Eine Kommission erklärt den Reitsport für strukturell redlich. Ihr Einsatz war vor allem eine gelungene PR-Aktion.
Alles halb so schlimm? Der durch freimütige Äußerungen zu seiner Medikationspraxis aufgefallene Ludger Beerbaum hat umgedacht, die jungen Reiter zeichnen sich durch eine "hohe positive Ethik" aus, es gibt keinen Flächenbrand, sondern höchstens "Altbrandherde" - eigentlich könnte man sich beruhigt zurücklehnen, nachdem die drei freundlichen Herren vom Deutschen Olympischen Sportbund Steiner, Klug und Fassbender, zusammen 210 Jahre alt, Reitern und Funktionären die Gretchenfrage nach Doping und Medikation gestellt haben.
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Unter anderem die Dopingaffäre um Dressurreiterin Isabell Werth hatte für viele Diskussionen gesorgt. (© Foto: dpa)
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Der Pferdesport bekam seinen Persilschein ausgestellt - auch wenn die Kommission nichts erfahren hat und sich offenbar nicht wirklich bemühte, herauszufinden, was nicht schon in ihren Unterlagen stand. Hanfried Haring, der pensionierte Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), der zuerst von Flächenbrand sprach, wurde bisher nicht befragt. Und auch die Einsicht von FN-Sportchef Reinhard Wendt, dass Regelverstöße offenbar an der Tagesordnung seien, fand keinen Eingang in die Bewertung der Kommission. Aber hat wirklich jemand erwartet, dass ein Reiter bisher nicht nachgewiesene Manipulationen gestehen würde?
Das wäre wohl etwas viel verlangt. Stattdessen traten bestens vorbereitete junge Leute vor die Kommission, beschworen den fairen Sport und ihre Liebe zum Pferd, schilderten ihre Unsicherheit wegen des wirren Reglements, und wie sehr sie unter dem Image des Dopingsports leiden. Die Klagen der Reiter sind alt, aber die Herren hörten sie womöglich zum ersten Mal. Sie waren sicher guten Willens herauszufinden, wer die Wahrheit sagte, wer die halbe Wahrheit, wer die ganze Unwahrheit - aber Lügendetektoren hatten sie schließlich nicht dabei.
Der Eindruck, den sie von der jungen Reitergeneration gewonnen haben, teilen nicht alle; selbst FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau bedauerte vergangenes Jahr die häufig sehr erfolgsorientierte Haltung des Nachwuchses zum lebenden Sportgerät Pferd. Nach vielem, was das neue Sauber-Image getrübt hätte, wurde wohlweislich nicht gefragt. Wer immer in der FN im Sturm der sich häufenden Doping- und Medikationsskandale die Idee hatte, die Leistungskader aufzulösen und eine unabhängige Kommission einzusetzen, kann sich auf die Schultern klopfen: PR-Aktion gelungen.
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folgende Geschichte vor: Eine junge Reiterin, sagen wir mal 16 Jahre alt, bekommt von ihren Eltern für zwei Jahre ein Pferd geleast. Der Leasingpreis ist sechsstellig, das Pferd ein Garant für Erfolge auf Bundesebene. Nun erleidet das geleaste Pferd zwei Wochen vor der Landesmeiterschaft, die als Qualifikation für die Deutschen bestritten werden muss, eine Hufverletzung. Was geschieht? Das kluge Mädchen, die klugen Eltern und die klugen Trainer handeln weise und sagen ab? Nein, der Trainer geht zum Verbandschef und dann wird "erfolgreich behandelt". Dem Mädchen sagt man gar nichts - den Eltern als Sponsoren vorsichtshalber auch nicht.
Der Reitsport ist keine Angelegenheit von Einzelpersonen. Da mischen viele mit, vor allem aber viel Geld. Wenn es einen gibt, der rausfällt, dann ist das die Reiterin auf einem Schulpferd, welches beim heimischen Turnier in der E-Dressur nicht ganz taktrein läuft und von den Richtern disqualifiziert wird. Ethik hat eben ihren Preis.
....... bei einem Grand Prix, geschweige denn bei den Olympischen Spielen anzutreten, wird sich hüten, zuzugeben, was er mit seinem Pferd macht! Diese Reiter müssen ehrgeizig sein, weil sie sonst ihr Ziel nicht erreichen. Und da Pferde eben auch Lebewesen sind und ihren eigenen Kopf haben und eben auch reine Fluchttiere sind, die sehr schnell scheuen können, muss eben auch mal medikamentiert werden, wenn ein Turnier vor der Türe steht!
Diese Reiter sehen in diesem lieben Tier nur das Sportgerät, dass sie in Richtung Karriere tragen soll. In gewisser Weise gehen sie natürlich auch vorsichtig um mit dem Gold da unter sich, aber im Zweifelsfall geht es nicht mehr um das Tier.
Wie sollen sie dies zugeben können?