In Italien wird zwar so dreist gedopt wie sonst kaum irgendwo. Doch wegen des dortigen Anti-Doping-Gesetzes kooperieren die Behörden tadellos. Auch die Ermittlungen gegen Lance Armstrong laufen gerade in Italien zusammen.
Ostermontag wird die hiesige Radsaison mit "Rund um Köln" eröffnet. Weil es wegen der vielen Dopingaffären inzwischen keine deutschen Teams mehr gibt, startet am Rhein ein Nationalteam mit im Ausland beschäftigten Fahrern wie Hondo oder Knees, die somit doch zu ihrem Heimspiel kommen.
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"Italiener müsste man sein!", wird sich jemand wie Hondo denken, der dort beim Team Lampre angestellt ist. In Italien mögen sich zwar Affäre an Affäre und Razzia an Razzia reihen, aber demnächst beim Giro spielt das alles wohl kaum noch eine Rolle. Wie Berlusconi selbstredend auch "Bunga-Bunga" übersteht, haben der ciclismo und die Giro-Macher wenig Probleme damit, wenn der derzeit noch startberechtigte Clenbuterol-Sünder Alberto Contador bei ihnen gegen den heimischen Vielfach- Betrüger Danilo DiLuca und Landsmann Ivan Basso - einstige Nummer zwei im Kühlfach des Blutpräparators Fuentes - um den Sieg klettert.
Aber es braucht nun niemand auf Italien zu zeigen. So dreist wie hier sind sie zwar sonst nur noch in Spanien, aber hinter den Alpen ist man immerhin dabei, die dortige Doping-Folklore als globale Seuche einer besonders umfassend kontaminierten Branche zu enttarnen.
Nach Lage der Dinge ist jedenfalls nicht mehr auszuschließen, dass der mutmaßliche Champion des Betrugs, Lance Armstrong, seinen alten Freunden unfreiwillig und indirekt einen letzten Dienst erwiesen hat. Denn US-Cheffahnder Jeff Novitzky ist dem Texaner seit Floyd Landis' Geständnis auf den Fersen; die Ermittlungsstränge laufen gerade in Italien zusammen, wo dank des dortigen Anti-Doping-Gesetzes wenigstens die Behörden tadellos kooperieren.
15 Millionen Euro habe der Arzt Michele Ferrari umgesetzt, heißt es nun im Zwischenbericht - eine internationale Hundertschaft aus der Kundenkartei von Dottore Epo darf sich zu recht fürchten. Team Lampre, eines der Schwergewichte im Peloton, wird zudem von dem Behörden in Mantua zugesetzt, Volkshelden wie Weltmeister Ballan oder Teamchef Saronni sollen Teamdoping mit Hilfe eines Apothekers betrieben haben.
Der Herr ist übrigens auch Pferdetrainer. Erfreulich ist, dass offenbar nicht nur die Unbelehrbaren des Pelotons Ausdauer wie ein Pferd haben. Sondern inzwischen auch ihre Jäger, vor allem in Italien.
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(SZ vom 23.04.2011)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien