Friedhelm Funkel verlässt im Sommer Eintracht Frankfurt. Er ist auch an den Sehnsüchten des Umfeldes nach mehr Glamour und offensiverer Rhetorik gescheitert.
Auch der Mann, der sich am Telefon mit "Stepi" meldet, hat am Ende noch als Zeuge der Anklage auftreten dürfen. Er könne verstehen, "dass die Fans die Nase voll haben", sagte Stepi also, und dass Heribert Bruchhagen und Friedhelm Funkel "zu negativ" seien. Und negativ geht natürlich gar nicht, nicht bei Dragoslav Stepanovic, dessen Lebbe immer lustig ist. Frankfurt hatte ja tatsächlich mal eine Menge Spaß mit ihm, Anfang der Neunziger, als Uwe Bein, Andreas Möller und Anthony Yeboah einen glitzernden Fußball vorführten, den die anspruchsvolle Bankenstadt ihrer Wichtigkeit durchaus angemessen fand.
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Friedhelm Funkel verlässt im Sommer Eintracht Frankfurt. (© Foto: ddp)
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So gesehen ist Dragoslav Stepanovic nicht einfach eine Stimme aus alter Zeit, die man am besten überhört. Für Trainer wie Friedhelm Funkel ist er immer noch das Problem. Die Bein-Möller-Yeboah-Stadt hat es ja bis heute nicht akzeptiert, dass es ein Erfolg sein soll, wenn die Eintracht - wie in der vorigen Saison - auf einem seriösen neunten Platz ins Ziel kommt. Nicht unerwartet ist diese Erwartungshaltung Funkel nun zum Verhängnis geworden. Er habe den Vorstandschef Bruchhagen "gebeten, mein Vertragsverhältnis zum 30. Juni zu beenden", sagte Funkel, 55, am Donnerstag.
Am Samstag, zum Saison-Kehraus gegen den HSV, wird er ein letztes Mal auf der Eintracht-Bank Quartier beziehen und sich dann ein Jahr vor Vertragsende verabschieden - wie dieser Abschied ausfallen wird, ist die letzte spannende Frage der fünfjährigen Ära Funkel. Werden die Fans ein letztes Mal "Funkel raus" brüllen und ihn aus der Stadt pfeifen, der er bisher nur 14 Punkte in der Rückrunde hinterlässt? Werden die Sponsoren in den Glitzerlogen Prosecco ausgeben, weil sie diesen wenig funkelnden Sportlehrer endlich los sind? Oder werden die Fans diesem tapferen Coach doch noch einen verdienten Schlussapplaus für treu geleistete Dienste gönnen?
Immerhin hat Bruchhagen seinem Trainer am Ende eine offizielle Entlassung erspart. Funkel hat die Initiative für die Trennung für sich reklamieren dürfen, die Entscheidung sei "langsam gereift", sagt Funkel, er habe "für die kommende Saison Druck von den Spielern nehmen wollen, die Probleme hatten, mit der Situation umzugehen".
Die Situation war die, dass sich interner und externer Druck zuletzt bis zur Unerträglichkeit potenziert hatten. Mit seinen Profis kam Funkel durchaus noch zurecht, was wenig nützte, weil Fans (extern) und Aufsichtsräte (intern) immer weniger mit ihm zurecht kamen. Sie wollten keinen Coach mehr, der ständig die Grenzen des Standorts anmahnt; sie wollen lieber einen Eventtrainer, der den Uefa-Cup predigt und der Elf mehr als einen Stürmer zutraut.
Die Situation war so ausweglos, dass Schuldfragen am Ende keine Rolle mehr spielten; ja, Funkel hat es versäumt, den in den vergangenen zwei Jahren für 13 Millionen aufgerüsteten Kader zum Blühen zu bringen; aber nein, er konnte nichts dafür, dass elementare Profis wie Amanatidis dauerverletzt fehlten.
Der Sündenbock Funkel hat am Ende all das abbekommen, was den Leuten an ihrer Eintracht nicht passte. Es sei nicht gelungen, "die Eigendynamik der Enttäuschung durch Argumente zu entkräften", sagt Bruchhagen, der es sich mit Funkel zur Aufgabe gemacht hatte, die einstige Diva Eintracht mit defensiver Rhetorik zu zähmen - was in der Stadt zunehmend als mutwilliges Kleinreden der eigenen Möglichkeiten wahrgenommen wurde.
Auf einen Nachfolger mit Glamourfaktor muss das Eintracht-Umfeld aber eher nicht hoffen, auch wenn schon wieder Lothar Matthäus gehandelt wird. Als Favorit gilt aber ein Mann, der auch nicht funkelt: Michael Skibbe.
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(SZ vom 22.05.2009)
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Mich erstaunt es doch immer wieder,daß nicht nur Fans,sondern eben auch seriöse Blätter wie die SZ über manches urteilen,obwohl sie wenig bis nichts von den (wahren) Hintergründen wissen.
Es hält sich hartnäckig das Gerücht,die Unzufriedenheit mit Funkel resultiere aus nicht erreichten UEFA-Cup- oder gar CL-Plätzen.
Und diese Mär vom überzogenen Anspruchsdenken der Frankfurter,ich kann sie nicht mehr hören.
Für mich,dem als älteren Eintracht-Fan der Zauberfußball um Bein-Möller-Yeboah durchaus noch gegenwärtig ist,sind Funkels Verdienste für die SGE gar nicht hoch genug einzuschätzen.
Ich sehe ihn als sehr sympathischen Menschen,mit vielen von mir sehr geschätzten Tugenden,die man im heutigen Profifußball (und nicht nur da) oft schmerzlichst vermisst.
Trotzdem war ich,seine Art Fußball "arbeiten" zu lassen betreffend,einer seiner schärfsten Kritiker. Und das nicht erst seit dieser Saison.
Ich wage zu behaupten,hier für die meisten seiner Kritiker zu sprechen,die trotzdem immer wieder gerne als realitätsferne Traumtänzer und Krakeeler dargestellt werden. Warum auch immer.
Abgesehen davon,daß Visionen und Träume beim Fußball nicht nur erlaubt,sondern sogar ein Muß sein sollten,ist sich jeder hier absolut bewußt,daß int. Plätze oder gar Titel in Ffm für lange Zeit nur schöne Illusion bleiben werden.
Stichwort "zementierte Verhältnisse",woran ja gerade auch gewisse in München ansässige,magenta-rote Glamour-Clubs nicht ganz unschuldig sind und weiter mit Vehemenz daran arbeiten,den Wettbewerb noch mehr zur Farce verkommen zu lassen.
Es geht also nicht,wie hier von einigen kolportiert,um das Einholen des mit TV- und Kirch-Millionen weit enteilten Marktführers und seinem unterwürfigen Gefolge aus GE, DO und HH,es geht viel mehr nur um ansehnlicheren Fußball und einer erträglicheren Philosophie beim selben.
So naiv das auch klingen mag,viele in Ffm würden eher schon mit im Hurra-Stil erlittenen 4:5-Niederlagen in Liga 2 gehen wollen,als mit durch Grottenkicks ermauerten Remis glücklich die Klasse zu halten,weil für einige andere die Verhältnisse eben noch zementierter sind.
Das hat auch was mit Liebe zum Fußball zu tun,mit Spaß am Spiel,der in Ffm gerade aufgrund der Vergangenheit vlt. noch ausgeprägter ist als anderswo.
Und,ja ich weiß,daß sowas gerade in München auf nicht besonders viel Verständnis stoßen wird,wo doch hier der ergebnisorientierte Destruktivfußball erst erfunden wurde,um staubige Titel-Statistiken pflegen und Festgeldkonten nähren zu
ich stimme meinem Vorredner voll zu und gebe noch eine kleine gemeine Anmerkung.
Sollte Frankfurt nächste Saison da stehen wo zum jetzigen Zeitpunkt der KSC steht, dann muss man den Fans wohl eine Mitschuld geben. Ziemlich dreist wie diese einen verdienten und sehr guten Trainer vom Hof gejagt haben. Und Funkel könnte vielleicht zeitgleich den Aufstieg mit KSC feiern? Wer weiß
Frankfurt und "Uefa-Cup"?
"Funkel hat es versäumt, den in den vergangenen zwei Jahren für 13 Millionen aufgerüsteten Kader zum Blühen zu bringen"
Uiuiui - 13 Millionen auf zwei Jahre, na wenn der Trainer damit nicht die Champions League gewinnt, weiß ich auch nicht...
Also mal ernsthaft, das ist doch weltfremd. Haben sich die Frankfurter Fans mal angeschaut, welche Mannschaften da vor ihnen in der Tabelle stehen und welches Budget, die haben?
Im Augenblick würden nächstes Jahr folgende Mannschaften international spielen:
Wolfsburg, Bayern, Stuttgart, Herta, Dortmund und (abhängig vom Pokalfinale) Bremen oder Leverkusen. Außerdem liegen noch Teams wie der HSV, Schalke und Hoffenheim vor Frankfurt.
Das sind 10 Teams mit denen Frankfurt nicht mithalten kann. ZEHN! Mit anderen Worten: in jeder normalen Saison sollten die froh sein, wenn sie 11ter werden. Und wo stehn sie jetzt? Platz 13 - ohne Gefahr noch abzusteigen.
Da sollte jemand mal Fans und Vorstand aus Ihren Träumen wecken: so lange da Peanuts ausgegeben werden, kann die Eintracht froh sein, wenn der Verein die Liga hält. (Egal ob der Trainer Funkel, Stepanovic oder wie auch immer heißt.)