Dortmund jubelt über 3:2 gegen Málaga Der Wahnsinn kommt ganz zum Schluss

Ein Hauch von Bayern - Manchester 1999: Durch zwei Tore in der Nachspielzeit und ein glückliches 3:2 gegen den FC Málaga erreicht der BVB das Halbfinale der Champions League. Dabei agiert die Elf von Trainer Jürgen Klopp lange nervös und wackelig. Beim Siegtor von Felipe Santana übersehen die Unparteiischen zwei Abseitspositionen - in Dortmund kennt die Freude keine Grenzen.

Das konnte eigentlich gar nicht gut gehen. Er sei heute überhaupt nicht nervös, sagte Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, vor dem Spiel. Ein gefährliches Geständnis war das, denn jeder Dortmunder weiß: Wenn Watzke nervös ist, ist das immer ein gutes Zeichen. Was aber, wenn er mal nicht nervös ist? Dann kann es passieren, dass der FC Málaga in der 25. Minute unverhofft vor dem Tor aufkreuzt und trifft. Es war das Tor, das die Dortmunder nach dem 0:0 im Hinspiel unbedingt vermeiden wollten.

Ein kleiner Vorteil immerhin: Nun drohte endlich das Aus im Viertelfinale der Champions League, nun spätestens war auch Watzke nervös. Das half: Am Ende drehte der BVB ein nicht hochklassiges, aber hoch spektakuläres Spiel mit zwei Toren in der Nachspielzeit. 3:2, das reichte fürs Halbfinale der Champions League. "Ich habe schon viel erlebt, aber so was noch nicht", stöhnte Watzke nach dem Schlusspfiff. Er war jetzt nicht mehr nervös, sondern: "fix und fertig".

Das dürfte der Gegner aber erst recht von sich behaupten: Beim Dortmunder Siegtor in der Schlussminute lag gleich eine doppelte Abseitsstellung vor. Bei Lewandowskis Flanke stand erst Schieber zu weit vorne, beim Torabschluss war es der Schütze Santana. Eine ziemlich dramatische Schiedsrichter-Entscheidung, die noch für einige Diskussionen sorgen dürfte und nicht dadurch schlüssiger wurde, dass Mister Thomson aus Schottland bei Málagas Tor zum 1:2 ebenfalls eine knappe Abseitsstellung übersehen hatte. So bekam dieser "ganz große Abend" (BVB-Trainer Jürgen Klopp) einen Beigeschmack, der auch Klopp nicht gefallen dürfte.

Die Dortmunder wussten schon vor dem Spiel, welch umfangreiche Folgewirkung dieser Abend haben würde. Sie wussten: Ein Weiterkommen würde die Spannung hoch halten, ein Ausscheiden dagegen würde die Saison fast schlagartig beenden. Aus allen Wettbewerben wäre Dortmund dann raus gewesen; aus Meisterschaft, DFB-Pokal, Champions League.

In der Nachspielzeit: Felipe Santana macht das entscheidende Tor.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Es war den Dortmundern anzumerken, dass sie all diese Optionen mit ins Spiel nahmen. Diese sonst so gut gelaunte Mannschaft konnte ein paar Zweifel nicht kaschieren, und die Gäste taten ihr Bestes, um dieser Laune-Mannschaft den Spaß zu verderben. Sie wussten, dass den Dortmundern ihr Abwehrspielmacher Mats Hummels fehlte, also parkten sie im Mittelfeld alle verfügbaren Räume zu, was die verbliebenen Dortmunder Innenverteidiger Subotic und Santana in ein paar Nöte stürzte.

Sie sollten jetzt den Hummels machen, aber das konnten sie nicht. Statt mit präzisen Pässen das Spiel aufzubauen, schoben sie sich die Bälle zu, und so geschah etwas, was sonst selten geschieht: Dortmunds Spiel nahm kaum Fahrt auf.

Aber es tröstete die Dortmunder doch, dass sie ein paar Lücken zumindest erahnen konnten. Kaum spielten sie schneller, wurde die gegnerische Ordnung sofort durch eine einladende Unordnung ersetzt. Dortmund drängte und drängelte nun, vor allem dank des hellwachen Gündogan, aber es steckte immer noch zu viel Rest-Nervosität im Spiel. Lewandowskis Lupfer markierte eine erste Chance (16.), aber keine zehn Minuten später war die Nervösität in Hochpotenz zurück.