Eishockey-Nationaltrainer Pat Cortina "Wir müssen extrovertierter werden"

Der neue Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina spricht vor dem Deutschland Cup im Interview mit der SZ über die Mentalität der deutschen Spieler und seine Abneigung gegen Roboter. Dazu erzählt er von seinem Kampf mit der deutschen Sprache und warum er in München ohnehin nichts versteht.

"Es gibt nur zwei Arten von Menschen auf der Welt: Deutsche, und solche, die es gerne wären": Pat Cortina ist der neue starke Mann im deutschen Eishockey. Ab kommender Saison ist er auch Sportdirektor.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

An diesem Freitag beginnt in der Olympia-Eissporthalle in München der Deutschland Cup, der für die Eishockey-Nationalmannschaft in diesem Jahr so wichtig ist wie selten zuvor: Das Turnier ist die Generalprobe für die Olympiaqualifikation im Februar in Bietigheim, und es ist der erste Auftritt des neuen starken Mannes im deutschen Eishockey.

Der Italo-Kanadier Pat Cortina, 48, ist Nachfolger des glücklosen Schweizers Jakob Kölliker, er unterzeichnete vor ein paar Wochen einen Drei-Jahres-Vertrag. Derzeit ist er zusätzlich Trainer des DEL-Klubs EHC München, nach Saisonende wechselt er ganz zum DEB und übernimmt dort auch noch das Amt des Sportdirektors. Seine Doppelfunktion wirft Fragen auf.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung äußert sich Cortina zu seinem Zeitmanagement: Montags kümmere er sich um die Nationalmannschaft, "ein Computer ist fabelhaft", sagt Cortina, "man kann sich die Highlights der DEL ansehen, ein Video des EHC, und nebenbei mit jemandem vom DEB reden".

Zudem erzählt Cortina vom Bewerbungsverfahren beim Deutschen Eishockey-Bund: Er habe zunächst gedacht, der Verband wolle ihn als Ko-Trainer verpflichten. Im Vorstellungsgespräch habe er dann seine Philosophie vorgestellt, wichtig sei dabei, die DEB-Teams in kein taktisches Korsett zu pressen: "Man hat mir gesagt, wir bräuchten ein uniformes System von der ersten Mannschaft bis zur Basis: Aber man kann kein uniformes System spielen lassen, die U15 kann nicht dasselbe spielen wie die Nationalmannschaft. Dann kreiert man nur Roboter."

Seine Pläne formuliert Cortina vor dem Spiel in der Olympia-Eissporthalle in München ambitioniert: "Wir wollen uns in der Zukunft als Top-acht-Nation auf der Welt etablieren, das ist mein Ziel, und das ist möglich - aber wir sind keine Top-vier-Nation." Damit relativiert er Platz vier bei der WM 2010 als Ausnahmefall.

Um unter den besten acht dauerhaft mitzuspielen, müssten die Spieler allerdings etwas extrovertierter werden auf dem Spielfeld, "vielleicht müssten wir mehr zocken". Es gehe da um die Balance, vielleicht seien die Deutschen zu diszipliniert, zu strukturiert.

Im Deutschland Cup muss Cortina auf die deutschen NHL-Spieler verzichten, generell aber baue er auf sie. "Ich habe sie trotzdem auf die Liste gesetzt, denn das ist meine Art ihnen deutlich zu machen: Für mich seid ihr Nationalspieler, ihr seid ein Teil des Teams."

Der Italo-Kanadier bedauert, dass er bisher noch nicht so gute Deutsch-Kenntnisse besitzt. "Das muss besser werden", gesteht er und relativiert umgehend: "Gut, in München könnte ich mich trotzdem nicht unterhalten, hier spricht ja niemand deutsch, sondern, wie sagt man? Boarisch." Der 48-Jährige sieht wegen seiner Herkunft Parallelen zur deutschen Mentalität. "Ich habe italienische Wurzeln, eine kanadische Erziehung, das ist eine interessante Mischung aus Leidenschaft, europäischer Mentalität und kanadischer Geradlinigkeit. Wenn man das zusammennimmt, kommt man der deutschen Art sehr nahe: ehrlich, sauber, geradeaus."

Das komplette Interview lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung (9.11.2012) und auf dem iPad