Von Ein Interview von Sebastian Krass

Arne Tiedemann hat jahrelange Erfahrung als Kreisliga-Fußballer. Nicht nur als Spieler, auch als geplagter Kabinennutzer. In seinem "Kachelreport" testet er die Anlangen verschiedener Vereine und verrät, wo der Mop wischt — und wo nicht.

SZ: Herr Tiedemann, Sie veröffentlichen auf der Homepage Ihres Fußballvereins TSV Kollmar den so genannten Kachelreport, ein Tagebuch über den Zustand der Gästekabinen und der sanitären Anlagen bei Auswärtsspielen. Und es scheint diesbezüglich ja schlimm zuzugehen bei Ihnen da oben in Schleswig-Holstein.

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Tiedemann: Es geht wirklich schlimm zu, nicht nur, was die sanitären Anlagen angeht, sondern generell ist es hier ganz schlimm.

SZ: Erzählen Sie doch bitte.

Tiedemann: Die Idee mit dem Tagebuch kam uns, weil wir seit Jahren durch den Kreis Steinburg tingeln. Und manchmal ist echt Heimduschen angesagt. Außerdem haben wir sportlich nicht viel zu bieten (die Erste Mannschaft des TSV Kollmar ist mit drei Punkten aus 15 Spielen Letzter der Kreisliga Steinburg; Anm. d. Red.). Deshalb müssen wir uns eben anders ein bisschen ausleben.

SZ: Welche Kriterien muss denn eine Sanitäranlage für Ihre Höchstwertung von elf Wischmopps erfüllen?

Tiedemann: Sie muss sauber sein, es muss ausreichend warmes Wasser geben, viel Platz - und einen Gartenschlauch, der ist ganz wichtig.

SZ: Einen Gartenschlauch?

Tiedemann: Ja, damit die Gastgeber oder der Platzwart dort sauber machen können.

SZ: Allerdings geben Sie selbst Ihrer eigenen Gästekabine nur die Minimalbewertung. Müssen Sie sich da nicht um den Dreck hinter der eigenen Tür kümmern?

Tiedemann: Wir ziehen das extra ein bisschen runter. Nur so können wir uns ja herausnehmen, die anderen durch den Kakao zu ziehen.

SZ: Also ist es bei Ihnen sauber?

Tiedemann: Naja, das ist schon typischer Siebziger-Jahre-Realismus, der einem da entgegen schreit. Unsere Kabine liegt näher an der Dusche, das ist der einzige Vorteil.

SZ: Fordern Sie nun gewisse Mindeststandards für die Zulassung eines Vereins zum Spielbetrieb?

Tiedemann: Da können wir ja nicht viel fordern, weil wir selbst nicht viel bieten können. Aber ich kann mich an einen Verein erinnern, der jahrelang gar keine Duschen hatte. Da hat man sich in einem Getränkeverschlag neben einer Gaststätte umgezogen. Dann musste man noch mit dem eigenen Pkw zwei, drei Kilometer bis zum Spielfeld fahren. Das war wirklich ganz unten.

SZ: Beobachten Sie denn, dass es auswärts sauberer ist, seitdem die Gegner wissen, dass nicht nur der Tabellenletzte, sondern auch die Stiftung Kacheltest kommt?

Tiedemann: So weit hat sich das wohl noch nicht rumgesprochen. Wir haben sogar den betreffenden Mannschaften mal geschickt, was wir so schreiben. Aber die haben sich bisher nicht gemeldet.

SZ: Alex Alves von Hertha BSC musste 2001 mal wegen einer Fußpilzinfektion lange pausieren. Vielleicht erklären ja die katastrophalen hygienischen Bedingungen den Fehlstart Ihres Teams in die Saison.

Tiedemann: Schöne Erklärung, allerdings sind wir mit solchen Verhältnissen auch aufgestiegen. Das sind wohl doch rein sportliche Gründe. Wir sind da Realisten, nächste Saison werden wir wohl wieder eine Saison eine Klasse tiefer spielen. Aber das Umfeld stimmt immerhin.

SZ: Wohl nur das menschliche.

Tiedemann: Stimmt, bei unserer Anlage könnte sich noch was tun.

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