Die Welt-Antidopingagentur fordert bereits Fuentes-Akten des spanischen Fahrers an. Sie sollen helfen, Contadors wundersame Leistungssteigerung zu erklären.
Kaum verklungen ist das Fanfarengeschmetter um Alberto Contador im patriotisch erglühten Spanien, da reist aus Heidelberg ein Postpaket nach Kanada, dessen Inhalt mit ziemlicher Gewissheit dafür sorgen wird, dass sich bald Katzenjammer ausbreitet rund um den Sieger der Tour de France 2007.
Tausende feierten den Tour-Gewinner Alberto Contador in Spanien. (© Foto: AFP)
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Richard Pound, Chef der in Montreal ansässigen Welt-Antidopingagentur Wada, hat beim deutschen Dopingforscher Werner Franke alle Papiere aus den Akten des Madrider Dopingdoktors Eufemiano Fuentes erbeten, die Auskunft über dessen mutmaßlichen Klienten Contador geben. Franke packte dem Weltdopingwächter als Sahnehäubchen Kernaussagen Jaksches zum Dopingnetzwerk obendrauf, wie sie dieser auch im Verhör bei der Staatsanwaltschaft Ansbach gemacht hatte. Doping-Kronzeuge Jaksche steht ja - als ,,JJ'' - gleich neben ,,AC'' in der Kundenliste. Und er bekennt sich zu all den dort vermerkten Praktiken.
Dass Jaksches Aussagen an die Wada geht, ist Teil der Abmachung, die Franke mit Pound in Vorbereitung der Selbstbekenntnisse des Radprofis getroffen hatte. Dieser wollte ja sicher sein, dass die Agentur im Fall einer Beichte die Anwendung der Kronzeugenregelung für ihn durchboxt. Nun liefert Jaksche der Wada zugleich die perfekte Übersetzungshilfe für die Passagen im Fuentes-Fundus, die Contador betreffen. Der Name des aktuellen Tour-Siegers steht sogar ,,zweimal ausgeschrieben in den Berichten'', sagt Franke, insofern habe nun ,,alles, was Jaksche dem BKA gestand, direkte juristische Relevanz für Contador''.
Gibt es an dieser Lesart vernünftige Zweifel? Nicht für die Wada. Zu glauben, dass sich der enorm beschäftigte Blutspezialist Fuentes (zur eigenen Verwirrung?) wildfremde Profis ins Behandlungsbuch schrieb, die er gar nicht betreute, hieße, die Unschuldvermutung wohl ein wenig überzustrapazieren. Der kanadische Jurist Pound sieht hier jedenfalls einen klaren Anfangsverdacht, deshalb aktiviert er seine Agentur. Im Fall Contador, erklärt Pound der SZ, sei die Gemengelage so: ,,Als aufsichtführende Agentur muss die Wada abwarten, wie nationaler und internationaler Verband die Sache behandeln. Stimmen wir deren Entscheidung nicht zu, fordern wir die Akten an und entscheiden, ob wir die für uns angemessene Lösung direkt vor dem obersten Sportgerichtshof Cas erstreiten.''
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Wie verbindlich mag jeglicher (zwischen den Teams abgesprochene) Ethikcode sein, wie weitsichtig die Veranstalter von Großereignissen und wie weise die Verbände wie UCI & Co., wenn nun, im NACHHINEIN, ermittelt wird und doch schon zuvor Zweifel bestanden und Ermittlungsakten verfügbar waren?
Wartet man nun immer bis ein Sportler Etwas gewonnen hat und ermittelt dann erst? Ist das gerecht im Sinne des Sportlers und der anderen Mitfahrer? Bringt uns das in Richtung "sauberer Sport" oder einfach nur zum Lachen, weil die Vorgehensweise jeglicher Weitsicht entbehrt?
Wie kann man den (und nicht nur diesen) Mann überhaupt mitfahren lassen? Nun freut er sich doch erstmal über den Sieg, das Geld und den Ruhm und ein Stück weit hat er ihn selbst bei einem Dopingbefund verdient, denn man scheint den Verdachtsmomenten hinterher zu rennen, anstatt sie im Vorfeld anzugehen.
Radsport? "Selbst fahren" (klappt bei mir seit vielen Jahren) lautet die Devise, zuschauen kann man da wirklich nicht mehr und das nicht nur wegen der bösen Sportler, sondern nun vor allem wegen der hilflosen/dämlichen/selbst verworren Offiziellen, die groß verkünden, doch handeln als wäre Sport gerade erst erfunden worden.