Ein Kommentar von Josef Kelnberger

Im Sog der Globalisierung haben sich Tennis, Golf und Formel 1 in den Nahen und Fernen Osten ausgedehnt. Der Fall Shahar Peer deutet an, welchen Preis der Sport dafür zahlen muss.

Ob Sport etwas mit Politik zu tun haben solle, ist im vergangenen Jahr anlässlich der Olympischen Spiele in Peking bis zur Erschöpfung diskutiert worden. Auf gar keinen Fall, erklärte dazu der chinesische Staatschef Hu Jintao, es klang wie Hohn. Sein China missbrauchte die olympische Fackel als nationales Symbol, nachdem sich im Westen an eben dieser Fackel die Kritik am chinesischen Regime entzündet hatte. Die Fackel selbst: hilflos in den Stürmen der Politik. Denn Olympia hatte keinen Standpunkt, ausgehöhlt von Dopingdebatten, verkauft an Sponsoren und Fernsehen. Sport kann die politische Welt ohnehin kaum verbessern, schon gar nicht mit schönen Proklamationen - wenn, dann nur, indem er seine eigenen Werte vorlebt, seinen Regeln und Gesetzen folgt.

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Shahar Peer darf nicht am Turnier in Dubai teilnehmen. (© Foto: Reuters)

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Anders als die olympische Bewegung hält sich der angelsächsisch geprägte Profisport nicht mit Wertedebatten und Menschheitsidealen auf. Disziplinen wie Golf, Tennis oder Formel1 sind dem deutschen Publikum in der Tradition von Turnvater Jahn tendenziell suspekt, aber von einer manchmal erfrischenden Nüchternheit. Es geht um Leistung und Gegenleistung, ohne moralischen Überbau. Doch auch der Profisport gerät in Gefahr, wenn er sich selbst verrät.

Das zeigt der Fall der israelischen Tennisspielerin Shahar Peer, der die Vereinigten Arabischen Emirate die Einreise zum Turnier in Dubai verweigerten. Freier Zugang für alle Athleten, egal welcher Rasse, Religion, Nationalität - darauf gründet der Wettkampf. In einer idealen Welt würden Peers Kolleginnen mit Boykott drohen, in der Realität steht die Tour-Organisation in der Verantwortung. Die sofortige Absage des Turniers wäre die angemessene Reaktion gewesen. Doch vielleicht glaubt man, sich das nicht leisten zu können.

Im Sog der Globalisierung haben sich Tennis, Golf, Formel1 in den Nahen und Fernen Osten ausgedehnt. Der Sport führt westlichen Lifestyle vor und wird entlohnt mit unfasslichen Mengen an Geld, vor allem in den Ölstaaten. Die europäische Golf-Tour firmiert in dieser Saison als "Race to Dubai", die Formel1 beschließt ihre Saison heuer erstmals in Abu Dhabi, die Tennis-Tour der Frauen läuft seit 2008 auf das Finale in Doha/Katar zu. In der Wirtschaftskrise wächst die Abhängigkeit von den Scheichs. Die müssen, anders als westliche Konzernlenker, nicht fürchten, dass ihnen Sportsponsoring und entlassene Mitarbeiter öffentlich gegengerechnet werden. Der Fall Shahar Peer deutet an, zu welchem Preis der Profisport boomt.

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(SZ vom 17.02.2009)