Doping in der Leichtathletik Hastige Reparatur vor der WM-Sause

Die WM steht an und die Leichtathletikwelt debattiert wieder einmal über Doping.

(Foto: dpa)

Mit veröffentlichten Nachtests will der Weltverband der Leichtathletik Reputation zurückgewinnen. Kurz vor der WM zeigt das, wie überfordert der Sport ist.

Kommentar von Johannes Knuth

Treten Sie bitte zurück, meine Damen und Herren, gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen! Wir haben alles unter Kontrolle. Wie bitte? 28 Leichtathleten mit auffälligen Werten bei den Weltmeisterschaften 2005 und 2007? Na ja, aber die haben wir, der Weltverband IAAF, mit unseren tollen Nachtests aus dem Dopingsumpf gefischt. Eine Glaubwürdigkeitskrise? Besuchen Sie mal unsere Homepage! Dort steht: "Die Funde zeigen, wieder einmal, die Hingabe der IAAF, Betrüger in der Leicht- athletik ausfindig zu machen und zu entblößen, egal wie lange es dauern mag."

Wenn jemand so ausgiebig seine Integrität preist wie in diesen Tagen die IAAF, dann gibt es wohl einige, die das Gegenteil behaupten. Zum Beispiel ARD und Sunday Times, die, assistiert von zwei Blutdoping-Experten, zuletzt einen massiven Dopingverdacht formulierten. Mehr noch, die IAAF soll es nicht so genau damit genommen haben, allen Verdachtsfällen nachzuspüren. Seitdem zanken sich beide Seiten um die Deutungshoheit. Für die IAAF geht es dabei um einiges. Sie will beweisen, dass sie nach wie vor befähigt ist, ihren Sport so gut es geht, sauber zu halten. Der jüngste Fahndungserfolg soll das beweisen, aber so einfach ist es dann doch nicht, wieder einmal.

Warum fallen keine Namen?

Man muss der IAAF zugestehen, dass sie sich wohltuend von anderen Verbänden abhebt; manches Geschäftsmodell im Anti-Doping-Kampf besteht ja nach wie vor darin, weitgehend wegzuschauen. Es mag auch sein, dass die IAAF ihre Nachtests weit vor den Recherchen der ARD einleitete. Aber warum veröffentlicht man nun Befunde, wenn man aus juristischen Gründen noch keine Namen nennen kann? Viele Medaillengewinner von 2005 und 2007 setzten zuletzt hektisch Nachrichten ab, nein, sie seien nicht betroffen. Und so verfestigt sich der Verdacht, dass dort ein Verband hastig seine Reputation repariert, bevor nächste Woche die große WM-Sause losgeht.

Leider lässt sich Glaubwürdigkeit nicht auf den letzten Drücker zusammenklauben wie ein paar Einkäufe kurz vor Ladenschluss. Der Sport, darüber täuschen diverse Nachtests nicht hinweg, ist überfordert damit, sich selbst zu kontrollieren. Auch die IAAF hat sich in der Vergangenheit oft ins Ungefähre geflüchtet, wenn es darum ging, schmerzhafte Hintergründe auszuleuchten, sie hat meist nur so viel vom Dopingproblem gezeigt, dass es nicht zu schlimm aussah.

Gleichzeitig hat sie mit ihren Nachtests nun erneut unterstrichen, wie wenig man den Bildern trauen darf, die sie demnächst in Peking produzieren wird. Wenn sie wieder in die Rolle des Entertainers schlüpft.