Dopingfall Fränk Schleck Ein Coup des Zufalls

Mit dem Luxemburger Fränk Schleck wurde bei der Tour de France wieder ein Schwergewicht mit unerlaubten Substanzen im Körper gefunden. Dabei sind die Sportler stets im Vorteil gegen ihre Dopingjäger - der Fall Schleck ist vermutlich ein reiner Zufallstreffer. Die Franzosen lassen sich ihre Tour davon nicht zerstören.

Ein Kommentar von Andreas Burkert

Die Tour de France rollt weiter, trotz des mutmaßlichen Dopingfalls Fränk Schleck. Das darf sie, das muss sie - nur wohin rollt dieses Spektakel?

Trotz der Doping-Affären stehen bei der Tour de France wieder Tausende Zuschauer an der Strecke.

(Foto: Getty Images)

Zuletzt war es ruhig geworden an der Enthüllungsfront. Von besseren Kontrollen, von Vorzügen des Blutpass-Systems war die Rede, von einer nachrückenden Generation, die als Profis nicht sozialisiert worden sei in Hinterzimmern von einschlägigen Teamchefs und Ärzten, die angeblich Trainingspläne schrieben, in Wahrheit aber ihre Giftschränke und Blutpumpen zur Verfügung stellten.

Nun haben sie also doch wieder ein Schwergewicht herausgezogen. Eine gezielte Probe bei einem guten Bekannten aus dem Kreis der Verdächtigen - oder eben doch, was wahrscheinlicher ist, ein Zufallstreffer: Nach der obligatorischen Probe vor dem Tourstart in Lüttich haben die 198 Tour-Fahrer im Wettkampf bis Paris insgesamt etwa 150 Urintests und 50 Blutproben zu überstehen - ergibt binnen drei Wochen ziemlich genau einen Test pro Fahrer. Die Profis sind zudem ständig im Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Jägern; angesichts der vielen Dinge, die derzeit nicht nachzuweisen sind. Der Fall Schleck ist vermutlich ein Coup des Zufalls.

Daraus ist abzuleiten, dass man weiterhin nicht alles glauben muss, was man sieht. Die Deutschen liegen ja weit vorn mit dieser Sicht und wundern sich, dass in Frankreich wieder so viele Leute an der Strecke stehen. Doch die Franzosen sind ein Sonderfall. Sie haben gerade Ferien, und es ist IHR Rennen, weltbekannt wie Eiffelturm und Beaujolais. Sie lassen sich ihr Fest und diesen schönen Sport nicht zerstören von den vielen Affären. Die Tour bleibt die Tour.

Die nüchternen Deutschen wiederum haben, im Gegensatz zu Luxemburg, ihre Affären schon hinter sich. Nun bricht eben im Großherzogtum mehr als ein Radlerdenkmal zusammen. Vorbehaltlos sind dort bislang, trotz delikater Indizien und Anhaltspunkte, die Brüder Schleck bewundert worden. Der Sportminister Romain Schneider hat sich dort in den letzten Jahren bei der Präsentation ihres Teams ins Scheinwerferlicht gestellt. Die Politik unterstützte es.

Die Deutschen brauchen sich trotz ihrer kühlen Sichtweise nicht den Patriotismus oder die Liebe zum Sport absprechen lassen - nur weil sie gerade keinen Siegertypen haben und die bedenkenlose Protektion des Sports wohl auch deshalb nicht mehr mitmachen. Sie sollten mit klarem Blick allerdings nicht nur der Problembranche Radsport folgen.

Demnächst ist Olympia in London, das Spektakel aller Spektakel. Der Zufall hat dann wieder Konjunktur.