Eishockey-Klub vor dem Aus Schlusssirene für den Standort München

Sparkassen-Darlehen? Rettung durch die Olympia-Park GmbH? Stadtwerke München? Keiner kann dem maroden EHC München helfen. Die Vereinsführung erklärt die Gespräche mit der Stadt über eine Unterstützung des Eishockey-Klubs für gescheitert - Gesellschafter der Traditionsmarke sehen einen Umzug an einen anderen Ort als einzige Option.

Von Johannes Schnitzler

Zum Anforderungsprofil eines Sportmanagers gehören Sachkenntnis und der einigermaßen kundige Umgang mit Zahlen. Als Sekundärtugend von Vorteil ist außerdem ein gewisses Talent zur Geheimdiplomatie. Seit Wochen hat der EHC bei der Stadt vorgefühlt, um dem professionellen Eishockey in München eine Überlebensmöglichkeit zu eröffnen, die Drähte zwischen Olympiapark und Marienplatz glühten.

Der EHC, der das vergangene Geschäftsjahr mit rund drei Millionen Euro Verlust abgeschlossen hat, war durch den Ausstieg von Gesellschafter Waldemar Jantz zusätzlich unter Druck geraten, die Frist zur Abgabe der Lizenzierungsunterlagen für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) läuft Mitte Mai ab. Die verbliebenen Hauptgesellschafter Jürgen Bochanski und Michael Phillips äußerten sich nicht. "Wir brauchen bald eine Entscheidung", hieß es stets nur. Am Montag ist die Entscheidung gefallen. Gegen den EHC.

Um den Druck sanft zu erhöhen, hatte EHC-Sportdirektor Christian Winkler die "Sportstadt München" in die Pflicht gerufen. Die Alternative - ein Verkauf der GmbH - sei nicht akzeptabel. Das Bekenntnis des Immobilienunternehmers und selbst ernannten Retters Rainer Beck, ihm gehe es "einzig und allein um die DEL-Lizenz" (und deren Weitergabe an Landshut), war schnell als Versuch einer feindlichen Übernahme enttarnt.

Der Name Schwenningen wiederum löste bei Spielern wie Mitarbeitern des EHC Panikattacken aus. Zwar müsste der Zweitligist, der ein Angebot vorgelegt hat, alle laufenden Verträge übernehmen, im Kader der Wild Wings wären genügend Plätze frei, auch für Trainer Pat Cortina. Aber einen Sportlichen Leiter und eine voll ausgerüstete Geschäftsstelle haben sie in Schwenningen bereits. Claus Gröbner, Kaufmännischer Leiter beim EHC, sah deshalb in der Initiative der Münchner CSU "ein gutes Zeichen".

Diese hatte sich Ende vergangener Woche für den Spitzensport in München und den EHC im Besonderen stark gemacht: "Ein Aus würde auch ein langjähriges Aus für die Sportart Eishockey in München bedeuten. Das wiederum würde die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 deutlich schwächen." Auch von den Grünen und der SPD, hieß es, gebe es positive Signale für einen "parteiübergreifenden Schulterschluss".

Noch am Montag bekräftigte der Sportpolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Mario Schmidbauer: "Es gibt einen fraktionsübergreifenden Konsens." An diesem Tag berieten die Fraktionen abermals: Grundlage war der Vorschlag, die Stadt sollte ihre Unternehmen zur Unterstützung des EHC in einer "Werbekooperation" auffordern. Das Ergebnis kommt einem Todesurteil für den EHC gleich.

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