Einkaufstour des Wolfsburger Trainers Felix Magath, allein unterwegs

Ochs, Salihamidzic, Hitzlsperger oder Kyrgiakos: Obwohl die A-Junioren des VfL Wolfsburg gerade Deutscher Meister geworden sind, bastelt sich Alleinherrscher Felix Magath eine Art letztes Aufgebot. Er holt fast verlorene Gesellen des Profibetriebs, die es vor der Rente noch mal wissen wollen.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Wie weit sich Felix Magath in seinem programmatischen Ansatz von der herrschenden Lehre in der Bundesliga entfernt hat, tritt am deutlichsten in Kontrast zu Borussia Mönchengladbach zu Tage. Die Borussen, in der Vorsaison fast abgestiegen, entschlossen sich, den Schwung des gelungenen Klassenerhalts mit in die neue Spielzeit zu nehmen.

Dem Kader wurde Vertrauen ausgesprochen, ergänzt wurde er durch Talente, die sich hinten anstellen müssen. Magath hingegen hat darauf verzichtet, mit dem VfL Wolfsburg auf ähnlich emotionaler Welle in die neue Saison zu reiten. Hingegen zog er den Klassenerhalt, errungen erst am letzten Spieltag, auch jetzt, nach dem 0:3 in Freiburg, als erstes Argument dafür heran, dass er umbauen und einkaufen müsse. Man sei doch fast abgestiegen, da müsse man eben alles in Frage stellen - es gebe nur den einen, diesen radikalen Weg.

Es ist ein einsamer Weg geworden, auf dem Magath unterwegs ist. Denn dort, wo Magath einkauft, wo er Kandidaten sichtet, schaut kein Zweiter mehr in die Schaufenster. Alle Übrigen haben im Sommer manisch nach Talenten gesucht, während aus der Gegenrichtung Felix Magath kam.

Er hätte eigentlich Talente zu Hauf, die A-Jugend des VfL Wolfsburg wurde soeben souverän deutscher Meister, doch Magath holt Ochs, Salihamidzic, Hitzlsperger oder Kyrgiakos. Bekannte Namen, gewiss, aber eigentlich aus einer anderen, vergangenen Zeit. Jugend forscht - das hatte Magath noch nie im Programm. Er ist dabei, sich eine Art letztes Aufgebot zu basteln, gestandene, aber fast verlorene Gesellen des Profibetriebs, die es mit der Rest-Energie vor der Rente noch mal wissen wollen.

Daraus kann, bei klarer Sicht aufs gebuchte Personal, bestenfalls eine Kampfelf werden, eine circensische Attraktion für die Zeit nach der Winterpause. Nämlich dann, wenn die Qualen auf dem Magath-Hügel - berühmt-berüchtigt aus der Wolfsburger Meistersaison 2009 - noch einmal in ein Höllentempo münden.

Magaths Teams waren stets Rückrunden-Mannschaften. Sie kamen ins Laufen, wenn sich aus seinen Riesenkadern jene herausschälten, die den gewaltigen Druck ertragen konnten, den der Trainer immerzu entwickelt. Eine exzessive Personalpolitik, wie sie nur Magath betreibt, zeitigt jedoch gefährliche Streueffekte.

Das 2:0 für Freiburg erzielte Jendrisek, den Magath einst auf Schalke ausmusterte, zum 3:0 traf Makiadi, der Magath einst in Wolfsburg nicht gefiel. So was gehört zur Folklore, trotzdem wird es für Magaths Seniorentruppe nicht leichter, muss sie auch noch für all die alten Rechnungen vom Trainer geradestehen.

Knuffig, kritisch, polyvalent

mehr...