. Im Judo, was recht normal klingt. Mit einem Hidschab, womit das Problem beginnt.

Am 18. Juli noch hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) stolz eine Mitteilung verschickt: Auch Saudi-Arabien werde zwei Athletinnen nach London entsenden, hieß es da. Es war das letzte Puzzlestück im Bemühen des IOC, jedes Teilnehmerland dazu zu bewegen, bei Olympia auch mit Frauen vertreten zu sein.

"Das IOC hat sehr eng mit Saudi-Arabiens Olympischem Komitee zusammengearbeitet", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge, "und ich freue mich zu sehen, dass unser Dialog gefruchtet hat." Sport von Frauen gilt in vielen islamisch geprägten Ländern noch immer als nicht statthaft. Die Bewegungen, die dabei zu sehen sind, und auch das Selbstbewusstsein, das dabei entsteht, gelten für Frauen als - man ahnt es - verwerflich.

Dass in diesem Jahr erstmals auch nicht säkularisierte islamische Staaten wie Saudi-Arabien, Qatar oder Iran mit Athletinnen bei Olympia vertreten sind, bedeutet viel für die öffentliche Wahrnehmung der Frauen in diesen Ländern.