DOSB-Expertengruppe Auf Pechsteins Seite

Der DOSB hält zu ihr: Claudia Pechstein im Münchner Gericht

(Foto: dpa)

Der Deutsche Olympische Sportbund sieht Claudia Pechstein vom Vorwurf des Dopings als entlastet an. Das kommt nicht überraschend - denn die einseitige Besetzung der Expertengruppe verblüfft viele.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Am Donnerstag machte sich Claudia Pechstein auf den Weg dorthin, wo alles begonnen hatte: nach Hamar, einem Ort im Südosten Norwegens. Im Februar 2009 hatte der Eisschnelllauf-Weltverband (ISU) dort bei Kontrollen auffällige Blutwerte festgestellt, die zu einer Zweijahressperre der Athletin führten. Nun stehen dort für die 42-Jährige, die Doping stets bestritt und die Werte mit einer seltenen Blutkrankheit erklärt, die nächsten Weltcup-Rennen an. Und im Gepäck hatte sie eine Nachricht, die sie dem sid gegenüber so kommentierte: "Heute ist ein toller Tag für mich, vergleichbar mit dem Tag vor dem Oberlandesgericht in München. Es ist wieder Sportgeschichte geschrieben worden."

Den Anlass für Pechsteins Freude liefert diesmal eine Stellungnahme des Deutschen Olympischen Sportbundes. Der DOSB hatte im Oktober eine Kommission zur Causa Pechstein eingesetzt, deren fünf Mitglieder kamen nun zu dem Schluss, dass die medizinische Bewertung, die Grundlage für die Sperre der fünfmaligen Olympiasiegerin war, falsch gewesen sei. Anhand der Blutbildverläufe könne "ein Doping-Nachweis nicht geführt" werden. "Claudia Pechstein gilt damit aus unserer Sicht als Opfer. Man kann nur um Entschuldigung bitten", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Inhaltliche Frage noch gar nicht Teil des Verfahrens

Der Vergleich der Athletin und der Umgang des deutschen Sportdachverbandes mit seiner Expertengruppe verblüffen allerdings manche Beobachter. Vor zwei Wochen hatte Pechstein vor dem Oberlandesgericht München einen bedeutenden Triumph errungen. Die Richter entschieden, dass ihre Schadenersatzklage über 4,4 Millionen Euro gegen die ISU zulässig ist. Dies war in der Tat ein Stück "Sportgeschichte", weil dabei erstmals ein hohes deutsches Gericht die Konstruktion der globalen Sportjustiz und speziell des Internationalen Gerichtshofes (Cas) in Lausanne massiv kritisierte. Die inhaltliche Frage war aber noch gar nicht Teil des Verfahrens.

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Die Autorität des Personenkreises, der nun Pechsteins neuerliche Freude erzeugte, erscheint zudem recht weit von der eines Oberlandesgerichtes entfernt. Es handelte sich dabei um eine jener Kommissionen, die der deutsche Sport gerne gründet, wenn er in einem Sachverhalt auf eine Einschätzung von Experten verweisen möchte.

Das Votum dieser Kommission kam nicht überraschend, sondern war bereits bei ihrer Zusammenstellung durch die DOSB-Spitze im Oktober so erwartet worden. Denn nahezu alle Mitglieder dieser fünfköpfigen Gruppe hatten auch schon vorher mehr oder minder eindeutig in der langjährigen Debatte um Pechsteins Blutwerte Position bezogen.