Emre Can "Wenn der Trainer sagt, ich soll ins Tor gehen, dann mache ich das"

Emre Can (links) beim Confed Cup 2017.

(Foto: AFP)

Mittelfeldspieler Emre Can spricht über Fußball in England - und erklärt, wieso er davon ausgeht, dass ihn Bundestrainer Löw für die WM nominiert.

Von Sven Haist und Philipp Selldorf

Ein akrobatischer Seitfallzieher war in der vergangenen Saison das "Tor des Jahres" in der Premier League. Erzielt hat dieses Tor der deutsche Nationalspieler Emre Can, 24, türkische Wurzeln, geboren und aufgewachsen in Frankfurt am Main. Seit dem Sommer 2014 spielt Can beim FC Liverpool, inzwischen unter dem deutschen Trainer Jürgen Klopp. Aber es braucht schon spektakuläre Aktionen wie diesen viel beachteten Treffer, damit auch das deutsche Fußballpublikum hin und wieder Notiz nimmt von dem Mittelfeldspieler Can, der über Stationen beim FC Bayern und Bayer Leverkusen in die englische Liga kam.

Dennoch: Dass ihn seine Rolle als Stammspieler beim Champions-League-Viertelfinalisten zu einem sicheren Anwärter macht auf einen Platz im WM-Kader von Joachim Löw, davon geht Can fest aus: "In England wird wahrgenommen, dass ich in Liverpool ein Leistungsträger bin. Ich war immer wichtig für die Mannschaft", sagte er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Seine deutschen Trainer, Klopp im Verein und Löw im Nationalteam, "die wissen, was sie an mir haben". Und mit der Zeit, glaubt Can, "wird dann auch die Wertschätzung kommen. Und zwar, wenn ich weiter so gut spiele wie in dieser Saison - da bin ich selbstbewusst genug. Wichtig ist, was meine Trainer von mir halten und meine Kollegen im Klub und in der Nationalmannschaft."

In Liverpool spielt er im zentralen Mittelfeld

Für die Test-Länderspiele der DFB-Elf gegen Spanien am Freitag in Düsseldorf und gegen Brasilien am kommenden Dienstag in Berlin wurde Emre Can eingeladen, sein Platz im Kader für die WM in diesem Sommer in Russland gilt in der Tat als ziemlich sicher. Zwar sei Löw bisher "noch nicht in Liverpool" gewesen, um ihn live im Stadion zu beobachten, berichtet Can, "aber man tauscht sich ab und zu per SMS aus, und beim Spiel gegen Manchester City in der Liga war Marcus Sorg da", Löws Assistent. Can zur SZ: "Ich freue mich wahnsinnig auf die WM, es war immer mein Wunsch, mal bei diesem Turnier dabei zu sein. Das war schon so, als ich als kleiner Junge 2006 in Frankfurt beim Public Viewing war."

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In Liverpool setzt Jürgen Klopp den Deutschen konsequent im zentralen Mittelfeld ein - auf seiner Lieblingsposition. In der Nationalelf sucht Can noch seine Rolle, inzwischen scheut er sich aber nicht mehr, auch Ansprüche zu formulieren: "Mein Ziel ist, noch viel, viel öfter zu spielen, Führung zu übernehmen. Ich bin jetzt ein paar Jahre dabei. Bisher habe ich nicht immer auf meiner Position spielen können, deshalb konnte ich vielleicht auch nicht immer unter Beweis stellen, was ich kann", sagt er - fügt aber sicherheitshalber an: "Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich spiele dort, wo ich spielen soll. Und wenn der Trainer sagt, ich soll ins Tor gehen, dann mache ich auch das."

Im Sommer läuft Cans Vertrag beim FC Liverpool aus, sein Verbleib in England ist ungewiss. Unter anderem wird Borussia Dortmund als Interessent gehandelt. Can gibt sich da bemerkenswert offen: "Klar, die Bundesliga würde mich reizen, wieso nicht? Obwohl ich ehrlich sagen muss, dass das Niveau in den vergangenen Jahren nachgelassen hat. Das hängt natürlich mit dem Geld zusammen. Die Premier League hat die Power, mehr Geld für die Spieler auszugeben als die Bundesliga. Das ist für Spieler schon sehr, sehr wichtig."

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"Es ist krass in England"

Nationalspieler Emre Can über die kommende WM, die Arbeit mit Jürgen Klopp beim FC Liverpool, und was der große Nachteil daran ist, in der Premier League zu spielen. Interview von Sven Haist und Philipp Selldorf mehr...