Dopingfall Sachenbacher-Stehle Wende zum Schlechten

Ein Schatten über dem deutschen Olympia-Team: Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle wurde positiv getestet.

Sorglosigkeit? Dummheit? Oder doch ein internationaler Verteilerkreis? In der Dopingaffäre um Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle deutet wenig auf ein Missgeschick hin. Der deutsche Sport gerät zunehmend unter Druck, die Politik will nun handeln.

Von Thomas Kistner

Gewundert hat sich Wolfgang Pichler natürlich, aber nichts Böses geahnt. Als der Ruhpoldinger Trainer der russischen Biathletinnen am Freitagmittag die Startliste fürs Staffelrennen studierte und sah, dass Evi Sachenbacher-Stehle fehlte, Deutschlands beste Biathletin in Sotschi, fragte er einen Trainerkollegen aus dem Deutschen Skiverband (DSV) - und erfuhr, die Evi habe Schwächen im Schießen.

Stunden später wusste auch Pichler Bescheid: Evi Sachenbacher-Stehle war positiv in A- und B-Probe getestet worden. Sie könne sich "nicht erklären, wie es zu dieser positiven Dopingprobe gekommen ist", erklärte die 33-Jährige am Freitagabend vor ihrer Abreise. Gefunden wurde das Stimulans Methylhexanamin.

"Das ist mehr als dumm und leichtfertig"

"Schlimmster Albtraum, den man sich vorstellen kann": Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle bestätigt, dass der positive Dopingtest bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi von ihr stammt. Bundestrainer Uwe Müßiggang wirft der Athletin Leichtfertigkeit vor und fürchtet um den Ruf der Sportart. mehr...

Während die deutschen Funktionäre den Vorgang lange kommentarlos aus der Deckung verfolgten, hatte das Biathlon-Lager in Sotschi bald Details parat. Auch Pichler, der Sachenbacher selbst lange trainiert hatte, als sie Langläuferin war, und der nun von verunreinigten Energie-Riegeln gehört hatte, die ihr von einem Berater empfohlen worden seien. Sorglosigkeit? Das mag die Hoffnung im deutschen Olympiatross gewesen sein; dazu passten erste Schockreaktionen, die DSV-Coach Frank Ullrich so erklärte: "Ich kann nur hoffen, dass das noch eine Wende zum Guten nimmt."

Die Wende blieb aus. DSV-Sprecher Schwarzbach erklärte, "möglicherweise" sei verunreinigte Nahrungsergänzung die Quelle. "Wir gehen von einem Einzelfall aus." Doch beides ist nicht der Punkt beim olympischen Sündenfall in Deutschlands beliebtester Winterdisziplin.

"Wir erwarten von Spitzensportlern, dass sie Warnungen ernst nehmen"

Ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel soll die positive Dopingprobe der Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle verursacht haben. Die Nationale Anti-Doping-Agentur reagiert auf den Vorfall - und sagt, sie warne die Athleten seit Jahren vor derartigen Präparaten. mehr...

Zum einen flog in Sotschi jetzt noch ein weiterer Stimulans-Dopingfall auf: Auch der italienische Bobfahrer William Frullani könnte dasselbe Mittel genommen haben, mutmaßlich aus chinesischer Fertigung - was dann auf internationale Verteilerkreise schließen ließe. So oder so: Eine Panne mit der Nahrungsergänzung fällt auf den Deutschen Olympischen Sportbund zurück, auf Funktionäre und wissenschaftliche Betreuer.