Ermittlungen gegen Uli Hoeneß Privataffäre? Von wegen!

Die Fußball-Bundesliga zeigt sich schockiert, der FC Bayern hingegen will den Anschein erwecken, als betreffen ihn die Vorwürfe gegen Präsident Uli Hoeneß nicht. Doch Hoeneß ist beim FC Bayern die Klammer für alles. Die Frage wird sein: Kann ein mutmaßlicher Steuerhinterzieher noch Präsident und Aufsichtsratschef dieser Fußball-AG sein?

Von Andreas Burkert

Diesen Montag landet die beste Fußballmannschaft des Planeten in München, der FC Barcelona. Der FC Bayern ist gerade in Rekordform und traut sich laut Sportvorstand Matthias Sammer zumindest "auf Sicht" zu, das große Barça abzulösen. Und warum denn nicht schon jetzt, im Halbfinale der Champions League, in dem am Dienstagabend das Hinspiel steigt? Das war die Ausgangslage vor diesem Spiel beim deutschen Meister - bis am Samstagmorgen die Meldung von den heimlichen Millionen des Vereinspräsidenten eintraf. Ob die mutmaßliche Privataffäre des Uli Hoeneß, 61, nicht auch Auswirkungen auf das Duell mit Barcelona habe, wurde Sammer am Sonntag gefragt.

"Völliger Quatsch", entgegnete er.

Die Saison wird von den Bayern wohl trotz der Schlagzeilen über Hoeneß mit zwei bis drei Trophäen beendet werden. Und doch stimmt es nur bedingt, wenn der Trainer Jupp Heynckes von einer reinen "Privatangelegenheit des Präsidenten" spricht. Denn sie trifft jenen Verein mit Wucht, in dem Hoeneß auch nach seinem Wechsel vom Manager- ins Ehrenamt der mächtigste Mann geblieben ist: Hoeneß ist beim FC Bayern die Klammer für alles.

Wird seine Stimme noch Gehör finden?

Doch jetzt werden Fragen kommen, auch jene, ob ein mutmaßlicher Steuerhinterzieher noch Präsident und Aufsichtsratschef einer Fußball-AG sein kann, in dessen Kontrollgremium die Vorstände von Dax-Unternehmen sitzen. In diesen Unternehmen stehen die Compliance-Programme, die Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung, längst ganz oben in der Hausordnung. Am Sonntag sagte Hoeneß zu Sport-Bild: "An einen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender bei Bayern München denke ich nicht."

Triple-Sieger im Gefängnis

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Eine weitere Frage, die diskutiert werden dürfte, wird sein, ob Uli Hoeneß, der die Missstände nicht nur in der Welt des Fußballs, sondern auch jene in der Welt der Wirtschaft in einem scharfen, nicht selten besserwisserischen Ton anprangerte - ob diese Stimme irgendwann, nach Ende des Verfahrens, noch einmal Gehör finden wird. Oder ob sie verstummt.

Es ist nicht einfach, zu einem möglichen Bedeutungsverlust der über Jahrzehnte ersten Stimme im deutschen Fußball erste Reaktionen zu erhalten. Man ist offenbar schockiert, will abwarten, bis Konkretes vorliegt. Der Chef eines namhaften Bundesligisten sagt, er wolle nichts sagen, zumindest nicht offiziell. Inoffiziell sei er sich aber sicher: "Die Sache wird das Lebenswerk von Uli Hoeneß zerstören."