Eintracht Frankfurt Jeder Ball zu Alex!

Zwei Neue, die schnell begriffen haben, wie die Eintracht spielen muss: Szabolcs Huszti und Marco Fabian (links) gratulieren Alexander Meier.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Blitzschnell hat Frankfurts mexikanischer Zugang Fabian gelernt, wie Stürmer Meier und damit die Eintracht funktioniert.

Von Tobias Schächter, Frankfurt

Es ist ziemlich schwer, Alexander Meier zu übersehen. Offiziellen Angaben zufolge misst der Hüne mit dem breiten Kreuz und dem kleinen Haarzopf 1,96 Meter. Dennoch schafft es der Offensivspieler der Frankfurter Eintracht während eines Fußballspiels regelmäßig, nahezu unsichtbar zu bleiben. Auch am Sonntagabend gegen den VfL Wolfsburg schien "der Lange", wie sie ihn in Frankfurt auch nennen, zwar auf dem Spielberichtsbogen, nicht aber auf dem Platz zu stehen.

Jedenfalls nahm Meier fast 66 Minuten lang kaum am Spiel teil, nur 13 Ball- kontakte hatte er bis zu diesem Zeitpunkt. Aber mit Ballkontakt 14 machte Meier dann das, was er seit zwölf Jahren für die Eintracht am besten macht: Er schoss ein Tor - mit der Innenseite des rechten Fußes. Plötzlich stand es 1:1. Plötzlich war Meier, war die Eintracht wieder da. Am Ende hatte er mit 26 Ballkontakten drei Tore geschossen, mit der letzten Ballberührung kurz vor Abpfiff traf er zum 3:2.

Marco Fabian, der quirlige Neue aus Mexiko, hatte den Treffer mit einem Dribbling vorbereitet. Erst seit drei Wochen trainiert Fabian in Frankfurt, für 3,7 Millionen Euro Ablöse kam er aus Guadalajara. Dreimal die Woche paukt er Deutsch, doch die wichtigste Lektion für Eintracht-Zugänge hat er schneller gelernt: "Du musst nur Alex den Ball geben, dann schießt er die Tore." So einfach funktioniert die Eintracht.

Meiers Treffsicherheit ist das große Plus der Hessen im Kampf gegen den Abstieg, der Konkurrenz aus Hannover und Hoffenheim beispielsweise fehlt ein Spieler mit der Torgarantie von Meier. Der Schützenkönig der vergangenen Saison hat schon wieder zehn Treffer erzielt, in 309 Einsätzen seit 2004 insgesamt 111 für die Eintracht. Selbst Wolfsburgs Manager Klaus Allofs erklärte ehrfürchtig: "Mit dieser Ballkontaktquote hätte Meier bei uns heute sieben Tore gemacht."

Wer so dominiert wie der VfL in der ersten Halbzeit, aber wegen Schlampigkeit im Abschluss zur Pause nur 1:0 gegen einen verstörend schwachen Gegner führt, muss sich über diese Pleite richtig ärgern. Dass Meier die Abschlussschwäche der Wolfsburger, die nach dem Mittelfußbruch von Bas Dost auf Stürmersuche sind, behebt, ist aber ausgeschlossen. Meier lag in der Winterpause ein Angebot aus China vor, bei dem er das x-Fache seines Frankfurter Gehalts verdient hätte, verriet Armin Veh. Nach einem Gespräch mit dem Eintracht-Trainer aber sei das Thema erledigt gewesen. Veh: "Das nennt man Charakter.

Alexander Meier, den die Frankfurter Fans auch "Fußballgott" nennen, bleibt also eine Art Charly Körbel der Eintracht-Neuzeit. Körbel nervte als Abwehrhüne im vergangenen Jahrhundert gegnerische Stürmer und ist mit 602 Eintracht-Einsätzen der Rekordspieler der Bundesliga. Meier erinnert heute nicht nur wegen seiner Vereinstreue ein wenig an Körbel, auch divenhaftes Verhalten ist ihm fremd.

Im Gegensatz zu Meier führt sich laut Veh Haris Seferovic aber offenbar auf wie ein allürenhafter Dorfmittelstürmer. Trotz des Rückstandes hatte Veh seinen vermeintlich besten Stürmer in der Halbzeit ausgewechselt - "nicht wegen schlechter Leistung", wie der Trainer betonte. "Ich habe die Schnauze irgendwann voll", ätzte Veh: "Wenn sich einer über die Mannschaft stellt, hört es auf." Und als Torjäger könne man Seferovic, den Veh auf einem "Ego-Trip" wähnt, mit drei Saisontreffern ja auch nicht bezeichnen. Seferovic solle sich ein Beispiel am Kollegen nehmen: "Meier ist als Fußballer so weit gekommen, weil er ein anständiger Kerl ist; und weil er dafür lebt." Reden will der genervte Trainer mit Seferovic nicht. Ob der Schweizer sein Verhalten ändert? Der Konflikt dürfte die nach wie vor fragile Eintracht belasten.

Alexander Meier lässt ja lieber Taten als Worte sprechen. "In der zweiten Halbzeit", erklärte er lapidar, "sollte ich nur noch vorne bleiben, das habe ich gemacht." Am Sonntag wurde wieder einmal offensichtlich: Die effizienteste Parkuhr der Liga steht in Frankfurt.