Von Christof Kneer

Friedhelm Funkel verlässt im Sommer Eintracht Frankfurt. Er ist auch an den Sehnsüchten des Umfeldes nach mehr Glamour und offensiverer Rhetorik gescheitert.

Auch der Mann, der sich am Telefon mit "Stepi" meldet, hat am Ende noch als Zeuge der Anklage auftreten dürfen. Er könne verstehen, "dass die Fans die Nase voll haben", sagte Stepi also, und dass Heribert Bruchhagen und Friedhelm Funkel "zu negativ" seien. Und negativ geht natürlich gar nicht, nicht bei Dragoslav Stepanovic, dessen Lebbe immer lustig ist. Frankfurt hatte ja tatsächlich mal eine Menge Spaß mit ihm, Anfang der Neunziger, als Uwe Bein, Andreas Möller und Anthony Yeboah einen glitzernden Fußball vorführten, den die anspruchsvolle Bankenstadt ihrer Wichtigkeit durchaus angemessen fand.

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Friedhelm Funkel verlässt im Sommer Eintracht Frankfurt. (© Foto: ddp)

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So gesehen ist Dragoslav Stepanovic nicht einfach eine Stimme aus alter Zeit, die man am besten überhört. Für Trainer wie Friedhelm Funkel ist er immer noch das Problem. Die Bein-Möller-Yeboah-Stadt hat es ja bis heute nicht akzeptiert, dass es ein Erfolg sein soll, wenn die Eintracht - wie in der vorigen Saison - auf einem seriösen neunten Platz ins Ziel kommt. Nicht unerwartet ist diese Erwartungshaltung Funkel nun zum Verhängnis geworden. Er habe den Vorstandschef Bruchhagen "gebeten, mein Vertragsverhältnis zum 30. Juni zu beenden", sagte Funkel, 55, am Donnerstag.

Am Samstag, zum Saison-Kehraus gegen den HSV, wird er ein letztes Mal auf der Eintracht-Bank Quartier beziehen und sich dann ein Jahr vor Vertragsende verabschieden - wie dieser Abschied ausfallen wird, ist die letzte spannende Frage der fünfjährigen Ära Funkel. Werden die Fans ein letztes Mal "Funkel raus" brüllen und ihn aus der Stadt pfeifen, der er bisher nur 14 Punkte in der Rückrunde hinterlässt? Werden die Sponsoren in den Glitzerlogen Prosecco ausgeben, weil sie diesen wenig funkelnden Sportlehrer endlich los sind? Oder werden die Fans diesem tapferen Coach doch noch einen verdienten Schlussapplaus für treu geleistete Dienste gönnen?

Immerhin hat Bruchhagen seinem Trainer am Ende eine offizielle Entlassung erspart. Funkel hat die Initiative für die Trennung für sich reklamieren dürfen, die Entscheidung sei "langsam gereift", sagt Funkel, er habe "für die kommende Saison Druck von den Spielern nehmen wollen, die Probleme hatten, mit der Situation umzugehen".

Die Situation war die, dass sich interner und externer Druck zuletzt bis zur Unerträglichkeit potenziert hatten. Mit seinen Profis kam Funkel durchaus noch zurecht, was wenig nützte, weil Fans (extern) und Aufsichtsräte (intern) immer weniger mit ihm zurecht kamen. Sie wollten keinen Coach mehr, der ständig die Grenzen des Standorts anmahnt; sie wollen lieber einen Eventtrainer, der den Uefa-Cup predigt und der Elf mehr als einen Stürmer zutraut.

Die Situation war so ausweglos, dass Schuldfragen am Ende keine Rolle mehr spielten; ja, Funkel hat es versäumt, den in den vergangenen zwei Jahren für 13 Millionen aufgerüsteten Kader zum Blühen zu bringen; aber nein, er konnte nichts dafür, dass elementare Profis wie Amanatidis dauerverletzt fehlten.

Der Sündenbock Funkel hat am Ende all das abbekommen, was den Leuten an ihrer Eintracht nicht passte. Es sei nicht gelungen, "die Eigendynamik der Enttäuschung durch Argumente zu entkräften", sagt Bruchhagen, der es sich mit Funkel zur Aufgabe gemacht hatte, die einstige Diva Eintracht mit defensiver Rhetorik zu zähmen - was in der Stadt zunehmend als mutwilliges Kleinreden der eigenen Möglichkeiten wahrgenommen wurde.

Auf einen Nachfolger mit Glamourfaktor muss das Eintracht-Umfeld aber eher nicht hoffen, auch wenn schon wieder Lothar Matthäus gehandelt wird. Als Favorit gilt aber ein Mann, der auch nicht funkelt: Michael Skibbe.

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(SZ vom 22.05.2009)