Erfolg des FC Bayern München Unbesiegbar, aber noch nicht epochal

Meisterfeier des FC Bayern "Einen Rekord nach dem anderen gebrochen"

(Video: Süddeutsche.de, Foto: Bongarts/Getty Images)

Selbst Jens Lehmann lobt: Der aktuelle FC Bayern sei die beste deutsche Mannschaft, die er je gesehen habe. Doch faszinierende Mannschaften gab es oft in der Bundesliga - nur bisher hat noch keine lange durchgehalten. Daran wird sich erst die Stärke der Bayern messen.

Ein Kommentar von Christof Kneer

Die Fußball-Historiker waren sich bisher weitgehend einig: Die besten deutschen Klub-Mannschaften, die es je gab, sind Schalke 04 (in der Zeit von 1988 - 1998), Borussia Dortmund (1999 - 2003) und der VfB Stuttgart (2008 - 2010). Zugegeben, dieser Zweig der Geschichtsschreibung orientiert sich stark an der Lehre des Torhüters Jens Lehmann, der grundsätzlich jene Teams für die besten hielt, in denen er gerade spielte.

Diese Theorie hatte wegen ihrer Übersichtlichkeit stets einen gewissen Charme, aber am Wochenende hat Lehmann sie selbst entkräftet: Die beste deutsche Mannschaft, die er je gesehen habe, sei der aktuelle FC Bayern.

Quervergleiche durch die Epochen sind eine wunderbar sinnlose Übung, das ist ungefähr so, als würde man untersuchen, ob die Pferdewagen der Antike in einem Formel-1-Rennen eine Chance hätten, vorausgesetzt natürlich, sie hätten einen Motor. Trotzdem kann man Lehmann verstehen: Die aktuellen Rekordbayern schreien geradezu nach einer historischen Einordnung - wobei sie in der deutschen Fußball-Geschichte vor allem sich selbst begegnen.

Wer die beste deutsche Klub-Elf der Geschichte sucht und Jens Lehmanns Teams ausnahmsweise außer acht lässt, steht vor der Herausforderung, Mario Mandzukic mit Gerd Müller und Franck Ribéry mit Uli Hoeneß vergleichen zu müssen.

Die bisher prägendste Elf der Liga waren die Bayern der Siebzigerjahre, sie sind mit Sicherheit der schärfste Rivale für die neue Bayern-Elf. Ansonsten im Angebot nach 50 Jahren Bundesliga: die munter galoppierenden Gladbacher Fohlen der Siebzigerjahre; der von Ernst Happel strategisch gut gebaute Hamburger SV der frühen Achtziger; die von Otto Rehhagel militant auf Underdog getrimmten Bremer; die von Matthias Sammer angetriebenen Hitzfeld-Dortmunder und die von Michael Ballack gelenkten Vizekusener; Thomas Schaafs elegante Rautenbremer im Meisterjahr 2004; oder Jürgen Klopps hippe Neuzeit-Borussen. Faszinierende Mannschaften, jede auf ihre Art - aber bisher hat noch keine lange durchgehalten.

Die Bayern haben nie zugelassen, dass sich anderswo ein längerer Zyklus entwickelt, zur Not haben sie dem Mitbewerber halt den besten Spieler entwendet. Das allerdings wird nun der historische Maßstab für die aktuelle Mannschaft sein: ob sie ihrerseits in der Lage sein wird, einen Zyklus zu prägen. Der aktuelle Titel ist zunächst einmal auf drei großen T's erbaut - auf sensationell sitzenden Transfers (Martínez, Dante, Mandzukic), einem spektakulär erfrischten Trainer (Heynckes) und einem monumentalen Trotz, der sich den jüngsten Demütigungen verdankt (Chelsea, Dortmund).

Mit etwas Glück könnte daraus aber ein Team erwachsen, dessen Vergleichsebene womöglich nicht mehr die besten deutschen, sondern die besten europäischen Teams der Geschichte sind. Jens Lehmann ahnt: Sein FC Arsenal hätte in so einem Ranking keine Chance.