Von Birgit Schönau

Nach der Blamage gegen die Niederlande sucht Trainer Donadoni nach Ausflüchten und vergleicht sich dabei sogar mit dem Papst.

Die weltberühmte Schule des calcio italiano fußt entgegen weitverbreiteter Meinung nicht auf betonharten Abwehrtheorien. Sondern auf dem genauen, sorgfältigen, aufmerksamen Studium des Gegners und aus der daraus resultierenden, minutiösen taktischen Vorbereitung.

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Ratlosigkeit beim italienischen Trainer Roberto Donadoni nach der Niederlage gegen Holland. (© Foto: ddp)

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Unter dieser Prämisse müsste es jetzt heißen: Donadoni, setzen. Sechs. Seit 25 Jahren hat ein italienischer Nationaltrainer keine 0:3-Niederlage einstecken müssen, bei einer EM gab es das sowieso noch nie. Da hilft es nichts, dass Donadoni behauptet, der Untergang seiner Mannschaft gegen Holland sei nicht die schlechteste Vorstellung seiner nunmehr zweijährigen Amtszeit gewesen. Die war es, allen Ausflüchten zum Trotz, definitiv. Sicher, Italien kann gegen die noch etwas tapsigen Rumänen und die verzagten Franzosen durchaus noch den Sprung in die nächste Runde schaffen.

Aber dazu muss Donadoni jetzt dringend seine Hausaufgaben machen. In die Partie gegen Holland waren die Azzurri mit einer Mischung aus Hybris und Ignoranz gegangen, mit weltmeisterlich geschwellter Brust und Nebel im Kopf: "Holland? Ganz erfrischend, aber irgendwie unordentlich, oder?" Auch die Presse bemühte sich, van Bastens Team klein- zuschreiben.

Im Schatten des Vorgängers

Und Donadoni inszenierte weiter ein Phlegma, das erklärtermaßen sogar den italienischen Staatspräsidenten Napolitano beeindruckte. Wenn man sich aber nicht einmal durch einen 0:2-Rückstand aus der Ruhe bringen lässt und stoisch an der beschämend konfusen Anfangsformation festhält, wirkt das weniger gelassen als besorgniserregend stur.

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So stur wie seine Mannschaft, der alles fehlte, was Italien zum Weltmeister gemacht hat: innerer Zusammenhalt, hohe Motivation, starkes Selbstbewusstsein. Das alles hatte Marcello Lippi der Squadra eingeflößt. Lippi, der große Motivator, ist seit dem WM-Finale arbeitslos. Mit seinem Rücktritt hatte er die Konsequenzen aus familiären Verwicklungen in den Schiedsrichter-Manipulationsskandal gezogen. Nachfolger wurde Roberto Donadoni, ein so gut wie unbeschriebenes Blatt.

Er fühle sich wie Papst Benedikt XVI., der auch unter dem Schatten seines großen Vorgängers leide, hat Donadoni einmal gesagt. Ein kühner Vergleich. Aber wenn Donadoni einfach nur die Dogmen des calcio anwenden würde, wäre das gar nicht schlecht.

Die Gefahr besteht, dass jetzt Dogma Nummer eins zum Zuge kommt: "Prima non prendere", zuerst mal keinen reinlassen. Aber vielleicht kommt ja Dogma Nummer zwei: Niederlagen machen stark. Dann wird es am Freitag gegen Rumänien eine spannende Nachprüfung geben

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(SZ vom 11.06.2008/pes)