Lebenslange Sperre für Athener Fußballer Hitlergruß-Aufreger bei Ewald Lienens Klub

Er behauptet, nichts von der Bedeutung dieser Geste gewusst zu haben: Giorgos Katidis von AEK Athen. 

(Foto: REUTERS)

Selten gab es so hässliche Szenen in einem Fußballstadion: Der griechische U21-Nationalspieler Giorgos Katidis von AEK Athen feiert ein Tor mit ausgestrecktem rechten Arm vor den Fans. Nun darf er nie wieder für sein Heimatland auflaufen. Von der Bedeutung des Zeichens will er nichts gewusst haben - Trainer Ewald Lienen versucht zu vermitteln.

Es ist die vielleicht hässlichste Szene, die sich seit dem "römischen Gruß" des Italieners Paolo di Canio an die Fans von Lazio Rom auf einem Fußballplatz ereignet hat: Giorgos Katidis vom griechischen Erstligisten AEK Athen ist vom nationalen Fußball-Verband EPO wegen eines Hitlergrußes lebenslang für die Auswahlmannschaften des Landes gesperrt worden.

Der Mittelfeldspieler hatte am Samstag nach seinem Siegtreffer zum 2:1 gegen AE Veria den Zuschauern die historisch schwer belastete Geste gezeigt. "Der Gruß stellt eine ernste Provokation dar. Sie beleidigt die Opfer des NS-Regimes und widerspricht dem friedlichen Charakter des Spiels", teilte die EPO am Sonntag mit. Der deutsche AEK-Trainer Ewald Lienen bezeichnete die Geste im SID-Interview am Sonntag als "dumm, naiv, unreif, abenteuerlich. Das war Wahnsinn".

Der Verein werde sich wohl von Katidis trennen. "Ich glaube, das Thema für ihn ist hier erledigt. Die Tendenz geht klar Richtung Suspendierung für einige Wochen, und dann wird er sich im Sommer wohl einen neuen Verein suchen. Ich war entsetzt." Allerdings sagte Lienen auch, der Spieler lebe "völlig in seiner eigenen Welt". Katidis habe eine schwere Kindheit gehabt, sich auch schon zahlreiche andere Verfehlungen in Athen geleistet: "Er wollte ganz sicher keine politische Meinung vertreten, er wollte auf dumme und naive Weise Stärke und Kraft zeigen. Der hat dabei keine Sekunde nachgedacht."

Lienen bekräftigte seine Abscheu gegenüber faschistischen Tendenzen. "Ich bin derjenige, der das rigoros bekämpft. Scheißegal, wie gut ein Spieler ist, der hat keine Chance, wenn er rechtsextreme Gesten zeigt oder Gedanken hegt." Katidis hatte sich nach dem Spiel via Twitter entschuldigt: "Ich bin kein Faschist. Ich hätte das nie getan, wenn ich die Bedeutung der Geste gekannt hätte."

Seit Längerem sollen bei AEK verheerende Zuständ herrschen. Der Verein ist der Pleite nahe, Gehälter werden kaum bezahlt und der Abstieg droht. Fans aus dem Ultra-Lager haben deshalb die Geschäftsstelle des Vereins besetzt und campieren in einem Raum der Klubzentrale.

Brisant an der Affäre mit Giorgos Katidis ist, dass AEK in Griechenland eigentlich als Aushängeschild in Sachen Anti-Rassismus gilt. Wie die Fans auf den Ausschluss des Profis reagieren, wird sich noch zeigen.

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