Die Entscheidung der Wada für eine "Lex Fußball" hat Folgen: Nun wollen auch andere (Mannschafts-)Sportarten die Fußball-Regelung für Dopingkontrollen übernehmen.

Kontroverse Debatten hat die "Lex Fußball" im Antidoping-Kampf ausgelöst. Nachdem der Weltfußballverband Fifa und der europäische Verband Uefa jüngst mit der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) in aller Stille einen Sonderstatus ausgehandelt haben, steht das Kontrollsystem auf dem Prüfstand.

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Weitere Mannschaftssportarten wie Basketball, Eishockey oder Handball wollen sich an die Fußball-Regelung anpassen. "Wenn Türchen geöffnet werden sollen durch Begriffe wie Privatsphäre, Urlaub oder Regeneration, dann ist dieser Antidopingkampf nicht mehr glaubwürdig", sagte Armin Baumert, Vorsitzender der Nationalen deutschen Antidoping-Agentur (Nada).

Auch der frühere Radprofi und heutige Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag, der einst an der Seite von Erik Zabel ein öffentliches Dopinggeständnis abgelegt hatte, warnt vor den Auswirkungen: "Das hat eine fatale Signalwirkung. Gerade der Fußball sollte als mächtigste Sportart eigentlich eine Vorbildfunktion haben. Die Frage ist doch nun: 'Wer kippt als nächstes?'" In der Tat dürfte es Nachahmer geben. "So eine Entscheidung ist wie ein Dammbruch. Wie will man begründen, wenn das nicht auch für Basketball oder andere Teamsportarten gilt? Wir werden als Verband jedenfalls alles dafür tun", kündigte Wolfgang Hilgert als Vorsitzender der Antidoping-Kommission des Deutschen Basketball Bundes (DBB) an.

Beifall gibt es auch aus dem Lager der Handballer. "Das käme uns auch sehr entgegen, vor allem unseren Athleten", sagte DHB-Sportdirektor Peter Sichelschmidt. Der Weltverband IHF hat bereits angekündigt, eine Teammeldepflicht statt der individuellen Meldepflicht zu beantragen.

Auslöser der Debatte ist jene "Lex Fußball", die im Kern folgendes besagt: Die Aufenthaltsorte der Spitzenspieler für eventuelle Doping-Proben müssen - in einer Testphase bis 2010 - von einem Vereinsvertreter nur en bloc mitgeteilt werden. Die individuelle Meldepflicht wie in anderen Sportarten entfällt. Ausnahmen gelten für verletzte oder gesperrte Akteure, die nicht täglich gemeinsam mit den Kollegen anzutreffen sind.

Brisant ist jedoch die Urlaubsregelung, nach der Fußballer in ihren Ferien während der Sommer- und Winterpause von den Kontrolleuren nicht besucht werden dürfen. "Kontrollen während des ohnehin kurzen Urlaubs sind im Sinne der Wahrung der Privatsphäre der Spieler inakzeptabel", hieß es dazu in einer früheren Fifa-Erklärung. "Wenn nicht dann, wann macht denn eine Kontrolle überhaupt noch Sinn? Als geständiger Dopingsünder kann ich das ganz gut beurteilen", meint dazu Rolf Aldag.

"Das ist eine unfaire Lösung uns Sportlern gegenüber", sagte Danny Ecker, der WM-Dritte im Stabhochsprung, und Eike Emrich sieht als Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) das "Prinzip der Gleichbehandlung empfindlich gestört". Radprofi Linus Gerdemann meint: "Viele Sportarten würden gut daran tun, die Doping-Problematik ernst zu nehmen und in jeder Phase der Saison für eine größtmögliche Kontrolle zu sorgen."

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(SZ vom 21.04.2009)