Von Lars Spannagel

Aufsteiger Karlsruher SC verliert nach Führung noch 1:2 gegen Hannover - und fühlt sich nach einem kurzen Höhenflug gar nicht so unwohl zurück in der Realität.

Nach fünf Minuten war der Karlsruher SC Tabellenführer - zumindest virtuell. Die immer noch vom Aufstieg beseelte Stadionregie hatte sich dazu hinreißen lassen, die Bundesliga-Blitztabelle auf der Anzeigetafel im Wildparkstadion zu zeigen. Der Spielstand von 0:0 plus dem Sieg in Nürnberg ergaben vier Punkte und somit den Platz an der Ligaspitze. Das Karlsruher Publikum jubelte, am Ende des Spiels gegen Hannover 96 standen allerdings null Punkte für den Aufsteiger, dem in der zweiten Hälfte die Cleverness fehlte.

Bundesliga, Hannover schläft Karlsruhe

Hannovers Mike Hanke (hinten) und Arnold Bruggink (Niederlande) jubeln nach Hankes Treffer zum 1:1. (© Foto: ddp)

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In einem über weite Strecken von Fehlern geprägten Spiel setzte sich Hannover dank zweier Treffer in der zweiten Hälf-te durch und vermied so einen erneuten Saison-Fehlstart. Die große Euphorie in Karlsruhe - im Stadionheft tauchte bereits das badische Zauberwort "Valencia" auf - ist erst einmal ein wenig gedämpft.

KSC-Trainer Edmund Becker hatte die selbe Mannschaft aufgestellt, die am ersten Spieltag 2:0 in Nürnberg gewonnen hatte. Als einzige Spitze stürmte Edmund Kapllani, dahinter ruhten die Karlsruher Hoffnungen auf Tamas Hajnal, in dem manch einer nach seinen beiden Toren in Nürnberg schon den neuen Thomas Häßler gesehen hatte. Mit Häßler hatte Hajnal an diesem Abend allerdings nur das körpergrößenbedingt mäßige Kopfballspiel gemein.

Eine gute Szene im 90 Minuten reichte dem kleinen Ungarn dann aber doch, um das Wildparkstadion in Feierlaune zu versetzen: In der 37. Minute zirkelte Hajnal einen Freistoß vor das Tor der 96er, den Manndecker Maik Franz per Kopf zum 1:0 verwertete. Zu diesem Zeitpunkt war Karlsruhe laut Blitztabelle nicht nur Tabellenführer, sondern dem Verfol-gerfeld bereits enteilt. Die KSC-Fans schickten eine La-Ola-Welle durch das Wildparkstadion, das seit dem 2. Mai 1998 auf ein Spiel der ersten Liga ge-wartet hatte.

Wie unnütz eine Blitztabelle am zweiten Spieltag sein kann, zeigte Hannover 96 in der zweiten Hälfte. Dieter Heckings Mannschaft spielte keineswegs brillant, Mike Hanke (per Kopf in der 55. Minute) und Hanno Balitsch (75.) schossen die Niedersachen aber noch zum Sieg. "Wir hatten einfach zu viele Ballverluste", sagte KSC-Trainer Becker nach dem Spiel, "wir brauchen noch mehr Ruhe an dem run-den Ding." Seine Mannschaft vergeude bei der Balleroberung zu viel Kraft, die sie sich durch mehr Kontrolle sparen könne.

In der Tat gelang es dem KSC je länger das Spiel dauerte immer weniger, Druck zu entwickeln. Godfried Aduobe, der in den ersten 45 Minuten noch Zweikampf um Zweikampf im Mittelfeld gewonnen hatte, konnte die Angriffe von Hannover nicht mehr frühzeitig stoppen. Auch 96 hatte zwar wenige wirkliche zwingende Aktionen, nutzte aber einen der von Becker kritisierten Ballverluste in der Vorwärtsbewegung zum Siegtreffer. Karlsruhes Kapitän Mario Eggimann musste zugeben, dass es nach diesem Fehler schon "sehr schnell gegangen" sei. Danach habe dann die Kraft gefehlt, um noch einmal auszugleichen.

Die Karlsruher Zuschauer feierten ihre bis zum Schluss rackernde Mannschaft trotz der Niederlage, noch überwiegt die Freude über die wiedergewonnene Erstklassigkeit. Manager Rolf Dohmen sagte, nun freue man sich auf "das nächste wunderschöne Spiel" in Leverkusen. Insgesamt schien das 1:2 die KSC-Verantwortlichen gar nicht so sehr zu schmerzen, vielleicht wurden ihnen die Träume in Karlsruhe zu schnell zu groß. Hannovers Trainer Dieter Hecking orakelte nach dem Spiel, vielleicht habe der KSC "unter der Euphorie in der Stadt gelitten", die mache bekanntlich manchmal "schwere Beine". Und Edmund Becker, bodenständiger Badener und allein deswegen aller Luftschlösser unverdächtig, kommentierte die Einblendung der Blitztabelle auf seine Weise: "Alles Käse".

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(sueddeutsche.de)