Es waren schöne Tage in Barcelona für die deutsche Leichtathletik. Sie gewann so viele Medaillen wie schon lange nicht mehr. Dabei kämpft die Sportart um ihren Einfluss und auch die Athleten haben es nicht leicht.
Vom Fernsehsessel aus betrachtet ist die Welt jetzt in Ordnung, denn ein warmer Medaillenregen ist niedergegangen auf die deutschen Leichtathleten bei der EM in Barcelona. Medaillen sind die Währung der Sportunterhaltung, mit ihnen kann man sich die Begeisterung der Leute erkaufen. Der Blick vom Fernsehsessel reicht nicht sehr weit, das ist für die deutsche Mannschaft ein Problem, weil es überzogene Kritik bedeuten kann, wenn der Medaillenregen nicht gleich einsetzt.
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Claudia Hoffmann, Schlussläuferin der deutschen 4x400-Meter-Staffel, freut sich über Silber. (© Reuters)
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Aber es ist auch ein Vorteil: Ein verpatzter Staffel-Wechsel ist vom Fernsehsessel aus schneller vergessen, wenn der Speerwerfer danach Silber gewinnt. Und tiefere Betrachtungen zum Zustand des olympischen Kernsports verschwimmen erst recht, wenn Reporter-Jubel donnert und freudige Überraschungen wie bunte Blitze im Abendprogramm einschlagen.
Die Kritik am deutschen Team nach den ersten beiden medaillenlosen EM-Tagen ist überzogen gewesen. Die leistungssportliche Ausrichtung des Verbandes DLV sieht Führung mit Rücksicht auf den freien Wettbewerb der Ideen vor und ein strenges Bekenntnis gegen dopingförderndes Anspruchsdenken - das bleibt auch dann richtig, wenn die deutsche Mitfavoritin ihr Diskus-Finale verpatzt.
Und nun wiederum, da der DLV mehr Medaillen-Gewinne zählt als vor vier Jahren in Göteborg, braucht keiner zu glauben, dass alle Probleme weg sind. In Disziplinen wie dem Männer-Marathon muss der neue Schwung erst noch ankommen. Dass kein DLV-Zehnkämpfer in Barcelona am Start war, heißt nicht, dass es keine deutschen Talente gibt; im vergangenen Jahr starteten immerhin drei bei der WM in Berlin. Es spricht eher für Schwierigkeiten im Gesundheitsmanagement einzelner Athleten.
Aber auch der Sportstammtisch sollte sich mal überprüfen: Deutsche Leichtathleten als verwöhnte Steuergeld-Vernichter? Wer so tadelt, verkennt den Alltag von Halbprofis wie Linda Stahl, 24, Speerwurf-Europameisterin, oder Carsten Schlangen, 29, EM-Zweiter über 1500 Meter, die neben dem Sport zielstrebig ihre Studien in Medizin bzw. Architektur vorantreiben.
Sie stehen für eine Generation weltoffener junger Leute, die in der Medien-Gesellschaft zwar manche Annehmlichkeit genießen mögen im Vergleich zu Erfolgsathleten der Nachkriegszeit - die aber auch einem schärferen, globalisierten Wettbewerb ausgesetzt sind - und zwar nicht nur im Sport.
Überhaupt gehen die Herausforderungen der deutschen Leichtathletik weit übers Medaillenholen hinaus. Wegen ihrer Vielfalt hat sie einen schweren Stand im modernen Wettkampf-Entertainment gegen übersichtlichere Formate wie die Formel 1. Sie kämpft um ihren Platz im Bewusstsein der Leute und damit um ein Bewusstsein für Bewegungskultur in Zeiten des Fernsehsesselsports.
Sie kämpft um ihren Einfluss im Schulsport, der durch die Einführung der Ganztagsschule neue Chancen für die Vereine bieten kann, wenn sie sich klug einbringen. Es waren schöne Tage in Barcelona. Aber es ist gut, nachdenklich zu bleiben. Zu viel Zufriedenheit macht dick.
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(SZ vom 02.08.2010)
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Es scheint mir verwunderlich, dass hier das türkische System des Sportlerkaufs hochgejubelt, ja sogar als wegweisend bezeichnet wird. Nachwuchsförderung sieht anders aus. Und mit dem Fußballnachwuchs kann man das kaum vergleichen, da der hier aufgebaut wird, während die beiden Damen, die zwei der drei Goldmedaillen errangen, als Erwachsene die Nationalität wechselten. Außerdem kann ich mich an ein griechisches Wunder erinnern, das sich als auf Doping gebaut erwies. Wegweisend? Außerdem wurden wohl einige Bestleistungen und Medaillen verpasst, wie mir scheint. Aber wenn man kein Interesse hat.. Zudem ist Meckern immer leichter, gelle?
Außerdem finde ich das Rufen nach einem Feindbild als ein wenig deplaziert. Wir sollten froh sein, dass der Kalte Krieg vorbei ist.
Und das Aussehen anderer ist Geschmackssache und schon mal deshalb nicht kritikfähig. Außerdem fällt mir dann der Spruch vom Glashaus ein, zumindest unter Berücksichtung des Nicks.
Problematisch finde ich eher, dass es wenige Meetings für den Nachwuchs gibt oder dass immer mehr Stadien reine Fußballarenen werden. Wie sollen Kinder denn dann wissen, dass es mehr als Fußball gibt?
Bis in die 80er Jahre waren Leichtathleten die Repräsentanten zweier feindlich gesonnener Systeme, hie der Warschauer Pakt, da die Nato.
Leichtathletikwettbewerbe waren Ersatzkämpfe auf der Aschenbahn, ganz zu schweigen von deutsch-detuschen Hahnenkämpfen und Stutenbissigkeit . Man denke nur an den Fall Jürgen Mey oder an den Lauf 1972 Rosendahl gegen Stecher.
Darin lag auch die Motivation der Leistungsexplosion.
Heute fehlen solche Motivationen. Darum ist Leichtathletik, beispielsweise eine EM, eher langweilig.
Die TV-Sender stilisieren allenfalls noch einige eher wenig hübsch anzusehene Damen wie eine Frau Friedrich als "Superstars" und meinen, jeden noch so unbedeutenden drittklassigen Sportler vor die Kamera zerren zu müssen.
Die angeblichen Superstars geben sich auch eher wie Schauspieler, wenn sie z. B. sich beim Hochsprung wie Kinder gebärden. Selbst die knappsten Bikinis, mit denen man offenbar Sponsoren gewinnen will, verlieren irgendwann den Reiz.
Und mit Verlaub: Wen interssiert ein Robert Harting, der den Diskus wirft?
Leichtathletik ohne Politik ist auf Dauer zum Scheitern verurteilt.
Es wird wieder nur schöngeredet über die deutsche Leichtathletik. Betrachte ich Frankreich, England, Russland, Belgien ja auch die Türkei, bei diesen Ländern sehe ich Fortschritt in der Leichtathletik, nicht bei uns. Wo sind die deutschen Läufer über 100m, 200m, 400m + H, 800m, 1500m und mehr? Es ist so wie bei vielen anderen deutschen Sportarten es fehlt die Nachwuchsarbeit. Es besteht keine Nachwuchsförderung. Ein gutes positives Beispiel ist der Fussball. Hätte M. Sammer nicht sein Konzept verwirklichen können und dazu noch die schnelle Eindeutschung von türkischen und afrikanischen Spielern, so hätten wir in diesem Jahre kein "Sommermärchen" (dies ist ein dummes Quatschwort) erlebt. Nun werden erst einmal die 100m-Läuferin und der Weitspringer ordentlich vermarktet und schon werden sie weg vom Fenster sein. Geld, Geld regiert die Welt, das ist sehr wichtig in Deutschland.
daß die deutsche Leichtathletik wieder Interesse bei der Juxgend findet und nun auch wieder Athleten aus den alten Bundesländern erfolgreich sind.
Was aber im europäischen Stil abzulehnen ist, daß verschiedene Verbände sich ihre Athleten in Afrika zukaufen. Das ist moderner Menschenhandel, der die tatsächliche Verbandsarbeit ad Absurdum führt. Die Verbände sollen junge Athleten im eigenen Land aufspüren und fördern.
Noch ist eine Leichtathletiknationalmannschaft keine Champions - League -Truppe.