Von Jürgen Schmieder, Basel

Es sind die Mittel, mit denen die holländische Elf ihre Gegner besiegte: Kombinationsfußball, einstudierte Spielzüge, präzise Konter. Mit der Kopie davon kommt die russische Mannschaft zu einem 3:1 und zieht ins Halbfinale ein.

Es war ein Treffer, der wohl in 20 Jahren noch in sämtlichen Filmen gezeigt wird, die den Titel "Schönste Tore aller Zeiten" tragen. Flanke in den Strafraum, Volleyschuss, Tor. Marko van Basten hat es vor 20 Jahren erzielt. Bei einer EM. Gegen Russland. "Das interessiert heute doch kaum jemanden", sagte van Basten, inzwischen Trainer der Holländer, vor dem Spiel. Auch auf ein Duell Holland gegen Hiddink, ehemaliger Trainer der Holländer, wollte er sich nicht einlassen: "Letztlich bleibt es das Spiel Niederlande gegen Russland. Darauf sollten wir uns konzentrieren."

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Schütze des 1:0: Roman Pavlyuchenko (© Foto: AFP)

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In der 112. Spielminute fiel dann ein Treffer, der garantiert in keinem Schönheits-Video auftaucht, an das sich van Basten aber wohl ebenso erinnern wird wie an seinen Treffer vor 20 Jahren. Andrej Arschawin spielte sich durch die holländische Abwehr und flankte in die Mitte. Dort hatte sich Dimitr Torbinskij freigelaufen und erzielte das 2:1 für die Russen.

Es war das Aufeinandertreffen der wohl spielstärksten Mannschaften bei diesem Turnier - aber in der ersten Halbzeit nicht das Spiel, das sich die Zuschauer und vor allem die holländische Elf vorgestellt hatte. Das zeigte sich vor allem in der Szene in der 20. Minute, als Wesley Snejder den Ball einfach nach vorne in Richtung von Ruud van Nistelrooy bolzte, anstatt einen Kollegen per Kurzpass zu bedienen. Die russische Defensive verschob geschickt und nahm so Rafael van der Vaart und Nigel de Jong aus dem Spiel, Snejder und Dirk Kuyt konnten sich auf den Außenbahnen kaum in Szene setzen.

Anders die Russen: Bei Eroberung des Spielgeräts kombinierten sie ballkontaktarm nach vorne, sie suchten und fanden immer wieder Andrej Arschawin, der zunächst eine Kopfballchance von Pawlyutschenko vorbereitete (8.), danach einen Verteidiger schwindlig spielte und einen Schlenzer knapp neben das Tor setzte (31.)

Die Holländer sahen der Spielweise ihres Gegners zunächst verdutzt zu, van Nistelrooy diskutierte mit Kuyt, Trainer van Basten schickte als Warnung zwei Spieler zum Warmlaufen. Seine Mannschaft spielte daraufhin offensiver, ohne jedoch zwingen zu werden. Die besten Gelegenheiten in der ersten Halbzeit entstanden nach Standardsituationen oder Fehlern im russischen Spielaufbau.

Vor allem die Fitnessfrage wurde vor diesem Duell gestellt, sie war noch präsenter als die unvermeidlichen Maskottchen dieser EM. Hiddinks Mannschaft musste auch im dritten Gruppenspiel mit den besten Spielern auflaufen, um das Erreichen des Viertelfinales zu sichern. Die russische Elf läuft laut Statistik vier Kilometer mehr als jede andere Mannschaft. "Wir laufen viel", sagte Hiddink. "Aber wir laufen auch viel falsch." Marko van Basten dagegen konnte seine Stars schonen, seine B-Elf besiegte Rumänien mit 2:0. "Wir haben eben 23 gleichwertige Spieler im Kader", sagte van Basten. Eine holländische Zeitung schrieb, dass van Basten nicht auswechseln müsse, sondern nachladen könne.

Auf diesen Vorteil vertraute die holländische Elf, van Basten lud zum ersten Mal nach. Er nahm Dirk Kuyt vom Feld und ersetzte ihn durch Robin van Persie. Es machte sich fast direkt bezahlt, nach einer schönen Kombination über van der Vaart schoss van Persie aus 16 Metern knapp neben das Tor (46.). Ansonsten jedoch blieb das Spiel der Holländer zah und unstrukturiert, worauf van Basten in der 54. Spielminute mit der zweiten Auswechslung reagierte - John Heitinga kam für Khalid Boulahrouz.

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