Nach dem Traumstart hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft gegen Finnland die zweite Überraschung und den vorzeitigen Einzug in die Zwischenrunde bei der Heim-WM verpasst.
Uwe Krupp rief die Mannschaft noch mal zu sich, 98 Sekunden waren noch zu spielen an diesem Dienstagabend, Deutschland lag 0:1 gegen Finnland zurück, er redete auf sie ein, doch es half nichts. Deutschland verlor - trotz engagierter Leistung - sein zweites Vorrundenspiel bei der Eishockey-WM.
Die zweite Sensation blieb aus: Die Finnen bezwangen die deutsche Nationalmannschaft. (© Foto: dpa)
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Schon am Nachmittag hatten sich Dänemark und die Schweiz für die Zwischenrunde qualifiziert. Die Schweizer gewannen 3:0 gegen Italien, was nicht sonderlich überraschend war, die Dänen aber bezwangen die USA 2:1 nach Verlängerung, und das war überaus überraschend; einerseits. Andererseits war der erneute Sieg der Dänen ein logisches Resultat in dieser eigenartigen Gruppe D, in der die Favoriten nacheinander in Probleme geraten.
Keine Überraschung
Dass Favoriten verlieren, das kommt mal vor, aber im Eishockey eher selten, bei Weltmeisterschaften zumal. In Gruppe D hatten schon vorher die USA gegen Deutschland verloren, dann die Finnen 1:4 gegen Dänemark.
Gegen die USA trat Dänemark am Dienstagnachmittag diszipliniert auf, gut geordnet, mit Kontern zum richtigen Zeitpunkt. Die Dänen waren wie die Deutschen, sie trugen nur rote Trikots. Den Amerikanern droht nun die Abstiegsrunde, zum zweiten Mal in ihrer langen Eishockey-Historie. Die Dänen dagegen haben mit ihren zwei Siegen bewiesen, dass der Fußball-Trainer Berti Vogts doch als Visionär betrachtet werden darf: Es gibt keine Kleinen mehr.
Am Dienstagabend hätte Deutschland dem Spruch eine gewisse Nachhaltigkeit verleihen können, mehr noch: Mit einem Sieg hätten die Deutschen sich das Erreichen der Zwischenrunde gesichert. Und sie begannen gut: Wie schon beim fabelhaften Eröffnungsspiel auf Schalke kämpften sie leidenschaftlich, sie waren gut geordnet und drängten aber auch nach vorne. Die Deutschen waren wie die Dänen, sie trugen nur schwarze Trikots. Und hatten, das allerdings auch, einen anderen Gegner.
Wolfs verpasste Chance
Das US-Team war gegen Dänemark seltsam unispiriert aufgetreten, Finnland dagegen war durch die Niederlage gegen Dänemark offensichtlich gereizt: Gegen Deutschland, das hatte der finnische Kapitän Sami Kapanen gesagt, "werden wir zeigen, dass wir Eishockey spielen können". Bundestrainer Krupp erwartete nichts weniger als ein "Schussfeuerwerk", es kam also auf den Torhüter an, auf Rob Zepp von den Eisbären Berlin, der ja den pausierenden Augsburger Dennis Endras ersetzte.
Zepp, ein eingebürgerter Kanadier, hatte sich am Tag vor dem Spiel extra den Text der Nationalhymne ausdrucken lassen, er wollte vorbereitet sein, wenn Deutschland gewänne und die Hymne gespielt würde. Aber dazu kam es nicht.
Rund 25 Minuten waren absolviert, als Patrick Hager in der Ecke des Verteidigungsdrittels einen Zweikampf verlor, Jussi Jokinen passte den Puck vors Tor, wo Jarkko Immonen alleine wartete - 0:1, Zepp war chancenlos. Die Finnen wurden nun zusehends besser, die Deutschen gerieten immer mehr unter Druck. Michael Wolf hätte eineinhalb Minuten vor Ende des zweiten Drittels den Ausgleich erzielen können, ja: müssen - in dem Moment, als er die Strafbank verließ, schlugen seine Mitspieler den Puck nach vorne, Wolf nahm die Scheibe auf und fuhr alleine auf Finnlands Torhüter Petri Vehanen zu, doch Vehanen hielt. Als das zweite Drittel zu Ende war, zeigte schon der Blick auf die Statistik, wie die Kräfteverhältnisse waren: Finnland hatte 31 Torschüsse, Deutschland 14.
Im Schlussdrittel warfen die Deutschen alles nach vorne, getrieben von 18654 frenetischen Zuschauern. Sie waren nun ebenbürtig, die Spannung stieg mit jeder Minute, die Spieler rannten und schossen, die Zuschauer klatschten und hofften, allein: Die Erlösung blieb aus. Deutschland muss nun am Mittwoch erneut versuchen, in die Zwischenrunde einzuziehen. Gegen Dänemark, den Gruppenersten.
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(SZ vom 11.05.2010/wolf)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
Ich hab da mal eine kurze Frage in dem Artikel geht es die ganze Zeit um Dienstagabend... Aber das Spiel war doch gestern und gestern war, soweit ich zumindest weiss, Montag... ;-)
Lg