Von Claudio Catuogno

Nach dem 1:2 in einem denkwürdigen Regenspiel gegen die Türkei ist einer der Gastgeber bereits ausgeschieden.

Sie hätten diese Pfütze so gut brauchen können. Eine hinterhältige Pfütze, der es gelang, sich mithilfe von Grashalmen zu tarnen - aber eben doch mit allen technischen Fertigkeiten einer Pfütze ausgestattet. In der zwölften Minute hatte es zu regnen begonnen im komplett rot eingefärbten St. Jakob-Park, ach was: zu schütten, dass das Wort "sintflutartig" für eine knappe Halbzeit lang mehr war als nur eine abgegriffene Floskel. Jeder Schritt setzte einen kleinen Springbrunnen in Gang, jede Grätsche verdrängte Wassermassen, als springe man von einem Dreimeterbrett in einen Pool, mit angezogenen Beinen. Der Zufall übernahm nun die Regie im vorentscheidenden Gruppenspiel zwischen Gastgeber Schweiz und der Türkei. Der Zufall - und die Pfütze vor dem Tor des türkischen Torwarts Volkan Demirel.

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Wasserschlacht, Baseler: Kontrolle hieß das Zauberwort im St. Jakob-Stadion (© Foto: Getty)

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Eren Derdiyok, einer von drei Schweizer Spielern mit türkischen Wurzeln, konnte am rechten Strafraumeck den Ball abschirmen, während die gegnerischen Verteidiger reihenweise an ihm vorbeischlidderten, er passte den Ball flach vors Tor - und dort blieb er liegen. In der Pfütze. Hakan Yakin musste ihn nur noch einschieben zum 1:0, jener zweite Schweizer mit Familie in der Türkei. Er verzichtete auf übertriebenen Jubel. Die Geschichte könnte wunderbar an das Duo Klose/Podolski erinnern, die am Sonntag, mit einem deutschen und einem polnischen Herzen versehen, die Polen abschossen. Könnte - wären die Umstände am Mittwochabend in Basel nicht völlig andere gewesen. Und das Ergebnis.

Denn in der 57. Minute war die Partie wieder ein halbwegs normales Fußballspiel. Eine Flanke von links segelte heran, getreten von Semih Sentürk, sie segelte genau auf den Kopf von Mehmet Topal, dann vorbei am Schweizer Torwart Diego Benaglio zum 1:1 ins Tor. Und kurz vor Schluss versetzten die Türken dem Gastgeber endgültig den Genickbruch: Arda Turan traf zum 2:1, entscheidend abgefälscht von Patrick Müller. Ins Viertelfinale kommen die Schweizer nun nicht mehr - zwei couragierte Auftritte und ein Glückstreffer dank einer Pfütze waren dann doch nicht genug. Die Türken haben gegen die Tschechen am Sonntag noch alle Möglichkeiten.

Schon vor dem Spiel hatte der Schweizer Nationaltrainer Köbi Kuhn für sein Team ein "vorgezogenes Finale" ausgerufen. Beide Mannschaften hatten jeweils ihr Auftaktspiel verloren und standen nun mit dem Rücken zur Wand. Nichts, was nur im Ansatz an eine biblische Plage erinnerte, konnten die Schweizer gebrauchen nach dem Verletzungspech, dass sie bereits heimgesucht hatte. Der Kapitän Alexander Frei humpelte an Krücken ins Stadion, matt gesetzt von seinem Innenbandanriss aus dem Eröffnungsspiel gegen Tschechien (0:1), neben ihm schlenderte frustriert Marco Streller. Über den ehemaligen Stuttgarter hatten die Teamärzte zuletzt berichtet, seine Leiste habe sich etwas "verschoben". Das klang schon beunruhigend, vor dem Spiel meldeten dann mehrere Medien, Streller leide an einem Leistenbruch. Das hätte seine zuletzt stocksteifen Auftritte erklärt, doch der Verband dementierte: Streller sei eben mit einer "weichen Hüfte" ausgestattet, einer Bindegewebsschwäche also, die zum Leistenbruch führen kann. Die Schmerzen verhinderten seinen Einsatz.

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