Von Gabriele Pochhammer

Wer ist der Chef? Weil das Millionenpferd Totilas in Wiesbaden nicht spurt, lästert die Reitsportszene, der erst 26-jährige Reiter Matthias Rath sei ein Weichei, der Hengst ihm überlegen, man könne sich Erfolg eben nicht kaufen. Doch dann gelingt Rath die Wende.

Irgendwann musste er kommen, sagt Matthias Alexander Rath, "das war klar". Der Moment, in dem der schwarze Millionenhengst Totilas, nach den Beschreibungen seiner Entourage bis dahin ein Ausbund an Güte und Strebsamkeit, die Frage stellt, wer denn eigentlich Chef im Ring sei - der Kerl da oben im Sattel oder er.

Pfingstreitturnier Wiesbaden - Matthias Rath und Totilas Bild vergrößern

Prunkvoller Rahmen für Matthias Rath und Totilas: Das Pfingstreitturnier in Wiesbaden vor der Kulisse des Biebricher Schlosses. (© dpa)

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Und am vergangenen Wochenende, beim Pfingstturnier in Wiesbaden, kam er dann, dieser Moment. Wer ist der Chef? Pferd oder Reiter? Rath hat die Frage am Ende überzeugend beantwortet. Nach dem Grand Prix am Sonntag, in dem sich Totilas den Anweisungen seines Reiters immer wieder zu entziehen versuchte, gab Totilas im Grand Prix Special am Montag den Musterknaben. 81,479 Prozent bedeuteten den Sieg, den dritten bei vier Starts - und die bisher beste Benotung des Paares. "Er ist ein Pferd wie jedes andere", sagt Rath, "nur besonders schlau."

Die Revolte des Pferdes, mit dem der Niederländer Edward Gal 2010 drei Weltmeistertitel gewann, begann klammheimlich, zunächst nur für den Reiter zu spüren, nicht mal für den Trainer und Vater Klaus-Martin Rath. Nur zäh reagierte Totilas beim Abreiten auf die per Unterschenkel übermittelten Anweisungen, stellte sich sozusagen taub oder zumindest schwerhörig.

Im Viereck, während der Prüfung, baute er dann seine Aufmüpfigkeit aus, piaffierte nicht ordentlich, obwohl er das so gut kann, hörte in der Pirouette auf zu galoppieren und schlampte bei den fliegenden Wechseln. 72,915 Prozent, ein enttäuschender Platz drei: Bei Reiter, Trainer und Ann-Kathrin Linsenhoff, Raths Stiefmutter und Mitbesitzerin von Totilas, sah man betretene Gesichter.

Das kam jetzt doch unerwartet nach den respektablen Siegen eine Woche zuvor in München. Hinter vorgehaltener Hand lästerte die Szene: Der erst 26 Jahre junge Reiter sei wohl ein Weichei, der Hengst sei ihm überlegen, man könne sich Erfolg eben doch nicht kaufen. Nur Totilas' Hauptbesitzer Paul Schockemöhle blieb cool: "Ich habe auch nicht immer null Fehler geritten", sagte er zu Rath am Telefon. Das tröstete, ersparte aber nicht die Analyse.

"Zusammen mit Bundestrainer Holger Schmezer haben wir uns den ganzen Abend das Video angeschaut, immer wieder", berichtet Rath. "Und unsere Schlüsse daraus gezogen." Die wurden am nächsten Tag beim Training subtil umgesetzt.

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