Wer ist der Chef? Weil das Millionenpferd Totilas in Wiesbaden nicht spurt, lästert die Reitsportszene, der erst 26-jährige Reiter Matthias Rath sei ein Weichei, der Hengst ihm überlegen, man könne sich Erfolg eben nicht kaufen. Doch dann gelingt Rath die Wende.
Irgendwann musste er kommen, sagt Matthias Alexander Rath, "das war klar". Der Moment, in dem der schwarze Millionenhengst Totilas, nach den Beschreibungen seiner Entourage bis dahin ein Ausbund an Güte und Strebsamkeit, die Frage stellt, wer denn eigentlich Chef im Ring sei - der Kerl da oben im Sattel oder er.
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Prunkvoller Rahmen für Matthias Rath und Totilas: Das Pfingstreitturnier in Wiesbaden vor der Kulisse des Biebricher Schlosses. (© dpa)
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Und am vergangenen Wochenende, beim Pfingstturnier in Wiesbaden, kam er dann, dieser Moment. Wer ist der Chef? Pferd oder Reiter? Rath hat die Frage am Ende überzeugend beantwortet. Nach dem Grand Prix am Sonntag, in dem sich Totilas den Anweisungen seines Reiters immer wieder zu entziehen versuchte, gab Totilas im Grand Prix Special am Montag den Musterknaben. 81,479 Prozent bedeuteten den Sieg, den dritten bei vier Starts - und die bisher beste Benotung des Paares. "Er ist ein Pferd wie jedes andere", sagt Rath, "nur besonders schlau."
Die Revolte des Pferdes, mit dem der Niederländer Edward Gal 2010 drei Weltmeistertitel gewann, begann klammheimlich, zunächst nur für den Reiter zu spüren, nicht mal für den Trainer und Vater Klaus-Martin Rath. Nur zäh reagierte Totilas beim Abreiten auf die per Unterschenkel übermittelten Anweisungen, stellte sich sozusagen taub oder zumindest schwerhörig.
Im Viereck, während der Prüfung, baute er dann seine Aufmüpfigkeit aus, piaffierte nicht ordentlich, obwohl er das so gut kann, hörte in der Pirouette auf zu galoppieren und schlampte bei den fliegenden Wechseln. 72,915 Prozent, ein enttäuschender Platz drei: Bei Reiter, Trainer und Ann-Kathrin Linsenhoff, Raths Stiefmutter und Mitbesitzerin von Totilas, sah man betretene Gesichter.
Das kam jetzt doch unerwartet nach den respektablen Siegen eine Woche zuvor in München. Hinter vorgehaltener Hand lästerte die Szene: Der erst 26 Jahre junge Reiter sei wohl ein Weichei, der Hengst sei ihm überlegen, man könne sich Erfolg eben doch nicht kaufen. Nur Totilas' Hauptbesitzer Paul Schockemöhle blieb cool: "Ich habe auch nicht immer null Fehler geritten", sagte er zu Rath am Telefon. Das tröstete, ersparte aber nicht die Analyse.
"Zusammen mit Bundestrainer Holger Schmezer haben wir uns den ganzen Abend das Video angeschaut, immer wieder", berichtet Rath. "Und unsere Schlüsse daraus gezogen." Die wurden am nächsten Tag beim Training subtil umgesetzt.
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allerdings in Bezug auf Totilas und seinen "Reiter", der ihm die "pubertären Probleme noch austreiben" muss - man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Ich habe mir Rath angesehen, der nicht einmal weiss wohin mit seinen Händen, haben Sie die Härte gesehen - wahrscheinlich fällt er zu weit nach vorne. - Rath muss noch viel lernen, dabei aber wird Totilas verheizt.
Im Grunde ist die Haltung des Totilas schon Grund genug für den Veterinär-Aufruf. ... kontrollierter "Freilauf" in der Halle und Arbeit, dann Box in Vollverpackung möglicherweise ... kein Herdenanschluss - es ist schlicht ein Elend.
Die verspannte - schlechte - Sitzhaltung des Rath ist wohl dabei auch noch eine pubertäre Flause des armen armen Totilas. Man schäumt. Und ich werde eine Lösung suchen. Mit dem Ahnen beginnt die Schuld.
Ok, das Tierchen hat ein bisschen was gekostet, aber trotz aller Hoffnungen auf den Return on Investment täte dem deutschen wie dem internationalen Dressurreiten eine Rückbesinnung auf das, was die klassische Dressurreiterei einmal war, ganz gut. Und wer rein zufällig zur Abwechslung mal sehen mag, wie korrektes Dressurreiten aussieht, den lade ich ein, sich auf den einschlägigen Internet-Videoportalen den Ritt von Joseph Neckermann der Olympischen Spiele aus dem Jahre 1960 anzuschauen.
Hach ja, seufz, damals, als das Genick noch höchster Punkt war…und nicht wie heute, wo die FN sogar ihre Illustrationen in den “Richtlinien” dem unkorrekten Reiten anpasst, statt es zu ächten. Klar, sich hinter Floskeln und Absichtserklärungen zu verstecken ist da ja auch viel bequemer.
Soweit ist es also inzwischen gekommen mit dem deutschen Reitsport.
Trotz aller Bemühungen seiner reitenden und nicht-reitenden Zweibeiner - das Wunderpferd “funktioniert nicht”. Und dabei hat es doch über zehn Millionen Euro gekostet!
Ein schaurig-schönes Beispiel für die Irrwege des modernen Dressurreitens – aber was soll man auch von einem Pferd erwarten, das im Prinzip nichts anderes als Rollkur kennt? Oh Pardon, das heisst doch jetzt low-deep-and-round, klingt politisch doch gleich viel korrekter.
Die Dressur verkommt mehr und mehr zu einer oberflächlichen, von Zwang geprägten Ausnutzung der Pferde, und die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN ist weit davon entfernt, das umzusetzen, was sie sich so gerne auf’s Fähnchen schreibt. „Harmonie“, „Gymnastizierung“ oder „klassischen Reitkunst“ sind schon vor Jahren zu wohlklingenden Floskeln verkommen. Den Preis dafür bezahlen die Pferde, diese ach so hinterhältigen, dem Reiter gewollt den Tag versauenden Untiere.
Die traurige Realität zeigt, dass man mit Pferden internationale Turniere und sogar Olympische Spiele gewinnen kann, obwohl man aus ihnen unter Zuhilfenahme zweifelhafter Ausbildungsmethoden krampfhaft strampelnde, völlig verspannte, in ihrem Bewegungsablauf gestörte Roboter gemacht hat. Doch das Untragbare wurde in den letzten Jahrzehnten heimlich still und leise national wie international zur Norm (aus Gefälligkeit oder aus Unwissenheit?!), und oft zweifle ich an Wissen und gesundem Menschenverstand der Wertungsrichter und Ausbilder.
Das Ziel sei es “den Respekt vor dem Reiter, vor seiner Einwirkung mit dem Unterschenkel wieder herzustellen.”. Ach. Echt? Der Respekt des Reiters vor dem Lebewesen Pferd ist schon länger zweitrangig, und gerade auch die Berücksichtigung der körperlichen und seelischen Leistungsgrenzen eines Pferdes wird im modernen Dressurreiten nicht erst seit gestern mit Füssen getreten. Korrektes Reiten nach klassischen Grundsätzen geht anders!
Hm, ob sich da draussen wohl irgendeiner die Frage stellt, wie viele Pferde für einen Totilas auf der Strecke geblieben sind? Wie viele talentierte junge Pferde völlig unnötig über die Uhr gedreht worden sind, die dem unsinnigen Druck rein wirtschaftlicher Interessen nicht standhalten konnten? Macht doch nix, der Filz aus Züchtern, Richtern, Ausbildern, Reitern und Geldgebern produziert dann einfach neue, die andern schmeisst man weg.
Doch ich schweife ab - zurück zu Totilas: Ok, das Tierchen hat ein bisschen was gekostet, aber trotz aller
Im Falle Totilas (wie auch bei jedem reinen Zuchthengst) habe ich ein gewisses Verständnis für Abweichungen zu Ihrem Idealbild. Es ist Ihnen bekannt, dass Sie nicht jeden Hengst - auch weniger millionenschwer, als T - in eine Gruppe stellen können? Ihnen sind die Herausforderungen ebenfalls bekannt, nehme ich an.
Davon abgesehen: die übliche - oder gar Freizeitreiterei - können Sie auf ein Pferd wie Totilas nicht anwenden - selbst da habe ich noch Verständnis für die neuen Eigner.
Totilas muss sein Geld reinholen - da kennt Herr Schockemühle et al nix, da ist die Tierliebe schnell am Ende. Er muss also 1. gewinnen und dabei möglichst noch dem Rath das Image polieren und 2. soll der Rest des Gewinns aus der Verwendung Totilas als Zuchthengst gewonnen werden. Die Preise für Totilas Bemühungen sind gesalzen, wie Sie sich denken können.
Ich will hier keine Diskussion über die von mir ohnehin mit strengem Unbehagen gesehene Freizeitreiterei anfangen, denn das was Sie in Mietställen und dank zuwenig finanzieller Reserve und Kenntnissen an zusammengezimmerten Offenställen sehen, verschliesst einem den Mund.
Totilas - und da sind mir die Niederländer ein Dorn im Auge- hätte niemals in den heutigen Stall verkauft werden dürfen. Dass den heutigen Haltern die Grösse dafür fehlt, sehen Sie schon an diesem Statement von irgendwelchen Pubertätsflausen, die Totilas angeblich ausgetrieben werden müssen. Das sind mir Fachleute!
Totilas wird m.E. niemals eine Weide sehen, wird bandagiert, clochiert und verpackt einzeln gehalten. Dazu vergleichen Sie die Haltungsbedingungen bei Edward Gal und vor allem die endlose Geduld, die Gal aufbringen durfte und konnte. Ich prophezeie eine Katastrophe - und sie wird, natürlich, heimgehen mit dem armen, armen Totilas.
dass sie keine Qualen, vermeidbare Schäden oder Schmerzen erleiden. Oberstes Gebot bei der Pferdehaltung sollte, wie bei jeder Tierhaltung, die Erfüllung der Bedürfnisse des Pferdes sein, und verlangt vom Pferdehalter die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten. In der Pferdehaltungspraxis stehen jedoch den Bedürfnissen des Pferdes die Interessen des Pferdebesitzers teilweise entgegen. Bedürfnisse des Pferdes (für Offenstallhaltung) -> Bewegung: In freier Natur ist ein Pferd 10 bis 16 Stunden am Tag – meist zur Futtersuche – unterwegs und legt dabei 30–40 km zurück. Das Pferd ist somit ein Lauftier. Da dieser Bewegungsbedarf allein über den Reit- und Fahrsport meist nicht gedeckt werden kann, sollte möglichst viel Gelegenheit zur selbständigen unbehinderten Bewegung gegeben werden. Sozialkontakte: Pferde sind ausgeprägte Herden- bzw. Gruppentiere. Jedes Pferd braucht die Möglichkeit Sozialkontakte mit Artgenossen aufzunehmen. Einzelhaltung ist tierschutzwidrig. Gesundheit: Das Pferd ist auf ein Leben unter freiem Himmel eingestellt und braucht den Kontakt zu Licht und Luft genauso wie staubfreie Luft und möglichst staubfreies Futter. Staub ist das größte Problem für die empfindlichen Atmungsorgane des Pferdes.
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