Von Thomas Hummel

Zuerst flott, dann im Leerlauf: Die DFB-Elf gewinnt gegen Kasachstan 4:0 und ist auf dem Weg zur EM 2012. Zwei Tore erzielt Miroslav Klose und kommt Gerd Müller immer näher.

Nach nicht einmal zwei Minuten ahnten die Beobachter, dass dieses Spiel für Kasachstan ein problematisches sein könnte. Anton Chichulin hatte da den Ball am Fuß, ein paar Meter vor dem eigenen Strafraum-Eck. Chichulin tippelte, er wackelte mit den Hüften. Er fiel um. Chichulin landete auf dem Hintern, trat nach dem Ball, einmal, zweimal, doch er traf ihn einfach nicht.

Germany v Kazakhstan - EURO 2012 Qualifier Bild vergrößern

Miroslav Klose in Kaiserslautern. (© Bongarts/Getty Images)

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Kasachische Fußballer sind sicherlich nicht für turnerhafte Körperbeherrschung am Ball bekannt. Aber gleich umfallen? Ohne Gegenspieler? Es war ein Hinweis darauf, welche Größe diese Partie für die Kaukasen hatte. Anton Chichulin spielt normalerweise beim FK Aqtöbe in der heimischen Premjer-Liga vor durchschnittlich 6800 Fans. Aqtöbe ist damit der Zuschauerkrösus in Kasachstan.

In Kaiserslautern am Samstagabend kamen offiziell 47.984 Menschen und ein paar Millionen schauten das Spiel zur Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 am Fernseher. Auf einige Gäste-Spieler übte das Ereignis offensichtlich eine erhebliche Wucht aus. "Das war ein sehr trauriges Spiel für uns, aber wir haben gegen einen sehr starken Gegner gespielt", sagte Trainer Miroslav Beranek. Nach 90 mal wuchtigen, mal launigen Minuten stand es 4:0, die DFB-Elf baute seine Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe A zur Europameisterschaft 2012 mit 15 Punkten und damit acht Punkten Vorsprung auf den Zweiten Österreich aus.

Fußball ist eigentlich ein Spiel, das seine Anziehungskraft aus der Unvorhersehbarkeit zieht. Selbst gegen die Färöer-Inseln warnten Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes jahrelang vor Studenten, Elektro-Installateuren und Fischern, weil es im internationalen Fußball keine Kleinen mehr gebe.

Das scheint vorbei. Oder Bundestrainer Joachim Löw sah voraus, dass Kasachstan eher ein klitzekleiner als ein kleiner Vertreter des Weltfußballs ist. Vor der Partie in Kaiserslautern stand der Sieger jedenfalls schon fest. "Wenn wir das Tempo hochhalten und unser Spiel machen, wird Kasachstan keine Chance haben", sagte Löw. Nicht einmal ein Video des Gegners sei begutachtet worden, was beim Trainer Löw bis dahin so unwahrscheinlich erschien wie ein Fußballspiel ohne Fußball. Und sein Kollege Beranek stimmte ihm zu: "Wir können nur im zweiten Gang spielen, während die Deutschen ihren fünften einlegen."

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