EHC München in der Krise Nur der Torhüter findet Gnade

Der mit viel Vorschusslorbeer angekündigte Darren Haydar, 33, hat bislang erst ein Tor erzielt. Verteidiger Danny Richmond, von Pagé in Salzburg als harter Kämpfer geschätzt, stand in Mannheim nie in Schlagdistanz zu seinen Gegnern. Dazu kommen Pässe in den Rücken der eigenen Abwehr, Disziplinlosigkeiten wie von Sean O'Connor, der in Mannheim beim Stand von 0:7 eine Schlägerei anzettelte und dafür mit sechs Spielen Sperre bestraft wurde, und Verletzungen (Nick Palmieri fällt mit einer Innenbanddehnung bis Ende Oktober aus). Manche Fans sprechen bereits unverhohlen von einem "Söldnerhaufen". Nur Torhüter Jochen Reimer fand am Sonntag vor ihrem Urteil Gnade.

Pagé sagt, die Neuen müssten endlich das Training akzeptieren. Seit Mai hat er die Mannschaft auf die Saison vorbereitet, länger als jedes andere DEL-Team und "härter als in der NHL und in Russland". Doch während die deutschen Spieler an ihn und sein System glaubten, seien einige Nordamerikaner "böse" auf ihn. Sie seien müde und hielten ihm vor, zu viel zu trainieren.

"Ich glaube, dass wir das beste Team der Liga haben"

Pagé kennt das, auch in Berlin und Salzburg sei das zu Beginn so gewesen. Beim EHC aber klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. "Ich glaube, dass wir das beste Team der Liga haben", sagte der US-Amerikaner Andy Wozniewski nach dem 0:12-Tore-Wochenende. Alexander Barta sagt: "Momentan sind wir sicher keine Topmannschaft." Der Nationalstürmer kann den Frust der Anhänger nachvollziehen. 3129 waren es gegen Köln, ein enttäuschender Wert. "Klar", sagt Barta, er wisse ja selbst nicht mehr, "wie viele Heimniederlagen wir jetzt haben". Es sind vier. In sechs Spielen.

Von der Anfangseuphorie ist nichts übrig. "Zwischen dem 27. Juli und 4. August" sei seine Mannschaft die beste gewesen, "die ich in 14 Jahren Europa je hatte", sagt Pagé. Exakt neun Tage, in denen sein Team zwei russische Mannschaften (Magnitogorsk, Omsk) schlug. Neun von 167 Tagen. Aber im August gibt es im Eishockey keine Titel.

Am kommenden Sonntag erwarten die Münchner den angeschlagenen Meister Berlin; die Eisbären sind unter ihrem neuen Coach Jeff Tomlinson auf den letzten Platz abgerutscht. Der übertragende Sender - ein Teil des dicht verästelten Red-Bull-Imperiums - hat die Live-Partie etwas voreilig als "Topspiel am 13. Spieltag" angekündigt und auf seiner Homepage einen Countdown eingerichtet, der die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zum ersten Bully herunterzählt. An diesem Dienstag sind es noch fünf Tage. Dann läuft zumindest diese Frist ab.