Von Thomas Kistner

Die Wada sorgt für Vorermittlungen gegen ein österreichisches Plasma-Institut. Deutsche Athleten sollen Kunden der Blutbank gewesen sein.

Seit November grollte es in der Szene: Da wurden in Österreich erste Hinweise publik, dass eine Wiener Blutbank in die Doping-Aktivitäten der sechs - fünf davon mittlerweile lebenslang von Olympia verbannten - Wintersportler verwickelt sei, die mit ihrer Flucht vor einer Polizeirazzia in ihrem Spiele-Quartier 2006 in Turin weltweit Aufregung provoziert hatten. Die wirkt nach: Vielleicht war die Olympia-Affäre sogar nur ein Vorbeben. Denn die Wiener Blutspuren führen ins Ausland. Offenbar auch nach Deutschland.

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Blutspuren, die ins Ausland führen. (© Foto: ddp)

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Am Mittwoch gab das österreichische Gesundheits-Ministerium Vorermittlungen gegen eine in Wien ansässige Blutbank-Filiale des Unternehmens Humanplasma bekannt. Staatssekretär Reinhold Lopatka reagierte damit auf eine Anfrage der Weltantidoping-Agentur Wada. Deren (zu Jahresbeginn von dem Australier John Fahey abgelöster) Chef Richard Pound ging darin dem Verdacht nach, das Institut könnte Blutdoping bei Winter- und Radsportlern unterstützt haben. Pound bestätigt nun den Vorgang, verweist aber darauf, er könne sich - "wenn die Angelegenheit noch läuft" - nicht mehr dazu äußern, da er kein Wada-Amt mehr bekleidet.

Ende November hatte die Wada Hinweise erhalten, nach denen Sportlern in der Firma Blut abgenommen und für Reinfusions-Zwecke in Blutplasma umgewandelt worden sei. Dies sei vornehmlich an Sonntagvormittagen passiert, wenn das Institut für Plasmagewinnung geschlossen ist. Das Unternehmen selbst weist die Vorwürfe strikt zurück. Lothar Baumgartner, einer der zwei Ärztlichen Leiter, sagte der SZ gestern: "Ich mache das seit 33 Jahren, ich stehe vor einem absoluten Rätsel. Blutdoping ist mit unseren Geräten nicht möglich, wir erzeugen keine Blutkörperchen." Die einzige Möglichkeit, so der Narkose-Spezialist, bestünde darin, "dass Mitarbeiter der Firma illegalerweise die Räume an Sonntagvormittagen missbraucht hätten". Auschließen könne man nichts, er selbst sei auch "noch nie am Sonntagmorgen" in der Firma gewesen. Doch der Kreis derjenigen mit Schlüssel zum Institut sei klein, man werde der Sache "intern lückenlos nachgehen".

Die Hinweise auf Wien verdanken sich den Ermittlungen zur Turin-Affäre. Während der Winterspiele 2006 hatte Italiens Polizei ein Dopinglabor im Ausweichquartier der ÖSV-Langläufer und Biathleten durchsucht, dabei wurden Blutbeutel, Spritzen, Testgeräte und Dopingmittel beschlagnahmt. Eine Disziplinarkomission des Internationalen Olympischen Komitees unter Regie des deutschen Vizepräsidenten Thomas Bach empfahl den lebenslänglichen Ausschluss der Athleten, zudem verhängte das IOC mit einer Million Dollar das höchste Bußgeld aller Zeiten gegen Österreichs Olympiakomitee ÖOC. Vergangenen Montag verwarf der Sportschiedsgerichtshof Cas die Berufungen der Gesperrten, mit einer Ausnahme.

Die Schärfe des deutschen Chefermittlers Bach, übrigens auch Präsident der Cas-Berufungskammer, hat die Gemüter in Austria erhitzt. Nicht wegen der Höchststrafen, sondern wegen eines Verdachtes, den jüngst auch in Deutschland der Chef des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, äußerte: Er habe Zweifel, ob die im Fall der lebenslang gesperrten Österreicher geübte Härte auch in anderen Fällen angewendet werde - etwa im Hinblick auf die Causa Jan Ullrich. "Kein einheitliches Handeln", rügte der Berliner Jurist und SPD-Politiker in dem Zusammenhang.

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