Eishockey Schachmatt auf Eis

Gute Laune vor ausverkauftem Rängen: Die Stürmer Jeff Smith und Nikola Gajovsky (rechts) feiern mit Regensburg das 7:3 über den EV Landshut.

(Foto: Müller/oh)

Vor drei Jahren noch stand der EV Regensburg noch kurz vor der Pleite, in dieser Saison dominiert er die Oberliga Süd.

Von Max Ferstl

Doug Irwin blickt ernst durch seine Brillengläser. Der Trainer des EV Regensburg erklärt gerade das Spiel seiner Mannschaft gegen den EV Landshut. Es war ein typisches Derby: harte Zweikämpfe, stichelnde Fans. Doch Irwin wirkt ruhig wie immer. Er glaubt, Ruhe hilft in einem Sport, in dem es hektisch zugeht. Der EVR hat auch diesen Sonntag gewonnen, wie fast immer in den vergangenen Monaten. Es ist der 20. Sieg in Serie.

Der EV Regensburg führt die Oberliga Süd souverän an: 25 Punkte beträgt der Vorsprung auf das zweitplatzierte Bayreuth. Irwin sagt: "Das freut mich, aber wir haben noch nichts erreicht. Die Saison wird in den Playoffs entschieden." Das mag sportlich stimmen, doch erreicht haben Irwin und der EVR schon eine ganze Menge: 4961 Fans wollten die Partie gegen Landshut sehen - ausverkaufte Halle, im Januar, in der Hauptrunde. Das hat es lange nicht gegeben. Im Schnitt kommen 2880 Fans zu den Heimspielen. Damit läge der EVR in der DEL 2 auf Platz fünf.

Der EVR spielt gerade Eishockey wie Magnus Carlsen Schach spielt. Carlsen, der Weltmeister, legt seine Partien ruhig an. Er spielt seine Gegner nicht aus, er zermürbt sie, bis sie einen Fehler machen. Landshut erspielt sich früh mit einem flinken Angriff einen Tor-Vorteil. Die Gäste drängen, der EVR verteidigt gekonnt und auch mit Glück die Stellung. Nach einer halben Stunde und dem 2:1 des EVL werden dessen Spielzüge unpräziser: hier eine Strafzeit wegen Spielverzögerung, dort ein kleiner Stellungsfehler in der Verteidigung. Regensburg wirkt plötzlich schneller und dreht den Rückstand in ein 8:5. Nach dem sechsten Tor schaut Trainer Irwin zur Landshuter Bank und sieht "die Köpfe nach unten gehen". Schachmatt. EVL-Trainer Bernhard Englbrecht gibt später zu: "Wir konnten nicht mehr dagegenhalten."

So war es oft in dieser Saison. Es gab durchaus Spiele, die der EVR hätte verlieren können. In Tölz zum Beispiel, als man den Puck lange nicht ins Tor brachte. Oder in Bayreuth, als man am Freitag ebenfalls zurücklag. "Aber bisher haben wir immer einen Weg gefunden", sagt Irwin. In seinem zweiten Jahr in Regensburg passt alles zusammen. Sein System beruht auf Ausgeglichenheit. Andere Mannschaften sind oft abhängig von einzelnen Spielern, sagt er. So wie der EVR vergangene Saison zu sehr auf die Tore von Louke Oakley und David Stieler angewiesen war. Das Duo zog weiter in die DEL 2, der EVR legte den Kader im Sommer breiter an. Da ist die spielerische Eleganz eines Nikola Gajovski, dem besten Punktesammler der Liga. Da ist viel Erfahrung, allen voran in Person von Kapitän Billy Trew. Und da ist jugendlicher Elan: Die Reihen drei und vier besetzen Nachwuchsspieler. "Heger, Stöber, Böhm, Komnik, Drews, Vogel" - wenn Irwin über die Jungen spricht, hellt sich seine Miene auf: "Die sind 17, 18, 19, 20. Es ist toll, was die leisten. Das hat kein anderer Verein, das ist Luxus." Und weil Irwin findet, dass in Deutschland der Nachwuchs generell vernachlässigt wird, setzt er regelmäßig Spieler aus der Jugendmannschaft ein: "Ein junger Spieler wird nur besser, wenn er spielt. In diesem Jahr ernten wir die Früchte."

Als der EVR im November Weiden mit 7:1 vom Eis fegte, wurde dessen Trainer Markus Berwanger gefragt, wie man dem EVR beikommen könne. Berwanger antwortete knapp: "Es ist ganz einfach: gebt uns einen Regensburger Block, dann ändern wir das." Der Nachwuchs ist wohl ein Grund, weshalb der EVR in der Tabelle vorne steht. Er ist auch der Grund, warum in Regensburg überhaupt noch Eishockey gespielt wird. Vor drei Jahren war der EV Regensburg "faktisch pleite", erzählt Ivo Stellmann-Zidek. Er wurde im April 2013 zum ersten Vorsitzenden gewählt. Er wollte "den Nachwuchs retten", weil seine Söhne dort spielen. "Dieses System hätte man wohl nicht wieder aufbauen können."

Den EVR drückten über 300 000 Euro Schulden. Die erste Saison bezahlte man auf Vorkasse, "sonst wäre nicht mal ein Bus gefahren". Mittlerweile hat sich der EVR finanziell stabilisiert. "Wir stehen ganz solide da" sagt Stellmann-Zidek. Die Hälfte der Schulden wurde abgebaut, einen Großteil übernahm er selbst als Gläubiger. Er leitet auch die EVR Eishockey GmbH, die im Sommer gegründet wurde. Stellmann-Zidek will Regensburg "zu einer Eishockeystadt" machen, die Regensburg früher war. Damals, als man noch als Eisbären in der zweiten Liga spielte. Die Suche nach Sponsoren ist mühsam, "es gibt hier nicht die große Firma, die sich Eishockey auf die Fahne schreiben will", sagt Stellmann-Zidek, "aber man muss optimistisch sein". Doug Irwin bringt auch das nicht aus der Ruhe. Erfolg, sagt er, sei schließlich "harte Arbeit".