Ermittlungen gegen Marco Reus Steuergeheimnis

Die nächste gelbe Karte? Marco Reus hat erneut den Staatsanwalt am Hals.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)
  • Die Dortmunder Strafverfolger fragen sich: Wie oft ist Fußballer Marco Reus ohne gültigen Führerschein Auto gefahren?
  • Die Staatsanwaltschaft will herausfinden, wer den Nationalspieler wann wo hinter dem Steuer gesehen hat.
Von Hans Leyendecker

Der Fußballer Marco Reus hat wie so viele Berufsfußballer einen Hang zu Edelkarossen. Er fuhr einen schwarzen Aston Martin, einen Range Rover und noch andere Autos. Nur: Er hätte die Wagen, deren Kennzeichen seine Initialen MR trugen, bekanntlich gar nicht fahren dürfen. Am 17. Dezember 2014 war öffentlich geworden, dass das Amtsgericht Dortmund wegen des Verdachts des Fahrens ohne Fahrerlaubnis einen Strafbefehl in Höhe von 90 Tagessätzen und 540 000 Euro Geldstrafe erlassen hatte.

Dabei ging es nur um sechs Fahrten, bei denen der Fußballer zwischen Dezember 2011 und März 2014 entweder geblitzt oder angehalten worden war. Bei einer Kontrolle, die ihm zum Verhängnis wurde, hatte Reus einen holländischen Führerschein gezeigt, der sich bei einer Überprüfung in den Niederlanden als falsch herausstellte. Freunde von Reus, der offenbar keine Lust auf die theoretische Prüfung hatte, hatten ihm das Papier 2009 besorgt.

Abgeschlossen ist der Fall jedoch nicht. Die Behördenleitung der Dortmunder Staatsanwaltschaft war nämlich keineswegs amüsiert von den juristischen Vorgängen in dem Fall - von denen sie offenbar nichts wusste. Auch der Generalstaatsanwalt in Hamm, der als strikter Gegner des Prominentenbonus gilt, war wohl unzufrieden, ebenso Teile des Landtags. So haben die Strafverfolger, wie die Südwestpresse berichtete, bereits am 19. Dezember 2014 ein neues Ermittlungsverfahren gegen Reus eingeleitet.

Dass der juristisch schwerer wiegende Vorwurf des Gebrauchs einer falschen Urkunde bis dahin gar keine Rolle spielte und nur sechs Fahrten in Rede standen, verwunderte viele. Da passte es, dass sich Bürger meldeten und mitteilten, sie seien ganz sicher, dass Reus sehr viel häufiger gefahren sei. Die Dortmunder Staatsanwaltschaft will nun herausfinden, wer den Nationalspieler wann wo hinter dem Steuer gesehen hat. Zu diesem Zweck wird auch Personal von Borussia Dortmund befragt.

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Dass Reus nicht nur sechsmal ohne Führerschein gefahren ist, schien jedoch ohnehin klar. Aus "Gründen der Verhältnismäßigkeit" hatte die zuständige Staatsanwältin nicht breit ermittelt. Früher wäre der Komplex als "fortgesetzte Handlung" juristisch abgeräumt worden, aber diese Praxis hat der Bundesgerichtshof 1993 kassiert. Es kommt auf die Einzeltat an.

Ganz große juristische Gefahr droht Reus auch jetzt nicht: In jedem potenziellen Einzelfall müsste die Staatsanwaltschaft stichhaltig und nachprüfbar dokumentieren, an welchen Tagen Reus gefahren sein soll. Sollten Einzelfälle auftauchen, könnte die Verteidigung den vielschichtigen "prozessualen Tatbegriff" ins Spiel bringen, der zur Abwehr von Angriffen sicherer zu sein scheint als die Viererkette des BVB in dieser Saison.

Auch bekamen Ermittler den Hinweis, Reus sei angeblich in jüngerer Zeit noch einmal selbst Auto gefahren. Dafür gebe es Zeugen. Vertraute von Reus weisen den Vorwurf vehement zurück: Dies sei nur ein böses Gerücht.