Das deutsche Eishockeyteam unterliegt WM-Gastgeber Schweiz nach Verlängerung und spielt nun gegen Frankreich um den Einzug in die Zwischenrunde.
Das war der Plan der deutschen Eishockey-Auswahl für ihr zweites Spiel bei der WM in Bern, nachdem sie das erste gegen Titelverteidiger Russland 0:5 verloren hatte: "Kopf hoch und nach vorne blicken und sich auf das Derby gegen die Schweiz freuen." Dazu hatte jedenfalls Kapitän Andreas Renz aufgefordert. Es war dann eine geteilte Freude für die Deutschen, denn sie waren zwar in Führung gegangen und hatten bis zum Schluss der regulären Spielzeit das Spiel offen gehalten, aber in der Verlängerung 2:3 verloren. Dafür gibt es einen Punkt - der reicht noch nicht zum Aufstieg in die Zwischenrunde.
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Lange Zeit auf Augenhöhe: Die deutsche Eishockey-Mannschaft, hier mit Alexander Barta (l.), gegen WM-Gastgeber Schweiz (im Bild: Torwart: Martin Gerber) (© Foto: dpa)
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Das Verhältnis der beiden Teams ist eine klassische Rivalität, auch wenn sich die Schweizer seit ein paar Jahren etwas nach oben abgesetzt haben als dauerhafter Teilnehmer an der Runde der besten Acht, während die zwischenzeitlich abgestiegenen Deutschen sich mühen, von Platz zehn der zweiten Liga weiter nach vorn zu kommen. Dennoch: Es ist immer ein besonderes Spiel zwischen den Nachbarn, ausverkauft mit 11.423 Zuschauern das am Sonntagnachmittag in Bern.
"Ein besonders wichtiges Spiel für beide Seiten", bestätigte Bundestrainer Uwe Krupp, "ein Spiel, in dem es mehr um Emotionen als um Laufwege geht." Die Schweizer, die sich sehr ambitioniert geben und erstmals seit ihrem letzten Heimturnier vor elf Jahren wieder im Halbfinale mitspielen wollen, hatten auch keinen extrem überzeugenden Einstieg in das Championat mit dem 1:0 über Frankreich, den 18. der Weltrangliste. Krupp ließ sich davon nicht täuschen, zeigte sich stattdessen beeindruckt von einem anderen Wert: "Nur 14 Schüsse auf das Tor der Schweiz - mehr braucht man dazu nicht zu sagen."
Sein ehemaliger Mitspieler im deutschen Nationalteam Ralph Krueger, seit zwölf Jahren Coach der Schweizer, nahms gelassen: Zwar habe es "überall ein bisschen" gefehlt, "sowohl offensiv als auch defensiv". Aber die fehlenden Prozente würden gegen Deutschland kommen, lautete seine Überzeugung. "Wichtig ist, dass wir gegen Deutschland mehr Tore schießen."
Überhaupt mal das erste Tor bei dieser WM zu schießen, war das verständliche Ansinnen der Deutschen. Außerdem: Nicht übermäßig auffällig bei den Regelhütern zu werden, denn ein Ungleichgewicht der Strafminuten (18:4) wie gegen die Russen wollten sie dringlich vermeiden. Der Übermut sei der speziellen Stimmung im ersten Spiel geschuldet gewesen, hatte Torhüter Dimitri Pätzold erklärt: "Da ist jeder nervös. Alle waren sehr motiviert und sind mit den Emotionen nicht so ganz klar gekommen. Davon sind wir jetzt runter und können gegen die Schweiz mit kühlerem Kopf anfangen."
Verteidiger Christoph Schubert, eine der beiden Verstärkungen aus der amerikanischen Profiliga NHL neben Linksaußen Jochen Hecht, sah es anders: "Deutschland und die Schweiz spielen geschätzte 18mal im Jahr gegeneinander, jeder kennt jeden, das gibt eine Menge Emotionen."
Ihre Emotionen haben die Deutschen erst mal besser kontrolliert, nämlich im ersten Drittel nur zwei Strafminuten kassiert, der Gegner hingegen dreimal so viele. Dadurch hat sich auch das Problem des ersten Tores für die Mannschaft von Uwe Krupp frühzeitig lösen lassen - durch einen Powerplaytreffer von Christoph Ullmann in der 8. Minute.
Pätzold hatte bis dahin zwei schwierige Prüfungen zu bestehen durch Seger und Ambühl, aber 1:10 Minuten nach dem Führungstreffer musste er sich vom Klotener Roman Wick zum 1:1 bezwingen lassen, und erneut in der 23. vom Zürcher Verteidiger Mathias Seger. Vorübergehend schien das Vorhaben, dem erwarteten Ansturm standzuhalten, in Frage zu stehen, dann aber trat ein, was Dino Kessler, ehemaliger Schweizer Nationalspieler, in seiner jetzigen Profession als Eishockey-Ressortleiter (so was haben die tatsächlich) beim Boulevardblatt Blick veröffentlicht hatte: "Die Deutschen kompensieren technische Defizite traditionell durch ihre überragende Kampfkraft."
Und Christoph Schubert, auf keinen Fall der Prototyp des feinen Technikers, erzielte das 2:2 durch einen Break in Unterzahl (33.). Sie haben die Schweizer in die Verlängerung gezwungen, aber in dieser musste Michael Bakos umgehend auf die Strafbank. Das nutzte gnadenlos der Anführer des Gegners - Marc Streit, Verteidiger der New York Islanders - zum entscheidenden Treffer.
Das war der Plan laut Kapitän Andreas Renz: "Dass wir die Schweiz ärgern. Doch das Spiel, auf das es uns ankommt, ist das gegen die Franzosen." Sie haben die Schweizer lange geärgert, aber eben nicht lange genug. Das Spiel, auf das es nun ankommt, wird am Dienstag ausgetragen.
(SZ vom 27.04.2009)
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