Dortmund verliert in Hamburg Unkonzentriert im Alltagsgeschäft

Erste Niederlage seit 31 Spielen, bereits fünf Punkte Rückstand auf den FC Bayern: Bei der überraschenden Niederlage in Hamburg zeigt Meister Borussia Dortmund, wie undankbar das Hin und Her zwischen Champions League und Bundesliga sein kann. Und offenbart Konzentrationsschwächen.

Von Carsten Eberts, Hamburg

Am Samstagabend um kurz nach 18 Uhr stellte Jürgen Klopp klar, dass er nicht zurücktreten wird. Dass er nicht hinwirft, sondern weiter Trainer von Borussia Dortmund bleibt, auch wenn Klopp erstmals seit 31 Spielen in der Bundesliga wieder eine Niederlage erklären musste. Als "sehr bitter" bezeichnete er die 2:3-Pleite beim Hamburger SV, machte eine kurze Pause, sagte dann jedoch: "Wir werden trotzdem weitermachen."

Sein Hamburger Trainerkollege Thorsten Fink prustete nebenan, auch Klopp lächelte. Den Lacher hatte sich der Dortmunder Coach wieder mal abgeholt. Auch wenn er sich zuvor sehr geärgert hatte.

Es war eine schwer verdauliche Niederlage, die der BVB aus Hamburg mitbrachte, vor allem, weil sie so unnötig war. Allen drei Gegentoren durch Heung Min Son (2. und 59. Minute) und Ivo Ilicevic (55.) waren schwere Fehler in der Dortmunder Defensive vorausgegangen. Am Ende schafften es die Dortmunder Stürmer nicht, aus 26 Torschüssen (der HSV hatte sechs) und zehn Eckbällen (der HSV hatte zwei) mehr als die beiden Treffer von Ivan Perisic (46., 60.) zu erzielen. "Wir haben den roten Faden gar nicht erst gefunden", sagte Klopp.

Der Dortmunder Trainer hatte vieles gesehen, was ihm nicht gefiel. "Die Anfangsphase war schon richtig scheiße", klagte Klopp in markigen Worten: "Wir haben gesagt, dass der Gegner händeringend darum kämpft, in die Erfolgsspur zurückzukehren. Und wir fangen an mit Passspiel. Da sitzt man draußen und fragt sich: Wo waren die denn eben in der Sitzung?"

Auch Mannschaftskapitän Sebastian Kehl wusste von der eigenen Unzulänglichkeit zu berichten. "Im Endeffekt haben wir das Spiel ganz alleine entschieden. Zu viele Fehler hinten und vorne die Chancen nicht genutzt. Warum das so war, gehört nicht in die Öffentlichkeit", sagte Kehl. Mats Hummels ergänzte: "Wir wissen, dass wir heute sehr viel falsch machen mussten, um das Spiel zu verlieren, das haben wir leider."

Damit hatten Kehl und Hummels ihren Teamkollegen in der Analyse einiges voraus. Die anderen schlichen alle wortlos in die Kabine, von dort aus wortlos in den Bus. Auch die Jungnationalspieler Marco Reus und Mario Götze, die in der Bundesliga erstmals zusammen auf dem Platz standen. Keiner wollte ein Wort sagen. Der Rückstand auf den FC Bayern beträgt nun bereits fünf Punkte. Zu einem ziemlich frühen Zeitpunkt in der Saison.

Grundsätzliche Kritik an seiner Mannschaft wollte Trainer Klopp trotzdem nicht zulassen: "Solche Spiele kommen vor, da muss ich jetzt kein Fass aufmachen. Das wäre blödsinnig." Bereits am Dienstag muss der BVB zum Überraschungszweiten Eintracht Frankfurt, es wird das nächste schwere Auswärtsspiel, bevor anschließend Borussia Mönchengladbach nach Dortmund kommt. Das sind zwei anspruchsvolle Aufgaben binnen fünf Tagen. Klopp hat ein wenig Aufbauarbeit vor sich.

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