Entscheidung über DFL-Sicherheitskonzept Alle sollen zufrieden sein

Künftig soll der Heimverein bei einem Hochrisikospiel auch das Kartenkontingent für die Gästefans reduzieren dürfen. Bislang standen dem Gast zehn Prozent aller Tickets zu. Die Anhänger fürchten, dass ihre beliebten Auswärtsfahrten eingeschränkt werden oder Vereine nur teure Sitzplatzkarten anbieten, wodurch sich sozial Schwächere den Besuch nicht mehr leisten könnten. Zudem bleibt offen, ob der Heimverein seine frei werdenden Karten an sein eigenes Klientel verkaufen kann und es zu einem Instrument wird, ungeliebten Klubs eins auszuwischen.

Schärfere Kontrollen vor den Stadien sind nur eine von vielen geplanten Maßnahmen.

(Foto: dpa)

Doch diese Probleme würde der Fußball wohl selbst lösen. Die Frage ist: Geben sich die Innenminister mit den Maßnahmen zufrieden? Oder holen sie Forderungen aus der Schublade, die den Klubs am Mittwoch gar nicht vorgelegt werden: zum Beispiel die Erhöhung des Stadionverbots von drei auf zehn Jahre.

Dabei zucken Fan-Vertreter und Juristen bei diesem Thema förmlich zusammen, weil hier teilweise Willkür und Bestrafung ohne Anhörungsrecht des Betroffenen herrscht. Die Stadionverbotspraxis ist ein Keim für das tiefe Zerwürfnis zwischen Fans und den Institutionen.

Zudem regen Politiker an, dass die Vereine die Fanprojekte alleine finanzieren sollen. Jeder Profiklub muss ein solches Projekt vorweisen; das Geld dafür kommt bislang zu je einem Drittel von der Kommune, dem Bundesland und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Als die Fanbetreuer von den Plänen erfuhren, gerieten sie in Panik. Sie verstehen sich in erster Linie als soziale Jugendarbeiter, als solche finden sie auch den Zugang zu den schwierigen Fällen in den Kurven.

Gelten sie als Agenten der oft unbeliebten Klub-Chefs, "würden diese Türen zugehen", formuliert die Koordinationsstelle Fanprojekte Kos in einem Statement. Doch auch hier deutet die DFL eine Annäherung an: Der Fußball stockt seinen Betrag erheblich auf und will künftig auch Verbandsstrafen für "ligaübergreifende Maßnahmen der Präventionsarbeit" einsetzen. Ohne aber die öffentliche Hand aus der Verantwortung zu entlassen und damit das Konzept der Fanprojekte zu gefährden. Am Ende sollen eben alle zufrieden sein.