Wie bei der EM 2004: Wieder wurde das Spiel England gegen Portugal im Elfmeterschießen entschieden - und wieder sind die Engländer draußen. Held des Tages ist Portugals Torhüter Ricardo, der erstmals drei Elfmeter gehalten hat. Englands Stürmer Rooney sah nach einer schweren Tätlichkeit Rot.

Torhüter Ricardo hat Portugal erstmals seit 1966 wieder ins Halbfinale einer WM geführt und alle Titelträume der Engländer auf einen Schlag beendet. Nach einer Nullnummer über 120 Minuten hielt der 30-Jährige von Sporting Lissabon im "Shootout" als erster Schlussmann überhaupt drei Elfmeter.

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Dieser Tritt in die Weichteile bringt Rooney die rote Karte ein. Der Schiedsrichter stand direkt daneben. (© Foto: AFP)

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Den entscheidenden Treffer zum 3:1 erzielte schließlich Cristiano Ronaldo. Zuvor hatten die Iberer beim Viertelfinale in Gelsenkirchen eine einstündige Überzahl nicht nutzen können: Stürmerstar Wayne Rooney war in der 62. Minute nach einer Tätlichkeit an Ricardo Carvalho mit "Rot" vom Platz geflogen.

Damit ist die Amtszeit von Sven-Göran Eriksson ab sofort beendet und England einmal mehr an seinem Angstgegner gescheitert.

Bereits bei der EM 2002 hatten die Three Lions im Viertelfinale gegen Gastgeber Portugal verloren. Der portugiesische Trainer Luiz Felipe Scolari schaffte sogar seinen dritten großen Sieg gegen die Engländer und deren Teammanager Eriksson.

Bei der WM 2002 hatte "General Felipao" das Fußball-Mutterland mit Brasilien im Viertelfinale mit 2:1 ausgeschaltet, zwei Jahre später folgte der Sieg im Elfmeterschießen in Lissabon. England hat nun auch seinen fünften "Shootout" bei einer WM oder EM verloren.

Portugals größte Siegchance in der regulären Spielzeit vereitelte Englands Torhüter Paul Robinson, der einen Schuss des kurz danach ausgewechselten Luis Figo mit einer Glanzparade abwehrte (79.).

Keine Chancen in der Verlängerung

Auch in der Verlängerung, als sie das Tor der Engländer geradezu belagerte, spielte sich Scolaris Mannschaft keine zwingenden Torchancen heraus. Ein Kopfballtreffer von Helder Postiga wurde zu recht wegen Abseits nicht anerkannt (108.).

In der ausverkauften Veltins-Arena entwickelte sich von Beginn an ein von viel Taktik und gegenseitigem Respekt geprägtes Spiel, das den 52.000 Zuschauern kaum Höhepunkte bot.

Bei Temperaturen von über 30 Grad unter dem geschlossenen Arena-Dach taten sich die Spieler bei jedem Antritt sichtlich schwer. Tempo-Fußball war kaum zu sehen.

Nach einer noch ansehnliches Anfangsphase waren die Engländer das aktivere Team, doch Portugal vergab in der 13. Minute die größte Chance. Nach einem Freistoß von Kapitän Luis Figo legte Gary Neville unfreiwillig auf Tiago ab, doch der Spielmacher des französischen Meisters Olympique Lyon verstolperte freistehend vor Torwart Paul Robinson.

Danach verflachte die ohnehin schwache Begegnung noch weiter, von zahlreichen kleinen Konzentrationsfehlern in beiden Deckungsreihen konnte niemand profitieren.

Scolari, der nach dem "Kartenspiel" im Achtelfinale gegen die Niederlande (1:0) die gesperrten Deco und Costinha ersetzen musste, ließ Simao zunächst überraschend auf der Bank und brachte Tiago auf der Position hinter den Spitzen. Figo spielte in seinem 125. Einsatz für Portugal damit wieder auf "seiner" rechten Seite, die er zeitweise immer wieder mit Linksaußen Cristiano Ronaldo tauschte.

Eriksson konnte seine Bestbesetzung aufbieten, von der er überzeugt war, dass sie Portugal "auf jeden Fall" schlagen werde.

Gary Neville, der beim 1:0 im Achtelfinale wegen einer Wadenverletzung gefehlt hatte, kehrte für Michael Carrick in die Startelf und auf seine angestammte Position rechts in der Viererkette zurück. Von dort rückte Bayern-Profi Owen Hargreaves wieder ins defensive Mittelfeld.

Nach der Pause kamen die Engländer besser ins Spiel. Lampard (53.) und Ashley Cole (59.) verpassten aber aus aussichtsreicher Position. Danach schwächten sich die Briten aber selbst. Zehn Minuten nach der Auswechslung von Beckham, der völlig ausgepumpt vom Feld ging, trat Rooney seinem Gegenspieler Carvalho in den Unterleib und sah völlig zurecht Rot.

Dennoch besaßen die Engländer in der 83. Minute noch einmal die Chance zum Sieg, als Lampard mit einem Freistoß und der eingewechselte Aaron Lennon an Torhüter Ricardo scheiterten.

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(sid)