Das deutsche Eishockey-Team schafft gegen Weißrussland Sekunden vor Schluss den Ausgleich - um dann doch noch zu verlieren. Nun wartet ein Endspiel um den Viertelfinal-Einzug.
Nach dem begeisternden Duell mit dem Rekordweltmeister fehlte das Glück: 24 Stunden nach dem 2:3 gegen die russischen Puckzauberer verlor die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft im zweiten WM-Zwischenrundenspiel nach einer Aufholjagd 1:2 (0:1, 0:0, 1:0, 0:1) nach Verlängerung gegen Weißrussland.
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Christoph Ullmann hatte wie seine Kollegen immer sehr viele Gegenspieler. (© Foto: dpa)
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Das Viertelfinale ist allerdings immer noch möglich. Mit einem Sieg gegen die Slowakei am Dienstag (16.15 Uhr/live bei Sport1) könnte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) erstmals seit sieben Jahren wieder in die Runde der letzten acht einziehen.
Die Olympia-Revanche misslang vor nur 11.748 Zuschauern in Köln. Drei Monate nach dem 3:5 in Vancouver, mit dem das Team von Bundestrainer Uwe Krupp seine Viertelfinalchancen beim Turnier der Superstars verspielt hatte, zog die DEB-Auswahl erneut den Kürzeren. Andrej Michalew hatte mit seinem frühen Tor (7.) die dritte Niederlage des Krupp-Teams im fünften Spiel der Heim-WM eingeleitet.
Dabei kamen die Deutschen im Schlussdrittel immer mehr auf und schafften durch den Kölner Marcel Müller 54 Sekunden vor Schluss den umjubelten Ausgleich, der immerhin einen Punkt einbrachte. Auch in der Verlängerung hatten die Gastgeber einige gute Chancen, die Weißrussen verteidigten nur noch. Bis das DEB-Team mit zu viel Euphorie auf den Siegtreffer drängte und kurz vor Schluss völlig seine Verteidigung entblößte. Weißrussland fuhr einen Konter mit drei Mann gegen Torwart Endrass und Alexej Kaljudschnij traf nach 4:46 Minuten zum entscheidenden Tor.
"Wir waren heute müde. Wir hatten nur 21 Stunden nach dem Russen-Spiel. Die Weißrussen haben gewartet, sie waren frisch und haben das Spiel gemacht. Aber wir haben gefightet und einen wichtigen Punkt geholt", sagte Uwe Krupp. Torschütze Marcel Müller war dagegen frustriert: "Ein Punkt ist zu wenig. Jetzt haben wir gegen die Slowakei ein Sechs-Punkte-Spiel."
Gegen den Lieblingsgegner Slowakei muss die deutsche Mannschaft nun unbedingt gewinnen, hat gegen den Weltmeister von 2002 vier der vergangenen fünf Spiele für sich entschieden, darunter auch das letzte WM-Duell 2008 in Halifax (4:2).
Was die DEB-Auswahl am Samstag gegen die russischen Puckkünstler noch ausgezeichnet hatte, fehlte tags drauf zunächst: Aggressivität, Zweikampfhärte und diszipliniertes Defensivverhalten. "So haben wir uns das nicht vorgestellt", sagte Routinier Sven Felski: "Wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe reingekommen." Die Weißrussen hatten Raum zum Kombinieren und nutzten ihn. Beim 0:1 patzte zudem auch der bislang so überragende Torhüter Dennis Endras, der nach einem Schuss von Jaroslaw Tschupris den Puck nach vorne direkt auf den Schläger von Michalew abwehrte.
Hinzu kamen Strafzeiten, die die deutsche Mannschaft zusätzlich in Bedrängnis brachten. So hatte Endras Glück, dass ein Schuss von Sergej Demagin knapp am Pfosten vorbeistrich (18.) und Alexej Ugarow das leere Tor verfehlte (21.). In der Offensive fehlte die Durchschlagskraft. Klare Torchancen waren selten. Marcel Goc traf den Außenpfosten (1.), Alexander Barta scheiterte am früheren DEL-Torhüter Andrej Mesin (8.).
Erst im zweiten Drittel entwickelte die DEB-Auswahl mehr Druck und mehr Zug zum Tor. Doch die Konzentration im Abschluss fehlte weiterhin: Marcel Müller schoss Mesin an (27.), Christoph Ullmann verfehlte nach schönem Solo knapp den Winkel (34.), und auch Müllers Schuss kurz vor Drittelende fand sein Ziel nicht (40.). Im letzten Drittel mühte sich die DEB-Auswahl und wurde zumindest zwischenzeitlich durch den Treffer von Müller belohnt.
Nach dem großen Kampf gegen den Weltmeister tags zuvor hatte Krupp gewarnt: "Wir müssen aufpassen, dass wir uns von den Schulterklopfern nicht ablenken lassen." Das Lob von allen Seiten, das auf seine Mannschaft einprasselte, gefiel dem Bundestrainer nicht. Dabei hatte sein Team allen Grund, stolz zu sein. Denn als bislang einziger Gegner hatte es den Rekordweltmeister um Superstar Alexander Owetschkin ernsthaft gefordert.
Doch der Kampf gegen die Russen hatte dann doch zu viel Kraft gekostet. "Wir hatten heute nicht die Energie, die wir gestern hatten", klagte Ehrhoff nach der Niederlage gegen die Weißrussen. Doch Krupp schwor seine Spieler gleich auf das Slowakei-Spiel ein: "Wenn man bei der deutschen Nationalmannschaft spielt bei einer Weltmeisterschaft, dann muss man mit Misserfolgen leben." Schließlich sei so eine WM "keine Pony-Ranch, kein Wunschkonzert."
Deutschland - Weißrussland 1:2 n. V. Deutschland: Endras (Augsburger Panther/18 Länderspiele) - Ehrhoff (Vancouver Canucks/73), Dietrich (Milwaukee Admirals/19); Krueger (Cornell University/11), Sulzer (Nashville Predators/58); Holzer (Düsseldorfer EG/20), Braun (Eisbären Berlin/14); Butenschön (Adler Mannheim/30), Nikolai Goc (Hannover Scorpions/14) - Schütz (Portland Pirates/21), Marcel Goc (Nashville Predators/67), Rankel (Eisbären Berlin/45); Wolf (Iserlohn Roosters/84), Ullmann (Kölner Haie/98), Müller (Kölner Haie/29); Hospelt (EHC Wolfsburg/31), Hager (Krefeld Pinguine/33), Tripp (Hamburg Freezers/66); Kreutzer (Düsseldorfer EG/189), Barta (Hamburg Freezers/91), Felski (Eisbären Berlin/155) Weißrussland: Mesin - Salei, Kolosow; Stasenko, Denisow; Makrizki, Rjadinski; Kostjutschenok - Ugarow, Kaljudschnij, Grabowski; Meleschko, Stas, Demagin; Kulakow, Drosd, Stefanowitsch; Michalew, Tschupris, Kowyrschin Tore: 0:1 Michalew (7.), 1:1 Müller (60.), 1:2 Kaljudschnij (64:46) Schiedsrichter: Muylaert, Savage (beide Kanada) Zuschauer: 11.748 Strafminuten: 8 - 2
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(sueddeutsche.de/dpa)
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