Von Jochen Temsch

Der Münchner Sternekoch Holger Stromberg verpflegt die Nationalelf - und will auch den Fans mehr Esskultur beibringen.

In den sechziger Jahren rührte Franz Beckenbauer Tütensuppen in der Fernsehreklame an. Früher galten Fußballer kulinarisch gesehen als eher bodenständig. Der neue Küchenchef der Nationalmannschaft steht für einen neuen Stil: Holger Stromberg, Deutschlands jüngster Sternekoch, seit August 2007 im offiziellen Betreuerstab des DFB, will den Kickern Lust auf gute Ernährung machen - und ihren Fans gleich mit.

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Münchens Sternekoch Holger Stromberg verpflegt während der EM die deutsche Nationalmannschaft. (© Foto: Hess)

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SZ: Herr Stromberg, was haben die Spieler im Magen, wenn sie aufs Spielfeld gehen?

Stromberg: Auf jeden Fall gibt es immer eine farbenfrohe Auswahl an knackfrischen, möglichst biologisch gezogenen kleinen Blattsalaten. Ein Menü wäre zum Beispiel: asiatischer Salat mit Hühnchen, Gurken, Pepperoni, Staudensellerie, Erdnüssen und Avocado. Mozzarella mit Creme fraiche und Zitrone. Geklopftes Carpaccio mit Pfifferlingsalat und Basilikum. Grünes Curry mit Fisch, Gemüse und Kartoffeln. Saltimbocca vom Kalb mit Safranrisotto...

SZ: ...ganz schön üppig. Hat sich schon mal ein Spieler überfressen?

Stromberg: Nein, die Sportler müssen ja keine Kalorien zählen. Auf ein paar Sachen muss man aber besonders achten.

SZ: Auf was denn?

Stromberg: Eiscreme am Spieltag ist verboten, denn die könnte sich zu stark auf den Verdauungstrakt auswirken. Das wird, glaube ich, schon seit den Tagen von Sepp Herberger so praktiziert. Außerdem sind Gerichte mit Mohn gestrichen, weil der schläfrig machen kann.

SZ: Bekommen Sie Anweisungen vom DFB zu solchen Dingen?

Stromberg: Ich hatte zwei Sitzungen mit dem Internisten der Mannschaft, Professor Tim Meyer. Dabei ging es darum, dass Zucker oder Süßspeisen generell unproblematisch sind. Der Trainer schaut sich das Buffet natürlich auch an.

SZ: Aus ihrem Münchner Restaurant sind Sie bestimmt eine anspruchsvolle Klientel gewöhnt. Wie kompliziert sind die Fußballer?

Stromberg: Diese Generation ist überhaupt nicht schwierig. Die Spieler sind sehr freundlich, sehr nett und sehr ehrlich. Anfangs habe ich mich schon gefragt, ob die wohl die Sachen essen wollen, die ich zubereite.

SZ: Das Klischee vom Kicker als Freund der Hausmannskost stimmt also nicht?

Stromberg: Ich bin begeistert darüber, was sie alles essen. Sicher gibt es den einen oder anderen, der wahrscheinlich nie ein Gourmet wird. Ein paar sehen das Essen einfach als Nahrungsaufnahme.

Auf der nächsten Seite: Wie Stromberg die Spieler auf den Geschmack bringt - und was Ballack am liebsten isst.

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