Einführung der Nations League Platinis nächster Angriff auf die Fifa

Michel Platini, einst Mittelfeld-Stratege heute Uefa-Chef.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Die Europäische Fußball-Union führt einen neuen Wettbewerb ein: die Nations League. Sepp Blatter und dem Weltverband kann das nicht gefallen. Uefa-Chef Michel Platini mutiert zur sportpolitischen Bedrohung.

Von Thomas Kistner

Nun schlägt das Imperium zurück, und gleich mit aller Macht. Aber natürlich hat Europas Fußballverband Uefa für den Angriff eine annehmbare, der Branche gut vermittelbare Verpackung gewählt. Bei ihrem Kongress in Kasachstan hat sie jetzt ein neues Wettkampf-Format beschlossen: die Nations League.

Ab 2018 soll sie den Betrieb aufnehmen und - so die offizielle, politisch unbedenkliche Argumentation - die bisher ja mäßig spannenden Freundschaftsspieltermine für Nationalmannschaften mit echtem Wettbewerb füllen. Das noch nicht ganz ausgebrütete Konzept sieht vor, dass Europas Teams in vier anhand des Länder-Koeffizienten eingeteilten Divisionen (A bis D) mit vier Untergruppen zu je drei bis vier Teams im Herbst 2018 vier bis sechs Partien spielen. Der Meister wird 2019 bei einem Final-Four-Turnier ermittelt, das die vier Gruppensieger aus Pool A austragen; die anderen Nationen spielen um Auf- und Abstieg.

Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), äußerte sich zurückhaltend zu dem Projekt. "Ich verhehle nicht, dass der DFB und auch ich ganz offen Bedenken geäußert haben", sagte er der Presse am Tagungsort in Kasachstan. Skepsis sei weiter da, andererseits müsse der DFB "akzeptieren und respektieren, dass die Mehrheit der Verbände ganz einfach etwas ändern möchte."

Reaktionen auf Uefa-Nationenliga "Wir dürfen die Schraube nicht überdrehen"

Der Bundestrainer sorgt sich um die Stärke der Gegner, der Manager um den Terminkalender: Die Nationenliga der Uefa stößt bei Vertretern der deutschen Nationalmannschaft und aus der Bundesliga vorwiegend auf Skepsis. Positiv äußern sich die kleineren Verbände - und der FC Bayern.

Wobei das zu Ändernde auch viel mit der großen Fußballpolitik zu tun hat. Denn der Coup von Astana löst in der Zürcher Fifa-Zentrale alle Alarmglocken aus. Dort ist Präsident Sepp Blatter seit jeher stark um Eindämmung der europäischen Vorherrschaft im Weltfußball bemüht, und mehr noch um die Demontage der europäischen Funktionäre. Denen, so hat er gerade erst erklärt, will er nun sogar die Plätze in seinem Fifa-Vorstand kürzen. Der Machtkampf tobt, denn Uefa-Chef Michel Platini ist von Blatters einstigem Musterzögling zur sportpolitischen Bedrohung mutiert: Er schielt auf den Fifa-Thron.

In Astana hat Platini am Mittwoch wiederholt, dass er nach der WM in Brasilien entscheiden werde, ob er 2015 für das Amt kandidiert, das Blatter seit 1998 mit Klauen und Zähnen verteidigt und gerne ein fünftes Mal ergattern will. Die Frage, ob er den ewigen Patron schlagen könne, beantwortet Platini nun schlicht mit "ja". Und zum Streitthema WM 2022 in Katar befand die Uefa: Sie hält an einer Verlegung fest, erwartet diese aber erst 2015, weil noch keine Einigkeit über einen Termin erzielt wurde.