Bundesliga Dortmund: Hinter den Bayern, weit vor dem Rest der Liga

Erfolgreicher Torschütze - aber hinter Bayerns Lewandowski: Pierre-Emerick Aubameyang

(Foto: Lars Baron/Getty Images)
Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Nein, nein, nein, von Bayern München wollte an diesem eisigen Abend partout keiner sprechen. Auch Marco Reus nicht, der in die Reporter-Mikrofone in strenger Profi-Haltung raunte, man habe "jetzt erst mal Darmstadt vor der Brust". Wenn man dort am Mittwochabend nicht gewinne, dann brauche man über das Duell mit den ewigen Bayern "gar nicht zu reden". Kann sein, dass da bei Dortmunds Aushilfs-Kapitän noch die Demut über das späte, mühsam errungene 3:1 gegen die TSG Hoffenheim mitschwang.

Der Abstand nach vorne jedenfalls - die scheinbar unveränderlichen acht Punkte zum Tabellenführer FC Bayern - gibt auch keinen richtigen Anlass, zu glauben, dass am Samstag in Dortmund noch einmal so etwas wie Spannung in die Meisterschaftsfrage kommen könnte. Zu maschinenhaft gewinnen auch die Münchner ihre Duelle. Mal gibt es eine Halbzeit lang Hoffnung, dass Darmstadt in München eine Sensation schaffen könnte (Endstand 3:1), dann hält Wolfsburg mal eine Halbzeit lang die Null (Endstand 2:0). Am Ende aber räumen die Bayern dann doch alles aus dem Weg.

Sippels Entscheidung gegen Rudy war womöglich wegweisend

Zur Zeit gibt sich aber auch der BVB kaum eine echte Blöße. Gegen Hoffenheim, das unter dem Jung-Trainer Julian Nagelsmann, 28, frisch und auf keinen Fall wie ein Tabellenvorletzter spielte, dauerte es aber wieder einmal recht lange, bis die Punkte eingefahren waren. Erst spät hatten Tore des überragenden Henrikh Mkhitaryan, des eingewechselten Adrian Ramos sowie von Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang die Hoffenheimer Führung durch Sebastian Rudy gedreht. Aber was das angeht: Die Bayern drehen Spiele seit Jahren spät zu ihren Gunsten. Allerdings: An diesem Abend sahen es die Dortmunder eindeutig als Qualitätsmerkmal an, dass sie den Sieg gegen einen erstaunlich starken Gegner erst am Ende und wild entschlossen erkämpft hatten.

Dass Schiedsrichter Peter Sippel ein taktisches Foul des Torschützen Rudy an Aubameyang nicht nur mit der vermeintlich obligaten gelben Karte, sondern mit einer glatt roten Karte bestraft hatte, begünstigte die Dramaturgie aus der Perspektive des BVB. Andererseits war Sippels Entscheidung womöglich wegweisend, denn die Unart, mit scheinbar harmlosen Fouls gefährliche Kontersituationen abzubrechen und dafür eine wenig erschreckende gelbe Karte zu kassieren, könnte mit härterer Strafandrohung à la Sippel grundsätzlich effektiver bekämpft werden. Rudy wurde am Montag für immerhin drei Spiele gesperrt.