Erfolgreiche Klage von Bremen So teuer ist der Polizeieinsatz bei einem Bundesligaspiel

Polizeikräfte der Reiterstaffel stehen vor dem Millerntor-Stadion.

(Foto: dpa)
  • Die Kosten für Polizeieinsätze bei Bundesliga-Spielen können in den Millionenbereich gehen.
  • Auch bei "normalen" Spielen müssen 200 Beamte für die Sicherheit da sein.
  • Nach einer erfolgreichen Klage des Bundeslandes Bremen soll sich nun die DFL an den Kosten beteiligen.
Von Carsten Scheele

Wie viel ein Polizeieinsatz rund um ein Spiel in der Fußball-Bundesliga kostet, lässt sich pauschal nicht beantworten. Die jeweilige Ansetzung ist ausschlaggebend. Es gibt unkomplizierte Partien, Bremen gegen Freiburg etwa: Zwischen beiden Vereine sind keine größeren Rivalitäten bekannt, die Gastmannschaft hat einen langen Anfahrtsweg - in der Regel bleiben größere Zwischenfälle aus.

Natürlich muss die Polizei vor und im Stadion präsent sein, sich auch in der Stadt oder am Hauptbahnhof blicken lassen. Manchmal müssen Beamte betrunkene Fans aufgreifen, bei Spielen am Wochenende häufiger als am Dienstag- oder Mittwochabend. Meist genügen für solche "normalen" Spiele 200 Polizisten.

Deutlich teurer wird es bei Hochrisikospielen, wenn nicht der SC Freiburg nach Bremen kommt, sondern beispielsweise der Hamburger SV. Dann handelt es sich um ein Derby mit jahrzehntelang gewachsener Rivalität zwischen den Fangruppen. 200 Polizisten wären an einem solchen Tag heillos überfordert. Beim Derby am 19. April 2015, um das es im konkreten Gerichtsurteil geht, setzte die Bremer Polizei exakt 969 Beamte ein.

Bundesliga-Klubs müssen sich an Polizeikosten beteiligen

Das OVG Bremen argumentiert, dass die Deutsche Fußball-Liga von der Sicherheitsleistung der Polizei profitiert - und daher für Mehrkosten bei Hochrisikospielen aufkommen muss. Die DFL will Revision einlegen. mehr ...

Das macht 9537 Arbeitsstunden. Dafür stellte das Bundesland Bremen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eine Rechnung über 425 718,11 Euro, die im Berufungsverfahren auf 415 000 Euro ermäßigt wurde - und wies darauf hin, dass die Kosten für ein "normales Bundesligaspiel" bereits abgezogen worden seien.

Beamte aus anderen Bundesländern kosten extra

Die Kosten sind unter anderem so hoch, weil das Land Bremen nicht über genügend eigene Polizeikräfte für einen solchen Einsatz verfügt. Aus drei weiteren Bundesländern wurden Beamte angefordert, nach eigenen Angaben musste Bremen etwa 200 000 Euro als Entschädigung an die beteiligten Länder zahlen.

Bei anderen Hochrisikospielen kamen in der Vergangenheit noch mehr Polizisten zum Einsatz. Etwa bei der Zweitligapartie zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig in der Saison 2016/17, damals waren rund 2500 Beamte im Einsatz. Die Gesamtkosten sollen bei mindestens 1,2 Millionen Euro gelegen haben, die das Land Niedersachsen übernahm. Hinzu kamen die Kosten für die Hilfe der Bundespolizei.

Es geht jedenfalls um sehr viel Geld: Der Rechnungshof in Baden-Württemberg schätzte im Jahr 2015 die Kosten für Polizeieinsätze bei Fußballspielen in den ersten fünf Ligen deutschlandweit auf 119 Millionen Euro pro Jahr. Auch die öffentliche Meinung scheint klar zu sein: Nach einer Umfrage des Allensbach Instituts vom Januar 2015 waren nur sechs Prozent der Befragten dafür, dass alles so bleibt wie es ist. Die Hälfte fand, dass die Vereine die Polizei-Kosten komplett übernehmen sollten.

Die Liga muss zahlen

Ein Sicherheitsobolus für Polizeieinsätze ist in dem Riesengeschäft Fußball recht und billig. Kommentar von Heribert Prantl mehr...