Der Eislaufweltverband wehrt sich gegen Angriffe aus dem Lager von Claudia Pechstein. Dokumente und Abläufe sprechen vorläufig für seine Version.
Die Widersprüche häufen sich in der Dopingcausa Claudia Pechstein. Der Eislaufweltverband ISU sieht sich den Angriffen einer nationalen Allianz aus deutschem Verband DESG und Athletenpartei ausgesetzt - und schmettert sie bisher mühelos ab. So auch den jüngsten Vorwurf von Pechsteins Anwalt Simon Bergmann: Der versucht, das Fehlen ärztlicher Atteste für seine Mandantin für eine Bluterkrankung oder Anomalie mit einer defizitären Informationspolitik der ISU zu erklären.
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In der Causa Claudia Pechstein häufen sich die Widersprüche. (© Foto: ddp)
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"In der Anklage, die wir durch die ISU am 5.März erhielten, stand Blutdoping als einzige mögliche Ursache für die erhöhten Retikulozyten-Werte, von möglicher Erkrankung war nicht die Rede. Wir haben erst etwa eine Woche vorm Verhandlungstermin Ende Juni erfahren, dass die Möglichkeit besteht", sagte Bergmann dem Sportinformationsdienst: "Wir konnten daher bis kurz vor der Anhörung keine eigenen Untersuchungen in die Wege leiten. Wir sind alle keine Mediziner."
Dem widerspricht ISU-Chefarzt Harm Kuipers, der am 7. Februar bei der WM in Hamar die DESG-Teamleitung über die Blutwerte informiert hatte. Der Medizinprofessor von der Universität Maastricht sagte der SZ, er habe die Deutschen auf Werte hingewiesen, "die möglicherweise im Gegensatz zum Antidopingcode stehen - und dass der Grund dafür Krankheit oder Manipulation sein könnte". Die Disziplinarkommission der ISU zeigte sich in der Urteilsbegründung jedenfalls "überrascht", dass Pechstein bis eine Woche vor der Anhörung keinen Versuch unternommen hatte, ihre erhöhten Werte medizinisch zu erklären.
In ISU-Kreisen heißt es, Pechsteins Vorwurf mangelnder Information werde im Urteil selbst als Manöver entlarvt. Dort heißt es, die Beklagte und die DESG hätten durchaus "zahlreiche andere mögliche Ursachen angeführt, darunter: Angeborene Blutkrankheit, körperlicher Stress, Grippe oder andere Infekte, Nasensprays, Vitaminpräparate" sowie ein Dutzend weitere Punkte. Medizinisch argumentiert hätten auch die Parteigutachter.
Unerklärlich wirkt vor dem Hintergrund, dass Pechsteins Partei nicht Gebrauch von dem Angebot der Kammer machte, "innerhalb eines angemessenen Zeitraums" den ärztlichen Nachweis zu erbringen - und in dieser Zeit sogar wieder "trainieren und wettkämpfen zu können". Pechstein habe dies "nach einer privaten Konsultation" mit der DESG ausgeschlagen und ein Urteil verlangt.
Die ISU schweigt vorerst zu Vorwürfen, die DESG-Chef Gerd Heinze im ZDF-Sportstudio erhoben hatte. Demnach habe der Weltverband einen unsauberen Deal angeboten: Das Verfahren, so soll ISU-Chefjurist Bubnik offeriert haben, werde abgewendet, wenn die Athletin die Karriere beende. Und schon in Hamar, behauptet Pechstein, sei ein Kuhhandel vereinbart worden: "Wenn du dich krank meldest, werden wir die Öffentlichkeit nicht informieren. Und die ganze Angelegenheit kann in aller Ruhe geklärt werden", habe es da geheißen. Dazu Kuipers: "Ein Kuhhandel stimmt absolut nicht. Wenn das wahr wäre - weshalb haben wir dann jetzt einen Fall?"
Dokumente und Abläufe sprechen bisher für die Version der ISU - die ein enormes Schadensrisiko auf sich lädt, indem sie hier erstmals eine Verurteilung aufgrund der neuen Blutprofil-Regel der Weltantidopingagentur Wada traf. In die Kuhhandel-Version der deutschen Seite passt auch nicht, dass die Klage des Weltverbands schon am 5. März bei der ISU-Kammer einging.
Letzten Ausschlag für den Schritt gab der Abgleich der hohen Retikulozyten-Anteile Pechsteins vom 6./7. Februar (bis 3,54 Prozent) mit denen eines Trainingstests bei ihr elf Tage später: Da war der Wert bereits mehr als zwei Prozentpunkte runtergegangen. Experten geben den Retikulozyten-Normalwert Gesunder mit 0,5 bis 1,5 an.
Auch Zellforscher Werner Franke irritiert das rasante Absacken des hohen Wettkampf-Wertes der Athletin so kurz nach Hamar. "Das kann man wohl nur mit manipulativem Eingriff oder einer unbekannten Krankheitsform erklären. Sonst bliebe die Synergie aus mehreren Vitaminpräparaten, die zu so stark erhöhter Blutbildung führt - aber das kennt man bisher nicht."
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(SZ vom 07.07.2009)
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Wir sollten uns kein A(rmstrong) für ein U(llrich) vormachen lassen. Ohne Doping kann man im Ausdauersport nichts werden. Das gilt auch für Pechstein. Wie lange dauert der Kampf gegen Doping eigentlich schon? Und der Erfolg? Am besten generelle Freigabe ab 18 Jahren. Wie schon bei zigtausenden Künstlern, Politikern, Managern und anderen karrierebewussten aber stressgeplagten Menschen.
Ich teile Ihre Ansicht über Armstrong. Ich bin über Beobachtung seiner letzten Aktionen in den USA ebenfalls darauf gekommen. Demnächst wird man bei der TDF beobachten können, wie er sich unterstützt durch seine 'Medizin', die er nun nicht mehr selbst herstellen kann, an den Bergen langsam wieder auf Platz 1 schafft, wo die anderen noch-Hodenbesitzer genauestens kontrolliert werden.
den ich bislang überhaupt nicht bedacht hatte. Die Geschichte mit dem Hodenkrebs hatte ich nur als eine beiläufige Episode abgehakt und mich für ihn gefreut, dass er wohl das Gröbste überstanden hatte. Dass dies derart "positive" Nebeneffekte haben könnte, hatte ich nicht im entferntesten bedacht.
Damit sind einige überraschende Wandlungen vielleicht doch nicht mehr ganz so kryptisch. Nochmals danke!
@ klaus lerche: Zu viele Leute führen ihre Verhaltensweisen weiter mit der Begründung: Da kann ich alleine nichts machen, also kann ich's auch bleiben lassen. Und so treiben wir gleich an mehreren Ecken unserer Equistenz sehenden Auges in einige Katastrophen. (Sorry, läuft etwas am Thema vorbei) In der Regel versuche ich, anders als früher, nicht mehr missionarisch tätig zu werden, - das ist zu frustrierend. Ich mach' einfach meine Sachen und biete Bekannten und Freunden bei Kleinigkeiten meine Hilfe an. So bekomme ich inzwischen von mehreren Arbeitskolleg(inn)en die Alu-Abfälle und sammel die bis zu nächsten Container-Besuch. Klar bin ich nicht mal der Tropfen auf den heißen Stein, aber ich find's richtig und für mich gut. Andere müssen mit ihrem Leben klar kommen, ich mit meinem. Erfreulich ist insoweit, dass Kinder so etwas viel genauer wahrnehmen und sich relativ leicht überzeugen lassen. Und manchmal geht's dann sogar in die andere Richtung, vom Kind zu den Erwachsenen, was mich dann diebisch freut.
Einfach erst einmal machen, was man kann, und nach und nach schauen, ob noch was geht.
Das gilt eben auch bei den Fernsehgewohnheiten, die wir (fast) alle nur zu lieb gewonnen haben.
Ich bin inzwischen dazu übergegangen Pferden, Radfahrern und anderen Sportspitzengeschwindigkeitsanwärtern nichts mehr zu glauben. Frau Pechstein hat sich übrigens im Interview mit ARD/ZDF am Sonntag so deutlich verhaspelt (ich krieg's nicht mehr zusammen), dass ich vor Lachen fast vom Hocker gefallen bin. Es sind doch alles nur ganz arme, arme kranke, blutarme Sportvampire.
@Azmoguul, Ihre Einstellung gegenüber Armstrong teile ich. Und ich habe angesichts der Hilflosigkeit der Antidopingfahnder und der Presse längst auch für mich beschlossen, nichts, aber auch gar nichts mehr in Verbindung mit LA sehen zu wollen. Was ich über LA weiß, wird Ihr Wissen nicht übersteigen. Was ich allerdings für besonders gravierend halte, das ist die Sache mit dem Hodenkrebs, den Armstrong angeblich besiegt hat. Zu diesem Thema habe ich mich mit neutralen Ärzten unterhalten. Und die haben mir übereinstimmend gesagt, dass jemand, der operativ Hoden entfernt bekommen hat, den eigenen Hormonhaushalt mit Zunahme von Testosteron ausgleichen muss. Ich denke, dass hier die scheinbare Unangreifbarkeit von LA liegt: "Er kann aus nachweislich ärztlichen Gründen sich Hormone verabreichen." So ist er wohl der Einzige, der mit ärztlicher Zustimmung dopen darf. Anfangs habe auch ich noch LA bewundert und mich um ihn gesorgt. Bis ich den Eindruck bekommen habe, dass die Öffentlichkeit - und auch ich - für dumm verkauft wurde. Den Gipfel aber finde ich, dass Herr Armstrong sich nun auch noch weiter scheinbar unangreifbar macht, indem er eine Krebshilfe gegründet hat und sich als Wohltäter der Menschheit ausgibt.- Irgendwann wird wohl einmal ein Radsportler auf die Idee kommen, sich einen Hoden entfernen zu lassen, um danach dopen zu dürfen. Nein, für mich ist dieses Kapitel abgeschlossen. Wunderbar finde ich im übrigen die Feststellung von einem Forumsteilnehmer, dass offenbar nur noch "Schwerstkranke an der Spitze mitfahren!"
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