Die umgestellte deutsche Elf steigert sich beträchtlich und zieht mit einem 3:2 gegen Portugal ins EM-Halbfinale ein.

Vier Minuten Nachspielzeit waren angezeigt im strömenden Regen von Basel, und es war klar: Es würden vier Minuten werden, in denen die Sekunden sehr langsam von der Uhr tropfen. 3:2 führten die Deutschen im EM-Viertelfinale gegen Portugal, doch die Portugiesen rannten an, nun endlich, nachdem sie so lange so apathisch gewirkt hatten. Die Deutschen standen tief in der eigenen Hälfte, sie schlugen den Ball nach vorn, bloß kein Tor kassieren, das war alles, was sie wollten - kein Gedanke mehr an Spielgestaltung. Sekunde um Sekunde verstrich, die portugiesische Elf attackierte, die deutsche verteidigte, und schließlich waren die 240 Sekunden nach einer sehr langen Weile tatsächlich vorbei. 3:2, Deutschland hatte gewonnen und steht im Halbfinale der EM.

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Yes! Wir haben's geschafft. Christoph Metzelder nach getaner Tat. (© Foto: AFP)

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Phillip Lahm war es, der nach der Partie als erster die großen Worte fand: "Der Glaube ist alles", verkündete er stolz, "wir haben mit viel Mut gespielt." Als nächstes war Kapitän Michael Ballack an der Reihe. Er stand nach der Begegnung noch aufrechter als sonst und sagte: "Wir haben hervorragend reagiert. Man hat heute gesehen, was in der Mannschaft steckt."

Genau das war zuletzt allgemein in Zweifel gezogen worden: dass allzuviel in der Mannschaft steckt. Die Deutschen waren als Außenseiter in die Partie gegangen. Zum einen, weil sie selbst bisher im Turnier nicht überzeugt hatten, zum anderen, weil das portugiesische Team nominell besser besetzt ist und bis zum Donnerstagabend auch deutlich besser organisiert war. "Aber heute haben wir im richtigen Moment zur alten Stärke gefunden", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Sein portugiesischer Kollege Luiz Felipe Scolari musste konstatieren: "Deutschland war in den entscheidenden Szenen einfach die bessere Mannschaft." In einem Anflug von portugiesischer Traurigkeit führte der Brasilianer aus: "Ich bin enttäuscht und frustriert. Ich habe versagt und nicht das gehalten, was ich dem Verband versprochen habe: das Halbfinale."

Der deutschen Elf passte es gut in den Plan, als Außenseiter in die Partie zu gehen, und auch beim Publikum kam die neue Rolle gut an: Im mit vielen Deutschen besetzten St.-Jakob-Park wurde schon vor dem Anpfiff munter gesungen, im ganzen Land versammelten sich Menschen auf Fanmeilen, und im deutschen Bundestag wurden die letzten 18 Tagesordnungspunkte in 17 Minuten abgearbeitet, weil die Abgeordneten nach Hause wollten - fast schien es, als hätten sie alle geahnt, was der Außenseiter vollbringen würde.

Den Spielbeginn gestalteten beide Teams abwartend. Die deutsche Elf hatten Trainer Joachim Löw und sein Assistent Hansi Flick gründlich umgestellt. Simon Rolfes ersetzte den verletzten Torsten Frings, zudem rückten Thomas Hitzlsperger und Bastian Schweinsteiger (der zum Spieler des Spiels gewählt wurde) für Mario Gomez und Clemens Fritz ins Team, das sich in einer 4-2-3-1-Formation sortierte. "Diese Umstellung war der Schlüssel zum Erfolg", sagte Ballack. Bundestrainer Löw sah das alles aus einiger Höhe; da er für dieses Spiel gesperrt worden war, musste er in einer Loge auf der Tribüne Platz nehmen, Anweisungen durfte er wegen der Sperre nicht geben. "Es war hinter der Glasscheibe ganz schlimm", sagte er hinterher erleichtert, "ich war weit weg."

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