Dopingfall Sachenbacher-Stehle Verschwunden von der Liste des Mentaltrainers

Evi Sachenbacher-Stehle während eines Trainigs in Krasnaja Poljana.

Ein mysteriöser Berater, ein irritierender DOSB und eine Hausdurchsuchung bei Evi Sachenbacher-Stehle: Im Dopingfall der Biathletin gibt es eine diffuse Gemengelage - zumal inzwischen bei drei Sportlern die Substanz Methylhexanamin gefunden wurde.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Ein mächtiges Doping-Gewitter braut sich zusammen hinter dieser Substanz mit der reichlich kompliziert klingenden Bezeichnung - und Deutschland ist mittendrin. Methylhexanamin heißt der Stoff, den die Kontrolleure bei den Spielen in Sotschi mittlerweile schon bei drei Sportlern entdeckt haben. Bei der deutschen Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle, beim italienischen Bobfahrer William Frullani und beim lettischen Eishockeyspieler Vitalijs Pavlovs - und zu hören ist, dass noch weitere Fälle drohen.

Wie kommt es zu so einer Häufung: Durch individuelle Nachlässigkeit im Umgang mit verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln? Oder steckt etwas anderes hinter dieser bemerkenswerten Pannenserie? Die Gemengelage ist diffus; zumal gerade das Verhalten von Sachenbacher-Stehle und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) allerlei Fragen offenlassen. Umso mehr, als ein geheimnisvoller Mentaltrainer die Schlüsselrolle spielt - und sich sogar schon die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat.

Flotte juristische Begleitung

Die juristische Begleitung dieses Falles verlief flotter und effektiver als je zuvor: Am Freitagmorgen kursierten die ersten Meldungen, wonach Sachenbacher-Stehle positiv getestet wurde. Am späten Nachmittag bestätigt die Sportlerin das selbst. Und schon am Abend durchsuchten Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) den Olympia-Stützpunkt der Biathleten in Ruhpolding sowie zwei Privatgebäude.

Die zuständige Abteilung im Wiener Innenministerium bestätigte der SZ, dass aufgrund eines Rechtshilfeersuchens der Staatsanwaltschaft München auch Sachenbacher-Stehles Hauptwohnsitz in Österreich durchsucht wurde - und dort Substanzen konfisziert wurden. "Ob es sich bei den sichergestellten Präparaten um verbotene Substanzen nach der Wada-Verbotsliste handelt, kann erst nach entsprechenden Gutachten gesagt werden", teilten die Ermittler mit. Hintergrund der Aktion soll eine Anzeige gegen unbekannt gewesen sein, die aber nicht vom DOSB kam. Der schloss sich erst am Sonntag an.

Während die Justiz zu Hause erste Schritte unternahm, bestritt die Athletin über ihren Anwalt Mark Heinkelein jedes absichtliche Dopingvergehen. "Evi versteckt sich nicht. Sie will mit den Verbänden und der Öffentlichkeit zusammenarbeiten, um die Geschichte lückenlos aufzuklären", sagte Heinkelein dem sid und kündigte für Montag eine schriftliche Erklärung an. Derweil betrieb die DOSB-Spitze in Sotschi ihr Krisenmanagement. Zum einen versuchte sie, den Befund zu relativieren: Ein Dopingfall, ja, aber "Leute, wir sprechen hier nicht über Heroin, Epo oder sonst was", sagte Generaldirektor Michael Vesper. Auch war den DOSB-Oberen sehr daran gelegen, den Fall als unvorstellbare Naivität einer erfahrenen Athletin darzustellen, die trotz der jahrelangen Warnungen von Verband, Anti-Doping-Agenturen und Laboren Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen habe; an Vorsatz glauben sie nicht. Gleich "fünf, sechs, sieben Produkte", räumte Vesper dabei ein, hätte Sachenbacher bei sich gehabt.