Im Team von Joachim Löw durfte Holger Badstuber neben Per Mertesacker in der Innenverteidigung spielen. Der erst dafür vorgesehene Heiko Westermann kam erst zur zweiten Halbzeit und ersetzte Marcell Jansen als Linksverteidiger. Für Mertesacker hatten sich die Belgier eine kleine Überraschung ausgedacht: Sie griffen ihn nicht an. Immer wieder lief Mertesacker, er lief und lief bis in die Hälfte der Belgier, die alle Passwege verstellten - aber eben nicht angriffen. Die Idee dahinter war nicht schlecht: Mertesacker sollte aus der Abwehr gelockt werden, das Spiel der Deutschen eng machen und, wenn er dann doch angegriffen wurde, mit einem Risikopass den Angriff eröffnen. Ein sehr ähnliches Modell hatten sich bei der WM die Serben ausgedacht und damit Erfolg gehabt; sie gewannen in der Vorrunde 1:0.

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Viele nennenswerte Chancen erspielte sich die deutsche Elf nicht in der ersten Hälfte, die beste wirkte wie direkt aus der WM herüberkopiert: Lukas Podolski spielte zu Thomas Müller, der legte ab für Mesut Özil, und der hatte zwar viel Zeit, den Ball aus 16 Metern im Tor von Logan Bailly unterzubringen, doch sein rechter Fuß ist nun einmal deutlich schlechter als sein linker; der Ball flog hoch in die Nacht (19. Minute). Was Chancen anging, hatten die agileren Belgier allerdings auch nicht viel mehr zu bieten; einmal stand Lukaku frei vor Neuer, allerdings befand er sich im Abseits (36.).

Allzu viel änderte sich in der zweiten Halbzeit nicht am Spielverlauf, die deutsche Elf deutete jedoch immer wieder einmal ihre Klasse an, was stets so unverhofft war und angenehm überraschend wirkte, wie ein Sonnenstrahl, der am grauesten Tag den festen Himmel durchsticht. Zum Beispiel in der 51. Minute: Schweinsteiger setzte am Sechzehnmeterraum unermüdlich nach, was dazu führte, dass er den Ball zu Thomas Müller spitzeln konnte. Der rechnete einsteinschnell die Rasenbeschaffenheit, den Lichteinfall und den Laufweg von Miroslav Klose in eine Gleichung, der gemäß er den perfekten Pass spielte. Klose musste die Kugel dann nur noch zum 0:1 ins Tor schießen, was er gelassen tat. "Schnelles Umschalten nach Ballgewinn war schon bei der WM unsere große Stärke", sagte Müller, "das hat beim Tor auch wieder geklappt." Und fast hätte es in der 70. Minute noch einmal zum Erfolg geführt, als Philipp Lahm im Strafraum auf Müller spielte und dieser Bailly zu einer guten Parade zwang.

Ansonsten aber lieferten die Deutschen vor allem solide Arbeit ab, und mehr hatte auch niemand ernsthaft erwartet. Bis das Team wieder so rauschhaft aufspielt wie in manchen Partien der Weltmeisterschaft, dauert es noch eine Weile, und so ein leichter Leistungsabfall ist so kurz nach großen Turnieren vollkommen normal. Die große Leistung bestand am Freitagabend darin, trotzdem zu gewinnen. "Jeder Anfang ist schwer, deshalb war es wichtig, dass wir direkt auswärts drei Punkte geholt haben", sagte Lahm, "wir wissen, dass wir noch 13 Monate vor uns haben, bis wir uns qualifizieren können. Dass wird ein weiter und harter Weg."

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(SZ vom 04.09.2010/dop)